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Birmanische Blogger trotzen dem Regime

27. Sep 2007 13:12
Der Exil-Birmane Ashin Sopaka verfolgt in Köln die neusten Nachrichten aus seinem Heimatland Birma auf dem Computer
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Gekaufte Mönche, ein initiierter Religionsstreit unter Birmanern: Wo konventionelle Medien nur schwer hinkommen, da haben es die Blogger mitunter leichter. Ein Blogblick-Extra zur Lage in Birma.

Birmas Militärregime hat den Demonstranten gegenüber nicht nur den Vorteil, auf Polizei und Militär zurückgreifen zu können. Sie kann auch maßgeblichen Einfluss auf die öffentliche Berichterstattung nehmen - nur wenige westliche Reporter haben derzeit die Chance, nach Birma einzureisen. Die Zensur versuchen zahlreiche Bürger zu umgehen, indem sie zur Verbreitung ihrer Sicht der Dinge ein Medium nutzen, das auch von einer Diktatur nicht vollständig kontrollierbar ist: das Internet.

Wieder einmal zeigt sich dabei, dass in solchen Situationen die Blogger ganz vorne dran sind. Sie berichten live oder mit kurzen Verzögerungen, auf Englisch oder Birmesisch (das dann manchmal rasch von einem anderen Blogger ins Englische übersetzt und verbreitet wird), oder sie präsentieren Fotos und Videos von den Demonstrationen oder der staatlichen Repression.

Zwar versucht das Regime, das Internet zu kontrollieren. Letzte Zahlen über birmesische Internet-User stammen aus dem Jahr 2005 - damals verfügten 25.000 Menschen über eine eigene Mailadresse. Computernutzer müssen, wenn sie nicht straffällig werden wollen, den staatlichen Internet-Anbieter nutzen. Blockade-Software verhindert den einfachen Zugriff auf Anbieter von frei verfügbaren E-Mail-Adressen. Nach Angaben der OpenNet Initiative sind beträchtliche Filtersysteme im Einsatz. Doch Lücken gibt es überall, zumal die staatlichen Kontrollbehörden technisch alles andere als auf dem neuesten Stand sind.

Und so berichten Blogger aus Birma eben doch, was sie in diesen Tagen erleben. Und wer nicht selbst berichten mag oder kann, gibt seine Informationen an im Ausland lebende Exilblogger weiter, die dann alles weitere übernehmen.

Ko Htike ist so ein Exilblogger. Er lebt in London und betreibt von dort aus eigentlich ein Kulturblog, das sich nun aber - dank seiner Informanten aus Birma - rasch in ein politisches Info-Blog verwandelt hat. Allein von Mittwochnacht bis Donnerstagmittag finden sich dort drei Einträge, gespickt mit Fotos von Demonstranten oder Militärs. Seine Gewährsleute haben ihm von Militärübergriffen auf Klöster und der Verhaftung zahlreicher Mönche berichtet und er gibt diese Berichte ungefiltert weiter.

Man erfährt zudem, dass nahe der Sule-Pagode ein Mensch erschossen wurde, die Proteste aber anhalten; dass das Militär Demonstranten auf Trucks abtransportiert. Auch starte das Regime Ablenkungsmanöver, indem es falsche Mönche in die Menge schicke oder islamische und buddhistische Birmesen gegeneinander auszuspielen versuche.

Auch das auf Birma spezialisierte Portal Mizzima News präsentiert sich dieser Tage als Nachrichtenpool. Es hat sogar einen News-Ticker eingerichtet, in dem fast fünfminütlich das Neuesete über die Proteste in Birmas Hauptstadt Rangun gepostet wird. Hier erfährt man beispielsweise, dass in der Nacht zum Donnerstag das Feuer nahe der National-Bibliothek eröffnet wurde und dass viele Militärwagen zum Gefangenentransport unterwegs seien.

Das Online-Magazin Irrawaddy News hat ein Birma-Spezial im Weblog-Stil, wenn auch ohne Kommentarfunktion, online gestellt. Im Nachrichtenticker erfährt man, wie Soldaten Rangun nach ausländischen Journalisten absuchen und dass zehntausende Demonstranten auf den Straßen unterwegs sind. Das Militär gibt ihnen häufig nur wenig Zeit, sich zu zerstreuen, bevor Schusswaffen zum Einsatz kommen.

Unübersichtlicher geht es im Weblog Dathana zu, dafür ist man aber um einiges näher am Geschehen selbst. Denn Betreiber Nyein Chan Yar bloggt aus Birma. Nicht alle Texte sind in Englisch geschrieben, aber man erfährt, dass die Proteste nicht allein auf die Hauptstadt begrenzt und die meisten der Inhaftierten Mönche sind. Außerdem liefert das Blog viele Fotos - man sieht Blutspuren und Verwüstungen in einem vom Militär gestürmten Kloster - und auch ein paar Videos, die bei Youtube eingestellt wurden.

Mehr im Internet:
Hinzu kommen viele Links auf andere birmesische Blogs, die jedoch nur in der Landessprache berichten. Die hier zu findenden Fotos und Videos jedoch überwinden jede Sprachbarriere mit Leichtigkeit.
 
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