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Blogger über SPD: «Leck mich, fick dich, stirb!»

13. Nov 2007 10:08
Ist Demontagen gewohnt: Abbau des SPD-Würfels in Bonn, 2001
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Der Bundestag hat die Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Der Zorn der Blogger konzentriert sich auf die Sozialdemokraten. Außerdem: Wie sieht kommunistisches Webdesign aus? Der Blogblick.

Am 9. November hat der Bundestag die so genannte Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Falls eine Verfassungsbeschwerde keinen Erfolg haben sollte, sind ab dem 1. Januar 2008 die Telefonanbieter verpflichtet, alle Verkehrsdaten sechs Monate lang zu speichern. Für Internetprovider gilt die Speicherungspflicht erst ab 2009, da der Gesetzentwurf wenige Tage vor der Verabschiedung geändert wurde. Die Bloggemeinde ist über die Vorratsdatenspeicherung nicht allzu amüsiert.

Die Lage vor der Abstimmung: Felix Schwenzel geht auf seine erste Demo. Er referiert die Rede der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger - wie gewohnt fast ohne Großbuchstaben: «die bundesregierung behauptet ja, sie müsse das gesetz zur vorratsdatenspeicherung aufgrund eines EU-beschlusses umsetzen. pustekuchen, gegen das gesetz sind mehrere klagen (oder zumindest eine von irland) offen. und es sieht ganz danach aus, dass die europäische verfassungsklage erfolgreich sein wird und den beschluss, der die mitgliedsstaaten zur umsetzung von vorratsdatenspeicherung-gesetzen anhält, kippt.»

Der «Handelsblatt»-Blogger Thomas Knüwer stellt fest, bei der Abstimmung werde sich zeigen, ob die Abgeordneten «sich ihrem Gewissen verpflichtet fühlen oder ihren Karrierechancen innerhalb der Partei. Wer ersteres als höchste Priorität sieht, wird dem Gesetzesentwurf nicht zustimmen können.»

Dann der Tag der Abstimmung. Blogs und Webseiten tragen Trauerflor. Beim Blick auf das Abstimmungsergebnis drängt sich der schreckliche Verdacht auf, der Deutsche Bundestag könnte womöglich zu einem nicht unerheblichen Teil aus Leuten bestehen, die nicht ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet sind. Das ZAF-Blog listet die 366 «Befürworter des Überwachungsstaates» auf. Don Dahlmann zieht den radikalen Schluss: «366 Abgeordnete, die man nicht mehr wählen muss».

Lukas Heinser befördert lieber die elf Mitglieder der Regierungskoalition, die gegen das Gesetz gestimmt haben, zu «Helden für einen Tag». Unter diesen Helden befindet sich auch der CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler, der bereits mehrfach - etwa in gleichlautenden Briefen an die Blogger Ruben Engel und Martin Taukovic - angekündigt hatte, dass er dem Gesetz nicht zustimmen werde, da der Eingriff in die Grundrechte «in keinem Verhältnis zum Nutzen der Maßnahme» stehe.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes wird der Ton rauer. Hier und da knallt ein Blogger mit den Türen. Der Rationalstürmer schreibt an die Adresse der SPD: «Weißt du eigentlich, dass ich dir tatsächlich einmal vertraut habe?» Wie schnell eine enttäuschte Liebe in unschöne Unterstellungen und, ja, in blanken Hass umschlagen kann, zeigt der weitere Verlauf des Postings: «Weißt du, ich glaube, dass du tief in dir drin einfach eine Drecksau geworden bist. Kannst du nicht bitte einfach schnell sterben?»

Ganz wüst wird Felix Schwenzel. Unter der Überschrift «leck mich, SPD» greift er seinen Abgeordneten frontal an: «da ich ihn persönlich, bzw. direkt gewählt habe, möchte ix noch ein paar worte an den 'bürgerrechtler' wolfgang thierse richten, der heute für das gesetz gestimmt hat: •••• •••• •• •••••!» Der bekennende Sozialdemokrat Don Alphonso wirft seiner Partei, der «Steigbügel- und Schäubleergreifungs-SPD», ein schlichtes «Fick Dich!» vor die Füße.

