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«Blogger brauchen keine Preise»

20. Nov 2007 07:49
Schön: Bild aus dem Sieger-Weblog
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Die «Deutsche Welle» hat wieder einmal die besten Weblogs prämiert. Längst nicht alle Blogger sind mit den Ergebnissen zufrieden. Außerdem: Neue Blogs - kurz vorgestellt. Der Blogblick

Wie in jedem Jahr hat sich auch diesmal wieder die «Deutsche Welle» auf die Suche nach den besten Weblogs der Welt gemacht - den so genannten BOBs. Bewertet und ausgezeichnet von einer internationalen Jury wurden Donnerstagnacht Blogs aus zehn verschiedenen Sprachräumen und in fünf globalen Kategorien.

Der Metablocker erklärt kurz, worum genau es geht und wie es funktioniert: «Grundlage für die Preisvergabe waren einerseits ein Juryentscheid, andererseits eine Internetabstimmung. Auffällig ist, dass die Internetabstimmung und die Jury meilenweit auseinander liegen: Von den Jury-Favoriten tauchen nur äußerst wenige bei den Nutzer-Favoriten auf. Insgesamt vergab die Jury 15 Awards.»

Den Gesamtpreis erhielt Foto-Mania aus Weißrussland. Xenia Awimova zeigt hier nichts als Fotos - aufgenommen in und rund um Minsk. Der Preis für das beste Podcast ging nach München, an Deef Pirmasens' Weblog Die Gefühlskonserve. Der Jury hat die folgende Mischung offenbar gut gefallen: «Literatur, Trash und schlechte Laune im Blog und Podcast von Deef Pirmasens. Letzte Hörbuch-Lesung: Sherlock Holmes».

Als bestes Videoblog schnitt Alive in Baghdad ab, ein wöchentlich aktualisiertes englisch-sprachiges Videoblog, das von einem Team US-amerikanischer und irakischer Journalisten im Irak produziert wird. Den Preis für die Katekorie «Best Weblog Deutsch» räumte Christiane Link mit ihrem Behindertenparkplatz ab. Darin berichtet eine im Rollstuhl sitzende Journalistin, wie es in der Begründung der «Deutschen Welle» heißt, «über ihre internationalen Reisen, ihre Arbeit, die Schwierigkeiten, die ihr in den Weg gelegt werden. Beispiellose Einblicke in den Alltag einer Rollifahrerin, die Stereotypen und Behindertenfeindlichkeit bloßstellt und bekämpft.»

Weitere Preise für das beste englisch-, russisch, spanisch- etc. -sprachige Blog wurden ebenso vergeben wie solche für Abgedrehtes aus der Kultur und einen «Reporter ohne Grenzen-Award». Eine Übersicht aller Preisträger finden Sie hier. Außerdem durfte das Publikum ran. Beim Zuschauer-Voting kam das brasilianische Blog do Tas auf Platz 1.

Johnny Haeusler, Spreeblick, der die Preisverleihung zusammen mit Ellen ten Damme moderiert hat, meint, Blogger seinen an jenem Abend «die Minderheit» gewesen - «im Publikum, nicht auf der Bühne.» Die richtigen Fragen stellt er auch noch: «Klar: Blogger brauchen keine Preise, Auszeichnungen sind blöd. Und wieso gewinnt da Blog X und nicht Blog Y? Und vor allem: Wieso nicht ich?»

Insgesamt aber zeigt sich Haeusler mit der Veranstaltung recht zufrieden: «Ich kannte vorher kaum jemanden der Anwesenden, doch kommunikationswillig wie Blogger oft sind, war es leicht ins Gespräch zu kommen. Das hat Spaß gemacht und mal wieder den Horizont erweitert. Ehrlich: Lasst euch das im nächsten Jahr nicht entgehen.»

Das gilt für Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache, nicht. Sein Beitrag beginnt mit den Worten «Wieder einmal hat die Deutsche Welle ihren Weblog-Preis 'Best of Blogs' verliehen - wieder einmal ist das Ergebnis verbunden mit dem Ruch des Unseriösen.» Im Einzelnen kritisiert der Autor die «Grundkonstruktion: Wie soll denn bittschön das deutsche Publikum darüber abstimmen, ob ein weißrussisches Blog spannender ist als ein chinesisches? Ein Diskurs über die Qualität ist nicht möglich.» Vorgeschlagene Blogs kämen teilweise erst nach Wochen in die Liste der Vorgeschlagenen, die Stimmen würden verspätet ausgezählt, die technische Basis sei «dürftig» und hackeranfällig.

Auch auf Inadequat hat man allerlei Ärgerliches gefunden. Zu Recht gehe der erste Preis nach Weißrussland, «der Autor allerdings» sei zu «seinem Erstaunen» davon nicht verständigt worden - «von einer Einladung zur Berliner Preisverleihung war schon gar keine Rede». Den anderen Gewinnern sei es ähnlich ergangen. Zuvor waren auf Inadequat schon «Fragwürdigkeiten beim Setup der Jury sowie hinsichtlich der Nominierungspraxis beim Wettbewerb», aber auch Hackerangriffe und Manipulationen benannt worden.

Nominiert war auch das Bestatterweblog, für einen Preis bekam es jedoch nicht genügend Stimmen. Vielleicht lag das an den ein wenig verwirrenden Abstimmungsmodi, die in diesem Blog nach Leserfragen noch einmal ausführlich beschrieben wurden. «In der Übersicht der verschiedenen Kategorien nach unten scrollen 'Best Weblog Deutsch'. Hier NICHT auf den Namen des Weblogs klicken, sondern in den weißen runden Button davor. Jetzt nach unten scrollen und Namen, Email und den Captcha-Code aus dem grafischen Feld eingeben, fertig.»

Na, nicht ganz: «Hier geht es zum Uservoting. Klickt man auf den Namen des Weblogs, kommt ein großer Screenshot und man kann einen Kommentar und seine persönliche Bewertung in Sternchen abgeben. Das zählt aber NICHT für das Uservoting!»

Was war, ist vorbei. Die Sieger stehen fest. Und der nächste Weblog-Wettbewerb kommt bestimmt.


Mehr im Internet: Kommentare der Woche

Anhang
Neue Blogs: In letzter Zeit sind einige neue Weblogs entstanden. Drei von ihnen sollen hier kurz vorgestellt werden. Das Antville-Blog Corronita schreibt über den eigenen Daseinszweck: «Diese Seite ist entstanden, weil es an der Zeit ist, die Überwacher zu überwachen, den Spieß umzudrehen und alles zu fotografieren was uns tagtäglich speichert, uns in Pixel und Bits wandelt.» Im zur Riesenmaschine gehörenden Blog Lesemaschine stellen diverse Autoren kurz und knackig Bücher vor, die sie gerade lesen. Derzeit werden Autoren wie Stendhal, Svevo, Chadwick und Descartes besprochen. Das auf den Servern der Wochenzeitung «Die Zeit» befindliche Weblog Störungsmelder macht schon im Untertitel klar, worum es geht: «Wir müssen reden. Über Nazis.» Zahlreiche Autoren, unter ihnen auch Prominente wie der Fußballer Thomas Hitzelsperger oder der Fernsehmoderator Markus Kavka, wenden sich gegen alles, was rechtsaußen ist. Die beiden Zeichner Hauck&Bauer, tätig u.a. für «Titanic» und «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung», präsentieren «Am Rande der Gesellschaft» - «das langsamste Blog der Welt». Gepostet werden einige ihrer Comic-Strips.

 
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