Was Chinas Cyber-Zensoren alles kontrollieren
In China ist es den Machthabern gelungen, trotz rasant wachsender Userzahlen Inhalt und Gebrauch des Internets umfassend zu kontrollieren. Mittlerweile nutzen 162 Millionen Chinesen, immerhin 12,3 Prozent der Bevölkerung, das Web, 1,3 Millionen haben eigene Webseiten, 19 Prozent der Internetuser verfügen über ein eigenes Weblog.
Wie die Zensur funktioniert, galt bislang als Staatsgeheimnis, nun wurde erstmals öffentlich, wie die damit beschäftigten offiziellen Stellen organisiert und vernetzt sind. Demnach ist eine der wichtigsten Stellen das so genannte Internet Propaganda Administrative Bureau, das zum Informationsministerium gehört. In fünf Abteilungen unterteilt, werden dort alle online verfügbaren Informationen überwacht und ausgewertet.
Auch die Überwachung der öffentlichen Meinung gehört zu den Aufgaben der Beschäftigten, sie tragen Poll-Ergebnisse, Kommentare in Foren und Chats zusammen und können, wenn ihnen ein Thema zu heikel ist, die jeweiligen Einträge löschen lassen.
Das Büro für Information und Öffentliche Meinung erstellt dazu tägliche Berichte an die politisch Verantwortlichen, die umgehend aktiv werden können. Im Bericht von Mr. Tao wird als Beispiel ein Aufruhr an einigen Hochschulen in der Metropole Zhengzhou genannt: Am nächsten Morgen um Punkt neun lag ein Report vor, bereits eine halbe Stunde später wurde das Erziehungsministerium angewiesen, das Problem zu lösen.
Dass alle Zensur-Büros der Regierung und dem ehemaligen Propaganda-Ministerium unterstehen, ist kaum verwunderlich. Medien werden in China schon länger zensiert, die KP kontrolliert sämtliche Zeitungen, Radio- und Fernsehsender.
30.000 Zensoren überprüfen täglich Seiten, Chatrooms und Blogs nach solchen und anderen verbotenen Inhalten. Entsprechend streng ist auch die Zensur, der die chinesischen Nachrichten-Webseiten unterliegen. Wie Mr. Tao berichtet, ist die Überwachung der Pekinger News-Portale besonders lückenlos.
Das dafür zuständige Büro für Internet-Propaganda kann bei seiner Arbeit über immense Ressourcen verfügen. Umgerechnet 19 Milliarden Euro gibt die chinesische Regierung jährlich für die Internet-Zensur aus, Tendenz steigend.
Das Büro legt fest, welche Artikel zu welchen Themen geschrieben und veröffentlicht werden sollen sowie welche Texte gelöscht werden müssen. Es weist die Redaktionen ganz konkret an, einen bestimmten Artikel nicht zu veröffentlichen, ein Thema totzuschweigen oder missliebige Kommentare zu löschen.
Mr. Tao berichtet, dass von den Angestellten dieser privat geführten Web-Unternehmen erwartet wird, «mit dem Büro zusammenzuarbeiten und dessen Anweisungen in kürzester Zeit umzusetzen».
Die Anweisungen, zum Beispiel einen missliebigen Artikel oder Kommentar sofort zu löschen, erfolgen per Telefon, Handy, E-Mail, SMS oder Messenger-Diensten. Weil Dienste wie MSN allerdings von ausländischen Unternehmen geführt werden und die Zensurbehörden deswegen befürchteten, dass alle Mitteilungen von Unbefugten mitgelesen und in westlichen Medien publik gemacht werden könnten, setzt man in diesem Bereich auf einheimische Anbieter.
RTX und zahlreiche weitere, von chinesischen Firmen konzipierte Überwachungs-Tools machen allerdings nicht nur den Internet-Surfern des Landes den freien Zugang zu Informationen schwer. Sie wecken auch Begehrlichkeiten internationaler Anleger. Bis 2009, so schätzen Experten, könnte das Marktvolumen der entsprechenden Unternehmen von derzeit sieben auf 33 Milliarden Dollar anwachsen. Aktien solcher Firmen gelten derzeit in den einschlägigen Börsen-Foren als Geheimtipps.