Der Wörterberg, der seit einiger Zeit nur noch meinungsverfremdend und damit praktisch abmahnsicher in indirekter Rede bloggt, meint bzw. scheint zu dem Thema zu meinen bzw. meinen zu lassen: «Jetzt werde Freiheit allmählich auch hierzulande einer grösseren Zahl von Menschen wieder sinnlich erfahrbar, da es etwas, wenn auch noch lange nicht das Leben kosten könne, sich ihrer zu bedienen.»

Das alles ist so hässlich, man muss sich einfach schnell ab- und dem Schönen, Guten, Wahren zuwenden. Malorama spricht wider und doch für den Siegertext des Literaturwettbewerbes «Open Mike»: «vielleicht hat mich aber auch nur die stelle so runtergezogen, in der von innen beschlagene schulbusfenster im winter beschrieben werden, was ja eigentlich für die qualität eines textes spricht. die runterziehqualität.»

Sylvia Egger, die Lexikologin des Literaturbetriebs, notiert zur Bezeichnung des Wettbewerbsgewinners Johann Trupp als «schreibender Lagerarbeiter»: «Das passt dem Feuilleton - die Zuschreibungen des Lebens. Endlich wieder ein Autor an der Werkbank.» Dirk Schröder konstatiert in ähnlichem Zusammenhang bündig: «Das Preiswesen ist nicht kunstfern, es ist kunstfeindlich.»

Alban Nikolai Herbst wendet sich in seiner «Kleinen Theorie des Literarischen Bloggens» der Empirie zu. 24014 Zugriffe habe sein meistgelesener Blogtext. Der trägt die suchmaschinenfreundliche Überschrift: «Ficken Sie mich, aber fassen Sie mich nicht dabei an!»


Mehr im Internet: Kommentare der Woche

Anhang

Komische Menschen: Neuro ist es gewohnt, komische Menschen anzuziehen: «der hamma heute war aber ein typ, der mich am gleis einhundertzwei angesprochen hat: 'tschuldigung, würden sie mit mir den schirm tauschen?» +++ Das Posting danach: Frau Klugscheisser konstatiert: «Die Frage 'Na, wie war ich?' erübrigt sich, weil man das sowieso am nächsten Tag im entsprechenden Blog nachlesen kann.» +++ Anatomische Traumdeutung: Frau Fragmente mutmaßt: «Wahrscheinlich lag ich mit komisch abgeknickten Hals im Bett, und das Blut floss in eine Hirnregion, die gleichermaßen für Sex, Selbstüberschätzung und Kopfrechnen zuständig ist.» +++ Ein Leserinnenbrief: Moni, selbst Mutter eines autistischen Sohnes, hat einen «taz»-Artikel gelesen, in dem ein Beinahe-Vater beschreibt, warum sein möglicherweise behindertes Kind abgetrieben wurde. Daraufhin hat sie einen Brief geschrieben: «Allerdings verärgert es mich sehr, wenn die Rechtfertigung eines Abbruchs so weit geht, dass sie in einen klaren Angriff auf Menschen mündet, die sich anders entscheiden.» In den Kommentaren wird der Brief intensiv diskutiert. +++ Erwachsenen das Bloggen beibringen: Martin Riemer, Riemer-O-Rama, versucht es: «Ich erkläre ihm nochmal, ein Blog funktioniere nur mit Eigenem, er entgegnete, das wäre ihm zu persönlich, da stehe er nicht drauf, das wäre ihm zu schwul.» +++ Kommunistisches Webdesign: Das qummunismus-Weblog denkt angesichts der neuen KPÖ-Homepage über kommunistisches Webdesign nach: «Gerade angesichts von Rassismus und Nationalismus ist es für eine internationalistische Partei notwendig, auch fremdsprachige Texte publizieren und integrieren zu können. Das geht mit ISO-8859-1 nicht wirklich gut.» (Via-Links sind an dieser Stelle selten. Hier soll es einmal sein: via Adresscomptoir. ) +++ Thurgauer Heimatschutz: Manfred Poser beschreibt einen Wettbewerb, bei dem Architekten vorschlagen sollten, «was man aus alten Trafohäuschen machen könnte. 800 Transformatorenhäuschen mit Walmdach stehen im Kanton gut verteilt herum.»

Für das Web editiert von Bov Bjerg.

 
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