Mit Pippi und Michel im Netz
14. Nov 2007 12:45
 |  Kunterbunt online: Pippi Langstrumpf im neuen Spiel «Apselut Spunk» | Foto: Oetinger Verlag/dpa/tmn |
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100 Jahre Astrid Lindgren: Auch aus dem Internet sind ihre Figuren nicht mehr wegzudenken.
Maik Söhler hat sich - mit tatkräftiger Unterstützung - mal einige Lindgren-Websites angesehen.
Nicht nur meine Tochter wächst und wächst, auch ihre Lesezeichenliste in unserem Familien-Laptop wird von Woche zu Woche größer. Es fing ganz harmlos mit dem interaktiven und sehr schön gestalteten Webauftritt der «Sendung mit der Maus» an. Dann aber änderten sich ihre Interessen - Puppen kamen und gingen, Ponys eroberten ihr Herz, schließlich hielt Prinzissen Lillifee einen triumphalen Einzug ins Kinderzimmer.
Doch nichts hat sie bisher so nachhaltig beeindruckt wie die Welt, die uns die schwedische Kinderbuch-Autorin Astrid Lindgren hinterließ. Nein, würde meine Tochter jetzt widersprechen: Sie hat sie mir hinterlassen. Pippi Langstrumpf war die erste, mit der sie mittels eines Filmes bekannt wurde. Die Bücher mussten folgen, dann alle anderen Filme. Wir Eltern freuten uns: Es gibt ja deutlich schlimmere Identifikationsfiguren.Michel aus Lönneberga kam und siegte, kurz danach mussten wir zur Bullerbü-Lektüre ran, bitte die Kinder aus der Krachmacherstraße und Madita nicht vergessen, zuletzt war die Karlsson vom Dach-Phase dran. Ronja Räubertochter, Kalle Blomquist, Nils Karlsson-Däumling und weitere werden nicht an uns vorbeigehen - das ist so sicher, wie Ordnung im Kinderzimmer fehl am Platz ist.
Mattscheibe oder Medienkompetenz?
Gleichzeitig wuchs ihre Laptop-Lesezeichenliste. Wir Eltern diskutierten. Ist es gut, wenn eine Fünfjährige nicht nur weiß, wie man den Computer einschaltet, sondern auch selbständig ins Netz und auf ihre Lieblingsseiten gelangt? Droht hier eine frühe Form viereckiger Augen oder handelt es sich dabei einfach nur um die alltägliche Form der vielbeschworenen Medienkompetenz?Schon länger müssen wir darüber nicht mehr streiten - sie hat einen guten Umgang mit dem Rechner gefunden. Meistens interessiert er sie gar nicht. Und wenn doch, dann wird ein wenig geguckt und gespielt. Ihre Art, sich im Netz zu bewegen, hat mich vieles von dem gelehrt, was Kindern im Internet wichtig ist.
Pippi und Co.-Seiten im Test
Und so habe ich die wohl weltbeste Testerin an meiner Seite, wenn ich mich daran mache, mir einige der vielen Online-Auftritte, die aus den Welten Lindgrens entstanden sind, mal näher anzusehen.
Fangen wir einfach bei ihrer Lieblings-Pippi-Langstrumpf-Seite an: Efraimstochter.de. Sie bietet alles, was Kinder wünschen: Beim Besuch der Startseite erklingt das bekannte Lied aus den Pippi-Filmen, dahinter finden sich eine Zopf-Bilder-Galerie, Mitmachspiele, Back- und Kochrezepte, Malbuchbilder zum Ausdrucken, ein Gästebuch und vieles mehr. Man kann sich ein Passwort schicken lassen und kann danach ein eigenes Profil anlegen, das muss aber nicht sein.Vor allem die Spiele haben es ihr angetan. Wir treten gegeneinander an beim Kartensuchspiel mit Motiven aus den Filmen - sie gewinnt. Eines der Gadgets heißt «Donner-Karlsson ärgen». Er ist einer der ungeschickten und grundsympathischen Räuber, die von Pippi immer wieder eins auf die Rübe bekommen. Online können ihn die Kinder selbst ärgern: Ein Bild mit seinem Gesicht lässt sich per Mausklick beliebig verzerren.
