Der «Spiegel» schreibt Geschich.de
08.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Das Topthema am Montagvormittag ist die Frage, wie es am 9. Oktober 1989 in Leipzig war. «Die wahren Helden von Leipzig waren Bürger, die sich von den Kommunisten nicht mehr knechten lassen wollten», schreibt der Theologe und Soziologe Ehrhart Neubert. Der Beitrag wurde von der Redaktion bereitgestellt, ist also nicht der erste von einem Leser erstellte Artikel.
Andere Texte befassen sich mit Anne Franks bester Freundin, dem Atari 2600 oder dem Verbot der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc vor genau 25 Jahren. Die ersten beiden Artikel sind schon auf «Spiegel-Online» erschienen, der letzte stammt aus dem Fundus der «Deutschen Welle» und wird in der Rubrik Kalenderblatt publiziert.
Dabei gilt, wie es auf der Seite heißt, «Qualität ist wichtiger als Geschwindigkeit. Die Redaktion entscheidet in jedem Einzelfall, ob ein Zeitzeugenbericht, ein Foto oder ein Hinweis zu einem Dokument erscheinen wird oder nicht. Ein Anspruch der einestages-Mitglieder auf eine Veröffentlichung ihrer Beiträge und Fotos besteht nicht.»
Drei Redakteure sollen aus der erwarteten Flut von eingesandten Texten, Bildern, Erinnerungen und Meinungen einen kontrollierten Strom der Erinnerung machen. Als Partner hat die Redaktion u.a. das Bundesarchiv, das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz und das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr gewonnen.
Das Mitmachen ist einfach. Wer will, legt ein Profil an, dazu wird nur der Name und eine Mailadresse benötigt. Von dort aus kann der User Texte, Fotos und Kommentare hochladen, die aber vor der Freischaltung von der Redaktion geprüft werden. Leider fehlen die aus den sozialen Netzwerk bekannten und bei vielen Nutzern beliebten Kategorien wie «Meine Freunde» oder «Zum Chat einladen». Aber gut, es geht um Geschichte und da müssen die Unterhaltungs- und Netzwerkfaktoren eben hinter die Seriosität zurücktreten.
Von den großen Communities wagt allein Miomi.com, ein erst vor kurzem gestartetes soziales Netzwerk, einen systematischen Ansatz, der auch der Geschichte zu ihrem Recht verhelfen will. Über Zeitleisten können sich die User gegenseitig Rückblicke und Erinnerungen mitteilen.
Dem regelmäßigen «Spiegel»-Leser dagegen ist Geschichte vertraut. Sein Medium kreist ständig um Themen wie Nationalsozialismus, DDR-Vergangenheit, «Deutscher Herbst», «Sputnik-Schock» usf. Oder, im aktuellen Heft, um den Tod Uwe Barschels. Es scheint, als habe der Verlag genau diese Leserschicht vor Augen gehabt, als er sich an die Entwicklung von «einestages» machte. Hier findet der Magazin-Leser sein Online-Zuhause. Die Lieblingszielgruppe im Netz, die 16- bis 35-Jährigen, wird damit allerdings nicht direkt angesprochen.
Dabei ging es «nur» um Musik, auf «einestages» aber dürfte - wie so oft im «Spiegel» - nicht selten Adolf Hitler im Mittelpunkt stehen. Mit der Geschichte in die Zukunft zu gehen, das ist ein mutiger Schritt. Ob er auch Erfolg hat, muss sich zeigen - «eines Tages».

