Die heimliche Lust am «Ausgoogeln»
«Mithilfe von Suchmaschinen ist es heute ein Leichtes, private Dinge über andere herauszufinden», sagt Prof. Michael Ronellenfitsch in Wiesbaden, Landesbeauftragter für den Datenschutz in Hessen. Oft seien die Betroffenen selbst schuld: Viele Menschen gehen zu unvorsichtig mit ihren persönlichen Daten um und geben im Web bereitwillig Privates preis. «Das ist dann natürlich für jedermann im Handumdrehen abrufbar.»
Aber auch im privaten Bereich nutzten immer mehr Menschen das Internet, um sich ein Bild über eine andere Person zu machen, sagt Mario Grobholz vom Anbieter myOn-ID in Köln. «Was die Suchmaschine über einen ausspuckt, wird somit zunehmend wichtiger für das eigene Ansehen.» Seine Firma bietet Surfern deshalb an, sich um ihren «digitalen Ruf» zu kümmern. Spezielle Programmiertechniken sollen dafür sorgen, dass unliebsame Internet-Altlasten in den Treffern einer Suchanfrage weiter auf den hinteren Plätzen verschwinden.
Die Nabelschau im Netz hat dabei Folgen, über die sich wohl nicht jeder bewusst ist: Mithilfe des Namens und einiger zusätzlicher Suchwörter lassen sich bei Google oder Yahoo Angaben wie Alter und Wohnort oft kinderleicht herausfinden, wenn sie einmal ins Internet eingespeist wurden. Wer viel im Netz unterwegs ist, hinterlässt oft sogar Spuren, die auf Arbeitgeber, Hobbys oder Vereinsmitgliedschaften schließen lassen.
Daher ist es für viele auch nahe liegend, neue Bekanntschaften oder sogar den Partner «auszugoogeln», um mehr über seine Vorlieben oder etwa seine früheren Beziehungen zu erfahren. Das kann allerdings nach hinten losgehen: «Zu viel heimliche Neugierde kann beim Kennenlernen eher hinderlich sein», sagt der Buchautor Eric Hegmann aus Hamburg. Entweder fühle sich der Partner ausspioniert, wenn er erfährt, dass der andere ihm «hinterhergoogelt», so der Dating-Experte. «Oder man muss dem anderen beim näheren Kennenlernen etwas vorspielen, weil man etwa schon weiß, welche Hobbys er hat.»
Künftig könnte es sogar noch einfacher werden, persönliche Profile von anderen im Web abzufragen. Neue Netzwerk-Projekte aus den USA wie «Spock.com» sind mit dem Versprechen an den Start gegangen, in Zukunft jeden Erdenbürger zu katalogisieren und einen Eintrag über ihn bereitzuhalten. Dazu verknüpfen sie einzelne Angaben etwa aus «MySpace.com»-Profilen mit Foreneinträgen und hochgeladenen Fotos, um so einen umfassenden Eindruck über die Betreffenden zu geben.
Manchmal kann die Abrufbarkeit von Profilen anderer aber auch ganz nützlich sein: So fand eine Kanadierin Anfang 2007 laut Presseberichten erst über die Google-Suche heraus, dass ihr Verlobter ein gesuchter Mörder war - worauf sie ihn der Polizei auslieferte. (Tobias Schormann, dpa)