Offizielle Seiten schneiden schlecht ab
Hinzukommen allerlei nützliche Informationen, Newsletter, Links, Songs (der bekannte Filmsong in acht Sprachen, darunter die sehr ansprechenden Interpretationen auf Finnisch und Italienisch!), Historisches, Kuschliges, Fotos, Zeichentrick, Tipps und fertig ist das Online-Kinderglück.
Da können diverse offizielle und kommerzielle Seiten nicht mithalten. Die Astrid-Lindgren-Seiten des Oetinger Verlags, der in Deutschland die Bücher der Schwedin exklusiv vertreibt, bietet zwar viel mehr Informationen, die meist kompakter und besser als auf Efraimstochter.de aufbereitet sind.Was aber nützen sie jemandem, der noch nicht lesen kann? Ein neues Spiel wird bei Oetinger angeboten, aber man muss es kaufen. Außerdem muss «Shockwave» installiert sein. Beim Download schmiert der Rechner ab, kostbare Zeit geht verloren, die Tochte wird ungeduldig. Interessant findet sie hier allein das Angebot an Bildschirmschonern mit Pippi-Motiven.
Statische Seiten
Begeisterung kommt dagegen auf der Startseite der schwedischen Astrid Lindgrens Värld auf. Pippi begrüßt uns - auf Schwedisch. Das muss sich man wieder und wieder anhören. Doch bald schon weicht die Euphorie der Enttäuschung. Zwar ist die Startseite hübsch und übersichtlich gestaltet und man kann sie wie alle anderen Seiten sogar ins Deutsche übersetzen lassen.
Aber als wir uns den anderen kleinen Helden aus Lindgrens Welt zuwenden, passiert nicht viel. Michel aus Lönneberga besteht auf Astrid Lindgren Värld aus ein bisschen Text und fünf Bildern, die man anklicken kann. Ähnlich ist es bei Madita. Ein Puzzle und Spiele werden angekündigt, der Link ist jedoch tot. Dass man hier Veranstaltungshinweise für Gesang und Theater angeboten bekommt sowie Unterkünfte in Schweden direkt buchen kann - für Eltern nicht unwichtig, für eine Fünfjährige geschenkt. Unter der Rubrik «Kindisch» finden wir zum Schluss dann doch noch ein Lindgren-Memory und «eine Anziehpuppe vom stärksten Mädchen der Welt». Das Memory wird angeklickt und rasch gelöst, wieder gewinnt sie. Aber es ist zu wenig und vor allem ist es zu spät - wir wollen weiter.
Keine Datenbank
Ich würde mich jetzt gerne mal kurz in das Hamburger Online-Portal «Astrid Lindgren - Datenbank aller Werke und Sekundärliteratur» einloggen, muss mich aber nach der Frage «Was ist eine Datenbank?», der anschließenden Kurzerklärung und einem drastischen «Nein» mächtigeren Interessen beugen.
So besuchen wir noch Michels Katthulthof im Netz, klicken uns durch die einzelnen Gebäude und verweilen ein wenig im Tischlerschuppen, wo Michel seine Holzfiguren schnitzt. Nun will die Tochter gerne Filme sehen. Wir gelangen schnell auf TV-Film-Trailer auf Youtube, gehen von dort in die ZDF-Mediathek, finden aber nur Johannes B. Kerner, Peter Hahne und andere Medienprofis, die über Michel berichten. Und nun? Es kommt, wie es in solchen Fällen kommen muss. Der kindliche Wiederholungszwang setzt sich durch. Am Ende landen wir wieder auf Efraimstochter.de und spielen. In der Zwischenzeit aber ist die Lesezeichenliste meiner Tochter weiter angewachsen. Denn alle Stationen unserer kleinen Reise mussten wir unbedingt markieren, damit sie beim nächsten Mal von selbst dorthin findet.