Eine Tasche voller Technik
12. Okt 2007 10:41
 |  Schöne Geräte und ihre hässlichen Begleiter | Foto: AP Photo/Paul Sakuma |
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Handy, Digicam, Laptop, MP3-Player: Immer mehr elektronische Geräte gehen mit uns auf Reisen. Und mit ihnen immer mehr Kabel, um sie wieder aufzuladen.
Elke Wittich hat sich auf die Suche nach dem Universal-Ladegerät gemacht.
Früher war zumindest das Kofferpacken einfacher: Um auch unterwegs jederzeit Musik hören, Fotos machen und telefonieren zu können, reichten ein paar Batterien für den Walkman, Filme für die Kamera und Kleingeld oder eine Karte für die Telefonzelle.
Heute genügt das nicht mehr. Der elektronikbegeisterte Reisende kann sich zwar über immer kleiner werdende Geräte freuen, die trotzdem immer mehr können. Für ihren Betrieb müssen allerdings selbst bei einem Kurztrip reichlich Ladegeräte und Adapter eingepackt werden. Wer einen längeren Urlaub plant und auf sein Elektrospielzeug nicht verzichten will, der schleppt auch schon mal eine Extra-Tüte mit sich herum.Ein Ladegerät und ein Adapter für alle Gelegenheiten wäre die perfekte Lösung. Warum eigentlich gibt es solche Universal-Zubehörteile nicht? Zeigt wieder einmal der High-Tech-Kapitalismus seine düstere Kartellfratze? Ist eine gigantische Industrieverschwörung der Grund?
Technik schlägt Norm
Nein. Die Ursache für den Variantenreichtum bei Ladegeräten und Adaptern ist ganz klar. Das behauptet zumindest der Hersteller von MP3-Geräten, Creative. Wie Anschlussbuchsen aussehen, sei keine Frage der Norm oder des Designs, sondern eine der Technik. Bei Creative habe man sich deswegen «im Grunde auf zwei quasi genormte Steckervarianten geeinigt«, zum einen den USB-Anschluss/Stecker und zum anderen die Hohlstecker-Variante. »Von daher basiert die Wahl der Anschlussbuchsen durchaus auf technischen Faktoren und nicht auf Designfragen«.Gut, Stecker mögen verschieden sein und müssen unterschiedlichen technischen Anforderungen genügen. Wir haben verstanden. War ja auch nicht so schwer.
Einfach nur aufladen?
Trotzdem bleibt das Ärgernis, zig Ladegeräte mit zig Kabeln für zig Elektroapparate bereithalten oder gar mit sich herumschleppen zu müssen. Auch hier widerspricht Creative: «Besonders bei Akkus ist es wichtig, das passende Ladegerät zu verwenden, um eine möglichst lange Lebensdauer zu erreichen». Jedoch gebe es gerade bei elektronischen Kleingeräten eine Vielzahl unterschiedlicher Akkumodelle, da diese aufgrund der kompakten Bauformen der Geräte sehr platzsparend integriert werden müssen. Falsche Ladegeräte könnten die Akkus schädigen oder zerstören.
Okay, auch das ist nachvollziehbar, denn ein Ladegerät kann - neben sehr warm werden – entweder die Stromart (Wechselstrom zu Gleichstrom) oder die Spannung ändern. Und ein gutes Ladegerät kann sogar alles zusammen.
Strom und Spannung
Für all das sind die Innereien im Kasten eines Netzteils verantwortlich. Sie filtern auch auftretende Spannungsspitzen heraus und dienen damit als so genannter Überspannungsschutz. Oft ist der Kasten auch zugleich der Stecker. Über den Stecker kommt der Strom ins Netzteil. Dieser Stecker ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich geformt, je nach Bauweise der Steckdosen. Die Steckdosen wiederum sind unterschiedlich, weil unterschiedliche Länder unterschiedliche Spannungen im Stromnetz haben. In Deutschland sind es 240, in den USA 110 Volt.
«Darüber hinaus», so Creative, «ist die Stromstärke von Netzteilen nicht genormt und richtet sich nach der gegebenen Notwendigkeit, dem Einsatzweck, der Akkuspezifikation etc..» Eine Festlegung auf eine bestimmte Stromstärke würde wenig Sinn machen, da unterschiedliche Geräte unterschiedliche Anforderungen haben. Es hat ein wenig gedauert, aber nun ist auch das klar geworden.
USB-Schnittstellen und -kabel
Am anderen Ende des Gerätekabels sitzt der Stecker, der in das jeweilige Gerät gestöpselt wird. Wie er beschaffen ist, hängt wesentlich von den Bauteilen ab, die im Laptop, im Handy, in der Kamera oder im MP3-Player verwendet wurden. Akkus, Prozessoren, Speicher, Funktechnik und so weiter benötigen unterschiedlich viel Spannung und auch unterschiedlich viel Strom.Gerade bei Handy-Zubehör hat «der Wettbewerb um bessere Produkte bereits eine vermehrte Verwendung von Standards mit sich gebracht», sagt Bernd Schwenke von der Stiftung Warentest auf Netzeitung.de. Viele neue Geräte haben Mini-USB-Schnittstellen, über die nicht nur Daten transferiert, sondern auch der Ladevorgang abgewickelt wird. Weil diese Schnittstellen genormt sind, können die USB-Kabel und -Netzteile auch für Digitalkameras oder portable Musikspieler mit USB-Anschluss verwendet werden, erklärt Schwenke, der für die Warentester in einigen Normungsgremien sitzt.
Norm-Akkus gut benotet
Der Elektroingenieur weiß außerdem: «Grob die Hälfte aller neuen Standards kommt aus dem Bereich der Elektrotechnik, davon wiederum die Hälfte aus der Telekommunikation.» Die Warentester und Verbraucherschützer loben die Verwendung standardisierter Komponenten: «Stiftung Warentest hat gerade kürzlich schnurlose Telefone getestet. Modelle mit normierten und austauschbaren Akkus erhielten von uns bessere Noten.»Standards förderten die Sicherheit, Kompatibilität und Lieferbarkeit von Produkten und Ersatzteilen und dienten so dem Verbraucherschutz, so Schwenke. Den Unternehmen ermöglichten Standards nicht nur eine gute Position auf dem Markt, sondern auch umweltschonendere, nachhaltige Massenproduktion.
Wenn, so Schwenke, «der Konstrukteur auf standardisierte Komponenten zurückgreifen kann, die durchdacht, sicher und bewährt sind, muss das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden.» Bis sich aber Standards in allen Bereichen durchsetzen, wird der Einpack-Plan für den Kurzurlaub wohl nach wie vor so aussehen: Badekleidung, Handtuch, ein paar technische Geräte - und ein, zwei Pfund Zubehör.