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Viele Jugendliche sind online-süchtig

19. Nov 2007 10:58
So leer ist es selten: Internetcafé in Berlin
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Spiele, Chats, vituelle Identitäten – immer mehr User zeigen im Internet klare Symptome von Sucht. Als Krankheit werden diese psychischen Störungen aber noch nicht anerkannt.

Die Sucht nach dem Internet ist nach Meinung des Psychologen Thomas Hintz in erster Linie ein Jugendproblem. «Betroffen sind vor allem junge Leute zwischen 14 und 20 Jahren. Es geht dabei zum Beispiel um Spiele, Chats oder das Spielen mit der eigenen Identität in einer virtuellen Welt», sagte Hintz, Psychologe am Mannheimer Zentralinstitut für seelische Gesundheit, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Häufig sei die Online-Sucht eine Folge von Problemen wie Angst vor sozialen Kontakten, fehlendem Selbstwertgefühl oder depressiven Neigungen.

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Den Begriff einer Internet-Sucht gibt es seit 1996. Doch bis heute stritten Wissenschaftler darüber, ob es sich dabei um eine eigenständige Störung handele oder eher um den Teil eines tiefliegenderen seelischen Problems, erläuterte Hintz. Als Krankheitsbild anerkannt sei eine Online-Sucht in Deutschland nicht. Wie Spielsucht oder Kleptomanie könne sie aber in die Kategorie der «Impuls-Kontroll-Störungen» eingeordnet werden, ergänzte der Experte. Am 23. November gibt es auf der Berliner Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde ein Symposium über Ursachen, Folgen und Therapiemöglichkeiten einer Abhängigkeit vom Netz.

Wo ist offline?

Nach Studien in den USA und in Berlin schätzten Forscher heute, dass rund zehn Prozent der Internet-Nutzer suchtgefährdet sind. Neben Jugendlichen seien es vor allem erwachsene Singles, schilderte Hintz. Ein Prozent der Nutzer sei durch diese Abhängigkeit in einen Teufelskreis geraten: Sie surften bis weit in die Nacht, fehlten in der Schule oder am Arbeitsplatz und hätten kaum noch Kontakt zu Freunden oder Familie. «Auch Offline kreisen die Gedanken um das Internet», sagte Hintz.

Durchschnittlich 35 bis 40 Stunden pro Woche verbrächten Süchtige im Netz, im Vergleich zu den vier bis zehn Stunden der üblichen Nutzer, die online vor allem nach Informationen suchten. «Süchtige befriedigen im Netz vor allem ihre sozialen Bedürfnisse», erläuterte Hintz. Sie suchten Gesprächspartner und Bestätigung in der virtuellen Welt und vernachlässigten darüber ihr soziales Leben in der Realität. «Vielen Süchtigen ist ihre Isolation bewusst und sie leiden darunter.» Die Einsamkeit treibe sie dann aber wieder ins Netz – und wachse dadurch noch mehr. (Ulrike von Leszczynski/dpa)

 
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