netzeitung.deRettungssoftware kann beim Datencrash helfen

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Geht da noch was? Rettungssoftware von PC-Inspektor (Foto: Convar/dpa/tmn<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Geht da noch was? Rettungssoftware von PC-Inspektor
Foto: Convar/dpa/tmn
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Plötzlich sind die Daten auf dem Computer weg, das letzte Backup liegt ein Jahr zurück. Ist nun alles verloren? Nein - zum Glück gibt es so genannte Rettungstools. Die meisten sind aber nicht ganz billig.

Der Verlust versehentlich gelöschter Computerdateien wiegt mitunter schwer. In vielen Fällen lassen sich aber Daten wiederherstellen, auch wenn zuvor kein Sicherheits-Backup angelegt wurde. Bevor Nutzer teure Fachleute damit beauftragen, lohnt sich ein Bergungsversuch in Eigenregie mit Hilfe spezieller Rettungssoftware.

Es passiert ganz schnell: Der Windows-Papierkorb wird voreilig geleert, ein Speicherlaufwerk versehentlich formatiert oder neu partitioniert - und wichtige Daten sind plötzlich nicht mehr auffindbar. Doch es besteht Hoffnung, denn das Betriebssystem hat sie im Normalfall nicht wirklich gelöscht, sondern nur zum Überschreiben freigegeben. «Es ist wie bei einem dicken Buch, bei dem ein Teil des Inhaltsverzeichnisses entfernt wird. Der Zugriff auf bestimmte Seiten ist dann nicht ohne weiteres mehr möglich», erklärt Boi Feddern, Redakteur der in Hannover erscheinenden Zeitschrift «c't».

Die Dateien lassen sich aber wiederherstellen - hier schlägt die Stunde von Rettungstools. Sie durchsuchen die Laufwerksoberfläche und versuchen, aus den verbleibenden Schnipseln wieder komplette Dateien zu erstellen. Je nach Laufwerksgröße kann das bis zu mehrere Stunden dauern. Einen Versuch wert sind im Internet erhältliche Gratisprogramme. «Freeware ist in vielen Fällen effektiv genug und auch für Einsteiger gut zu bedienen», sagt Feddern.

Freeware oder gekaufte Software?
Das kostenlose Tool «PC Inspector File Recovery» von Convar rekonstruiert Dateien mit Original-Uhrzeit und -Datum - auch solche, bei denen auf der Platte kein Verweis aus einem Verzeichnis mehr existiert. Dabei werden gängige Formate unterstützt. Irrtümlich gelöschte Urlaubsfotos etwa rettet «PC Inspector smart recovery», das für Speichermedien von Digitalkameras gedacht ist.

Sind härtere Nüsse zu knacken, lässt sich der Kauf leistungsfähigerer Software nicht umgehen. «Sollen etwa Systemdateien oder besondere Dateiformate gerettet werden, stößt Freeware an ihre Grenzen», lautet die Erfahrung von Jaroslav Smycek, Computerexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover.

Probeversionen testen
Doch auch bei Kaufsoftware gibt es Unterschiede. So variiere etwa die Erkennungsrate, sagt Smycek. Auch beim Zusammensetzen und Reparieren der Dateien trennt sich die Spreu vom Weizen. Eine scheinbar wiederhergestellte Datei ist ein schwacher Trost, wenn sie sich nicht öffnen lässt. «Gerade bei sehr großen Dateien und speziellen Formaten wie «.zip» oder «.psd» geht manchen Programmen die Puste aus», sagt Robert Globisch vom Online-Versandhändler «computeruniverse.net» in Friedrichsdorf (Hessen).

Globisch empfiehlt, in der Regel erhältliche Probeversionen ausgiebig zu testen. «Mit ihnen kann geprüft werden, ob und welche Dateien zu retten wären.» Der eigentliche Rettungsversuch wird aber erst nach dem Kauf uneingeschränkt möglich.

Bei Experten anerkannt ist die «EasyRecovery»-Serie von Ontrack. Die «Professional»-Version enthält eine umfangreiche Tool-Sammlung zur Wiederherstellung, Reparatur und Diagnose. Sie erkennt Herstellerangaben zufolge 290 Dateiformate. Angesichts des Preises von rund 570 Euro lohnt sich der Kauf, wenn die Wiederbeschaffung aufwendig wäre. Die abgespeckte Variante «Lite», die auf 25 rettbare Dateien pro Suchdurchlauf beschränkt ist, gibt es für rund 94 Euro.

Festplatte als Zusatzlaufwerk
Ein weiteres Tool-Paket ist «RescueBox» von O&O für etwa 100 Euro. Dieses kann im Notfall gleich von der CD ausgeführt werden. Im Handel sind auch günstigere Alternativen erhältlich. «Wie viel Geld ihm die Rettung wert ist, muss jeder Nutzer selbst entscheiden», sagt Smycek.

Damit die Erfolgschancen der Notfallhelfer nicht sinken, dürfen Nutzer nach dem Datenverlust nichts mehr auf die betroffene Festplatte schreiben - auch das Rettungstool sollte im Nachhinein nicht darauf installiert werden. «Die Gefahr, wichtige Datenfragmente zu überschreiben, ist groß», erklärt Smycek.

Um Schreibvorgänge zu vermeiden, verbietet sich jedes erneute Starten und Herunterfahren des Betriebssystems. Stattdessen ist es ratsam, die Festplatte in einen anderen Computer als Zusatzlaufwerk einzubauen, wo sie ungestört analysiert werden kann. Außerdem zu beachten: «Die Daten dürfen auf keiner Partition gesichert werden, von der noch welche gerettet werden sollen», sagt Feddern.

Abbild vom Laufwerk
Fehlgeschlagene Rettungsversuche können den Schaden verschlimmern. Daher sollten Nutzer zunächst ein identisches Abbild vom Laufwerk anlegen. Erneute Rettungsversuche sind mit der Image-Datei dann jederzeit möglich. Über eine solche Funktion verfügt etwa «R-Studio» von Haage & Partner (ab etwa 50 Euro). Weitere Vorteile dieses Rettungstools: Es unterstützt auch Raid-Systeme und Netzwerklaufwerke.

Hilflos sind Rettungstools bei physischen Defekten der Hardware. Wurde der Schreib- und Lesekopf einer Festplatte beschädigt oder haben ihr Wasser oder ein Brand zugesetzt, bleibt als letzte Lösung nur der Gang zu einem Datenrettungslabor. Eine Garantie, alle benötigten Daten wiederherzustellen, gibt es nicht. Ein regelmäßiges Sicherheits-Backup wichtiger Dateien können Rettungstools und Datenlabore nicht ersetzen, sagt Verbraucherschützer Smycek. (Berti Kolbow/dpa)