Die Simpsons - Das Spiel: «Umpf»
09.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Und wie bei den 111 Versuchen zuvor darf auch dieses Mal jeder Hardcore-Gamer greinen: Mehr als klassisches Jump'n'Run sei dies nicht; wieder mal sei mehr Geld in die Lizenzkosten als ins Gameplay geflossen; zu kurz sei das Ding, zu reizlos der Koop-Modus, man habe vorwiegend mit den Tücken der Kameraperspektive zu kämpfen, und nicht mal, Gruß aus dem letzten Jahrhundert!, übers Internet könne man es nun daddeln.
Ganz nebenbei versöhnt es einen auch noch mit der Serie und ihren Machern, nachdem ja der Kinofilm im Sommer den Nachweis seiner Notwendigkeit schuldig geblieben war.
Steuert man Homer, Bart, Marge, Lisa oder Maggie durch die abenteuerhaltigen Straßen von Springfield, so ist schon das pure Herumlaufen und Erkunden ein Genuss: Homer in unserer Hand ächzt wie der echte, grienend lässt man ihn durch Vorgärten stampfen, lässt Bart und die anderen ihre abstrusen Sammelcoupons sammeln, und entdeckt man, da der Hafer einen juckt, wie irre witzig unmotivierte Gewalt sein kann.
Ehe man sich vollends orientiert hat im Spiel oder sich ans nächste verzwickte Level herantrauen mag, kann man nämlich umstandslos den einen oder anderen arglosen Passanten vermöbeln: Das dumpfe «Umpf» der Faustschläge, das hysterische Aufkreischen der Opfer und ihre sinnlos johlende Flucht, die letztlich doch im finalen Niederschlag endet - das sind überschüssige, charmante Details, die eine echte Hingabe der Designer erahnen lassen.
Endgültig beglaubigt wird es auf der akustischen Ebene. An diesem Simpsons-Spiel waren endlich einmal die Macher der Serie beteiligt, die echten Dialogschreiber, die echten Sprecher. Und was soll man sagen? So etwas Lustiges - von der Grundaufgabe bis zur Gestaltung der Endmonster - hat man in Games noch selten erlebt.
Schon was die Springfield-Passanten an Monologen vor sich hinmaunzen, ehe man sie spaßeshalber K.O. schlägt, ist so witzig, dass man immer noch mehr aus ihnen herausklopsen möchte - Umpf! Umpf! Selber schuld aber auch! -, und oft genug geben sie auch wirklich einiges her.
«Die Simpsons - Das Spiel» löst ein, was viele andere nur versprechen: unterm Strich mehr zu sein als eine Etüde in Reaktionsvermögen und Fingergeschick.
Von Episode zu Episode sieht man seine gelben Helden durch immer irgendwie bekanntes Gelände stapfen und hüpfen und genießt den Mehrwert des Wiedererkennens: Bart einmal durch «Tomb Raider»-taugliche Tempelkulissen kraxeln zu sehen, den gelb-wabbeligen Homer in «Medal of Homer» als Weltkriegssoldaten die Normandie erobern zu betrachten, wenn er nicht gerade mit seiner Spezialattacke, dem Super-Rülpser, ein furchtbares Gemetzel unter angreifenden Schokoladenhasen im Schokoladenland anrichtet - das hat einen Zauber, der gar nicht nach innovativen Spielideen verlangt, ganz im Gegenteil.
«Die Simpsons - Das Spiel» von «EA» wurde von uns auf der «Xbox 360» getestet und ist auch für die Playstation 3, Playstation 2, PSP, Wii und Nintendo DS erhältlich.

