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Easy Gaming: Hier bin ich Mensch

02. Nov 2007 12:13
Der Dialog mit dem Affen als Höchstmaß an Stress: Szene aus «Die Sims 2 - Gestrandet»
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Selten war ein Computerspiel so entspannt wie das neue «Die Sims 2 - Gestrandet». Action ist anderswo, Ruhe ist des Inselbewohners Bürgerpflicht, alles kann, nichts muss. Klaus Ungerer hat es getestet.

Einsamkeit ist der Hit. Vor allem, wenn man ein Sim-Männchen ist, respektive eine Dame. Als Sim-Männchen durfte man ganz früher allenfalls statistenhaft durch wachsende Städte wuseln, später dann, mit dem Welterfolg «Die Sims» rückte immerhin die Kernfamilie in den Blickpunkt, und ein paar Bekannte und Kollegen drumherum.

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Mit dem gerade erschienenen, jüngsten Ableger der Computerspiel-Geldmaschine «Sims», «Die Sims 2 - Gestrandet», fokussiert sich der Blick auf ein Individuum und dessen Hege und Pflege. Und damit es von allem Alltag mit seinen Aufträgen, Arztgängen und Anrufen unberührt bleibt, wird es vom Schicksal beim Südseesegeln auf eine einsame Insel geworfen: Schiffbruch!

Das Ende von sorgsam ausgewählter Kleidung und Frisur, das Ende auch des Gruppenerlebens. Alle Kumpels - so denn das Individuum nicht ohnehin auf Einhandtörn war -, alle Kumpels verstreut das Spiel über die Nachbarinseln. Die muss man also erst mal wiederfinden. Wenn man will.

Urlaub im Wohnzimmer

Wie der gute alte, zunächst noch moppelige Tom Hanks im schönen «Castaway»-Film findet man sich an einen fremden, doch nicht gar zu ungastlichen Strand gespült, und so wie er nimmt man umstandslos den Betrieb auf: Treibholz sammeln. Speer basteln. Auf Fischjagd gehen. Dann Kokosnüsse essen, weil die Fische doch noch nicht so wollen wie man selber will.

So geht es zunächst mal ans blanke Überleben, ehe man sich höhere Ziele stecken kann: die Insel erforschen. Klamotten aus Palmwedeln basteln. Es sich gemütlich machen. Vielleicht mal ein Floß bauen, um andernorts ein paar neue Abenteuer in Empfang zu nehmen.

«Die Sims2 - Gestrandet» ist Urlaub im Wohnzimmer. Es drängt einem keine Ziele auf. Wer will, kann den lieben Gott Fortschritt einen guten Mann sein lassen, kann dann und wann einen Fisch pieksen gehen, kann die Wolken über den Himmel ziehen, den Regen kommen und verschwinden sehen. Dann und wann rollt man seine Bambusmatte aus und legt sich schlafen, am Strand. Dann und wann muss man das tun, was selbst Kaiser einsamer Inseln ab und zu tun müssen. Es ist ein Traum.

Leistung ist anderswo

Seit man Computerspiele kennt, kommen ihre Anforderungen als Alienbrigaden auf uns heruntergestürzt, rasen sie als niemals endende 3D-Pisten auf unsere Fahrerkabinen zu, beballern sie uns 24/7 aus allen Rohren. Unsere Computerspiel-Freizeit haben wir gewohnheitsmäßig zum Leistungsterrorcamp umfunktioniert.

Da mundet es der Seele gut, wenn man einfach mal im Sessel umherfläzen kann, dann und wann seinen Wii-Controller schwenken und ansonsten zuschauen: wie unser Männchen eine Palme hochklettert. Wie es Yoga macht. Wie es auf seiner Nautilusmuschel tutet, um die Einsamkeit zu vertreiben.

Noch ein Nickerchen, und dann kann es von uns aus auch mal losgehen; keiner Uhr und keinem Highscorewahn folgend, sondern alleine dem langsam erwachenden Forscherdrang: Wie mag es wohl weiter drinnen auf der Insel aussehen, ob der Urwald gefährlich ist? Man kostet hier ein paar unbekannte Pflanzen, bastelt sich dort einen neuen Hut, und zwischendurch schiebt man sich eine der notorisch schmackhaften Bananen rein, die allenthalben lungern, oder feiert mit einem Bratfeuerchen den ersten gefangenen Fisch.

Karibische Klänge

Bis hierhin ist das wohl Easy Gaming zu nennen, wie selten zuvor bei einem Computerspiel atmet man eine Atmosphäre von Entspannung, und die karibischen Klänge, welche uns die Ladezeiten versüßen, tun ein Übriges dazu.

Völlig klar, dass man sich da nicht reinlegen lässt, als plötzlich Schimpansen den Weg kreuzen, die sich untereinander in «Sims»-Sprechblasen unterhalten, völlig logisch, dass man da die angebotene Option «Verscheuchen» nicht wahrnimmt, sondern eher den Affen mal was aus dem eigenen Bananenfundus anbietet - und zuschaut wie die Dinge sich entwickeln.

Denn Entwicklung lässt man dann doch stattfinden, dazu ist man zu sehr Mensch und will immer alles wissen. Unsere neuen Affenkollegen, wie mögen sie wohl auf uns reagieren? Den dummen Regen, sollten wir ihn nicht durch Barackenbau mildern? Die nächste Insel in Sichtweite, was mag auf ihr zu finden sein? Fragen wollen beantwortet werden, man ist einfach zu harmoniesüchtig, als dass man ihre Spannung aushalten könnte.

Heimkehr oder nicht?

Und so vollzieht unser Sim in gebotener Gelassenheit die Entwicklung der Menschheit nach. Ein Bedürfnis kommt zum anderen, und irgendwann ist man dann zum Sklaven seiner Kultur geworden: Musik will man machen. Dann mit den Affen klönen. Einen Teppich für die Hütte basteln. Im selbstgezimmerten Bett schlafen. Essen kochen. Kaiser sein.

  • Die Webseite zum Spiel
  • Je weiter das Spiel uns lockt, desto moderner leben wir, wir werden zu Werkzeugmachern, Ackerbauern, Schatzsuchern. Aufgaben wachsen uns zu, zu denen die Neugier uns rät. Und wer so richtig reinwächst in die Antriebsmaschinerie, ist dann irgendwann so weit, dass er die Inseln wieder verlassen kann, so wie der spickeldürr gewordenen Tom Waits im schönen «Castaway»-Film. Viele Spieler von «Gestrandet», munkelt man, sollen aber auch großzügig auf die Heimkehr verzichten.

    «Die Sims2 - Gestrandet» von «EA» ist von uns auf der «Wii» gespielt worden. Es ist ebenfalls für Nintendo DS, PS2 und PSP erschienen.

     
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