netzeitung.deZu Besuch im grünen Rechenzentrum

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Das Rechenzentrum (Foto: Strato<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Rechenzentrum
Foto: Strato
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Berliner Webhosting-Anbieter Strato hat den BUND-Umweltpreis erhalten - für ein Rechenzentrum, das bald CO2-frei arbeiten soll. Elke Wittich hat es sich angesehen.

Etwas mehr als ein Prozent des jährlichen weltweiten Stromverbrauchs entfällt auf die IT-Branche. Ein einziger Charakter der Online-Parallelwelt «Second Life» braucht pro Tag Spielzeit genau so viel Energie wie ein durchschnittlicher Einwohner Brasiliens. Eine einfache Suchanfrage bei Google frisst die Energiemenge, mit der man eine Energiesparlampe eine Stunde lang betreiben kann. Die CO2-Emissionen der IT-Branche sind fast so hoch wie die, die durch den weltweiten Flugverkehr entstehen.

Strato, der zweitgrößte Webhosting-Anbieter Europas, setz ganz bewusst auf Energieeffizienz und hat ein «grünes Rechenzentrum» entwickelt, wie der Umweltverband BUND lobte, als er Strato Anfang der Woche den Umweltpreis verlieh.

Wie aber kann eine Branche das Klima schützen, deren Energiehunger durch kontinuierlich steigende Internet- und Computer-Nutzerzahlen ständig anwächst? Die bereits jetzt die Produktionsleistung von 18 Atomkraftwerken verschlingt?

IT ohne Elektrizität ist undenkbar. Sehr wohl möglich ist dagegen energieeffizientes Handeln. Webhoster Strato setzt an drei Punkten an: Energieeffiziente Hardware, plattformoptimierte Software und intelligente Gebäude- und Klimatechnik.

Als Hardware verbauen Strato-Techniker die jeweils energiesparendsten Prozessoren, Motherboards, Hard Disks und Netzteile. Doch wie bei Software Strom sparen? Strato setzt etwa einen Spamfilter ein, der nur noch ein Zehntel der bisher benötigten Hardware benötigt. Die Software haben Experten der Berliner Humboldt-Universität und das Max-Planck-Insitut entwickelt.

Bleibt noch die intelligente Gebäudetechnik. Wenn Ökostrom grün riechen würde, wäre der Geruch im Rechenzentrum ab 2008 dunkelgrün, denn die Elektronik treibt ab dem nächsten Jahr Regenerativ-Strom, der aus sich erneuernden Quellen stammt.

Der Energiehunger dieses Zentrums ist gewaltig. Zwei Dieselmotoren stehen hier bereit, um die Elektronik bei einem Stromausfall in Betrieb zu halten. Die Power der schlafenden Aggregat-Riesen würde reichen, um ein großes Schiff anzutreiben.

Bei angenehmer Temperatur, exakt 23,5 Grad, dürfen die Server in ihren Racks surren. Das ist das optimale Server-Wohlfühlklima. Über die dazwischen verlaufenden Gänge führen Lüfter frisch gekühlte Luft zu und saugen verbrauchte Warmluft ab.

Solarzellen fast nutzlos
Wenn es draußen wärmer als acht Grad ist, müssen Kompressoren für Kühlung sorgen. Unter acht Grad Außentemperatur reicht die zugeführten Luft, die Temperatur der Server-Racks zu senken, das spart insgesamt 25 Prozent an Energiekosten.

Vom Strom aus Sonnenlicht hält Strato dagegen nicht viel. Publikumswirksam, aber nutzlos, lautet der Tenor. Die auf dem Dach des Google-Hauptquartier in Mountain View in Kalifornien installierten Solarzellen reichten «vielleicht gerade einmal zum Kühlen der Cola-Automaten», sagt Strato-Vorstandschef Damian Schmidt im Gespräch mit Netzeitung.de. «Es geht um deutlich größere Dimensionen, und das Problem spitzt sich auch vor dem Hintergrund des stetigen Wachstums des IT-Sektors weiter zu.»

Selbst Energie sparen
Ein paar Sonnenkollektoren reichen demnach kaum aus, die CO2-Bilanz spürbar zu verbessern. Grün wird ein Rechenzentrum auch nach Ansicht des BUND erst, wenn es Strom etwa aus Wasserkraft bezieht, der klima- und CO2-neutral produziert wird.

Und wenn die genutzte Technik nicht nur auf dem jeweils neuesten Stand ist, sondern auch weniger Strom verbraucht als die Vorgängermodelle. Strato ist da schon weit. Aber auch als Nutzer kann man ganz einfach zu einer besseren CO2-Bilanz beitragen: In Arbeitspausen Geräte wie Rechner und Drucker konsequent ausschalten.