Die Simpsons - Das Spiel: «Umpf»
09. Nov 2007 07:07
 |  "Echte Hingabe der Designer": Szene aus "Die Simpsons - Das Spiel" | Foto: EA |
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Zwischen Backpfeifen-Parade und Spiel-Persiflage: Der zigste Versuch, die Simpons in die Welt der Computerspiele zu überführen, ist endlich gelungen. Aus Springfield berichtet
Klaus Ungerer.
Mit «Die Simpsons - Das Spiel» von «Electronic Arts» veröffentlicht die Spiele-Industrie den zirka hundertundzwölften Versuch, die gelben Herrschaften vom Fernsehbildschirm ins Videospiel zu transferieren.Und wie bei den 111 Versuchen zuvor darf auch dieses Mal jeder Hardcore-Gamer greinen: Mehr als klassisches Jump'n'Run sei dies nicht; wieder mal sei mehr Geld in die Lizenzkosten als ins Gameplay geflossen; zu kurz sei das Ding, zu reizlos der Koop-Modus, man habe vorwiegend mit den Tücken der Kameraperspektive zu kämpfen, und nicht mal, Gruß aus dem letzten Jahrhundert!, übers Internet könne man es nun daddeln.
Stimmt ja alles auch. Was lernt man also? Die Spezialisten haben oft Recht und Unrecht zugleich: Denn so sehr sich scharfer Blick und kritischer Geist hier im Gameplay verhaken, so negativ auch manche Kosten-Nutzen-Rechnung auf der technischen Ebene ausfallen will: Das Simpsons-Spiel zu spielen ist ein rechtschaffener Spaß wie man ihn im Computerspiel selten erlebt.Ganz nebenbei versöhnt es einen auch noch mit der Serie und ihren Machern, nachdem ja der Kinofilm im Sommer den Nachweis seiner Notwendigkeit schuldig geblieben war.
Homer im Vorgarten
Wie anders ist es nun hier: Die Kinosäle hatten noch nicht wirklich erobert werden können - dass nun aber die Simpsons in die Xbox 360, in die Playstation 3 und ihre Kollegen hineingehören (freilich, die Experten melden von anderen Plattformen Grafikeinbußen), das wird einem nach wenigen Minuten klar. Das erste dicke Plus ist dabei natürlich die Herkunft der Simpsons aus dem Animationsfilm: Dank heutiger Rechenkraft lässt dessen Optik sich bruchlos ins Spiel übertragen, zumal bei einer buntflächigen Welt wie der der Simpsons. Steuert man Homer, Bart, Marge, Lisa oder Maggie durch die abenteuerhaltigen Straßen von Springfield, so ist schon das pure Herumlaufen und Erkunden ein Genuss: Homer in unserer Hand ächzt wie der echte, grienend lässt man ihn durch Vorgärten stampfen, lässt Bart und die anderen ihre abstrusen Sammelcoupons sammeln, und entdeckt man, da der Hafer einen juckt, wie irre witzig unmotivierte Gewalt sein kann.
Ehe man sich vollends orientiert hat im Spiel oder sich ans nächste verzwickte Level herantrauen mag, kann man nämlich umstandslos den einen oder anderen arglosen Passanten vermöbeln: Das dumpfe «Umpf» der Faustschläge, das hysterische Aufkreischen der Opfer und ihre sinnlos johlende Flucht, die letztlich doch im finalen Niederschlag endet - das sind überschüssige, charmante Details, die eine echte Hingabe der Designer erahnen lassen.
Das «echte» Springfield
Mit den frei beweglichen Animationen ist das Videospiel sehr nah an einen alten Traum herangekommen: die Grenze zwischen Film und Spiel verwischen zu können. Gibt es in vielen Spielen doch einen spürbaren Bruch zwischen dem eigentlichen Gameplay und den zugespielten Zwischensequenzen, so gelingt hier eine Verschmelzung. Der Schnitt katapultiert uns nicht in eine andere Optik hinein, und das Spiel als solches lässt nichts vermissen. Dieses Springfield sieht so echt aus wie Springfield eben echt aussehen kann.Endgültig beglaubigt wird es auf der akustischen Ebene. An diesem Simpsons-Spiel waren endlich einmal die Macher der Serie beteiligt, die echten Dialogschreiber, die echten Sprecher. Und was soll man sagen? So etwas Lustiges - von der Grundaufgabe bis zur Gestaltung der Endmonster - hat man in Games noch selten erlebt.
Schon was die Springfield-Passanten an Monologen vor sich hinmaunzen, ehe man sie spaßeshalber K.O. schlägt, ist so witzig, dass man immer noch mehr aus ihnen herausklopsen möchte - Umpf! Umpf! Selber schuld aber auch! -, und oft genug geben sie auch wirklich einiges her.
Mehr als Fingergeschick
Atmosphäre ist ein Wunsch, der in Videospielen oft in möglichst düstere Endzeitambientes und bedrückend dichtes Feindfeuer übersetzt wird. Im Simpsons-Spiel hingegen gelingt die viel schwierigere, die heitere Variante: Während man hüpft, sammelt und ballert, ist man immer wieder gefangen vom Witz der umherfliegenden Punchlines und von der liebevoll in Szene gesetzten Dämlichkeit der Figuren, so dass man einfach nur weiterwandeln möchte und jeden spielerischen Ehrgeiz vergisst.«Die Simpsons - Das Spiel» löst ein, was viele andere nur versprechen: unterm Strich mehr zu sein als eine Etüde in Reaktionsvermögen und Fingergeschick.
Eine Persiflage
Man rollte mit den Augen, man stöhnte wie Homer, als man nach dem Film nun auch noch das Spiel auf den Markt drängen sah. Nun erlebt man überraschend die Wiederauferstehung der Simpsons. Dieses Spiel ist so ironisch wie die Simpsons je waren, und konsequent ist also das Spiel eine einzige Persiflage auf die ehrwürdige Historie der Computerspiele.Von Episode zu Episode sieht man seine gelben Helden durch immer irgendwie bekanntes Gelände stapfen und hüpfen und genießt den Mehrwert des Wiedererkennens: Bart einmal durch «Tomb Raider»-taugliche Tempelkulissen kraxeln zu sehen, den gelb-wabbeligen Homer in «Medal of Homer» als Weltkriegssoldaten die Normandie erobern zu betrachten, wenn er nicht gerade mit seiner Spezialattacke, dem Super-Rülpser, ein furchtbares Gemetzel unter angreifenden Schokoladenhasen im Schokoladenland anrichtet - das hat einen Zauber, der gar nicht nach innovativen Spielideen verlangt, ganz im Gegenteil.
Gerne hechelt man da durch, gerne verzichtet man auch auf überknifflige Lösungen, da man den weiteren Fortgang bestaunen will. Empfehlung: Einfach einen Super-Gaming-Experten aus der näheren Bekanntschaft ans Spiel setzen. Und dann zugucken. Ist fast besser als Fernsehen.«Die Simpsons - Das Spiel» von «EA» wurde von uns auf der «Xbox 360» getestet und ist auch für die Playstation 3, Playstation 2, PSP, Wii und Nintendo DS erhältlich.