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Das islamkritsche Weblog Politically Incorrect wird von den Lesern wegen seiner Eindeutigkeit geliebt, von allen anderen aber wegen simpler und teils rassistischer Parolen verachtet. Ramon Schack hat sich mit dem Gründer Stefan Herre unterhalten.

Mit über 10.000 Besuchern am Tag, nach eigener Angabe und Zählweise, gehört das Weblog Politically Incorrect, kurz: PI, numerisch zu einem der erfolgreichsten politischen Weblogs in Deutschland. Hunderte Besucher diskutieren täglich die von den Betreibern ins Netz gestellten Beiträge. So unterschiedlich sie im Einzelnen auch ausfallen, so sehr haben sie doch eines gemeinsam: sie sind dem Islam gegenüber sehr kritisch.

Die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen brachte PI im Herbst 2005 den Durchbruch. Seither hat sich die Anzahl der Besucher vervielfacht. Täglich präsentieren die Betreiber den Lesern ausgewählte Beiträge der nationalen und internationalen Presse. Oder sie durchforsten die Weiten des Internets, um die angebliche «Islamisierung der westlichen Welt» sowie das angebliche Einknicken der politischen Eliten und der Massenmedien zu belegen.

Einer der Betreiber heißt Stefan Herre. Der 1965 in Köln geborene Herre ist studierter Sportwissenschaftler, lebt im Rheinland und bezeichnet sich am liebsten als «normalen freiheitsliebenden Bürger». Er hat PI Ende 2004 gegründet - «als Reaktion auf die einseitige mediale Berichterstattung gegenüber dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush», wie er sagt. Seiner Meinung nach wird das Thema Islam in den Medien und der Politik tabuisiert. Sein Weblog betrachtet er als ein Korrektiv zur öffentlichen Berichterstattung.

Pro-amerikanisch, anti-islamisch
Herre sagt, er sei pro-amerikanisch und pro-israelisch, und man glaubt es ihm sofort. Denn die Flaggen der beiden Staaten zieren - neben zahlreichen Werbebannern - unübersehbar die Homepage.

«Nein!», er habe überhaupt nichts gegen säkulare Muslime, äußert er gleich zu Beginn unseres Gespräches. In seinem Bekanntenkreis gäbe es viele Muslime und zum Beweis präsentiert er die E-Mail eines Deutschtürken, der sich entsetzt über das Ergebnis der letzten Parlamentswahlen in der Türkei äußert.

Das ist so simpel, wie die gesamte Devise von Politically Incorrect: zu polarisieren, wo es nur geht. Ein Thema wird zum nationalen oder religiösen Symbol erhoben und den Lesern suggeriert man damit, genau davon hinge das eigene Schicksal und die eigene Zukunft ab. Gammelfleisch in Dönerbuden wird mit dem Jihad, eine Schulhofsschlägerei mit dem iranischen Atomprogramm und der türkische Gemüsehändler um die Ecke mit den Taliban in Verbindung gebracht.

Rassistische Parolen
Das Niveau der meisten Blogkommentare hat sich zwischen Stammtischniveau und offen rassistischen Parolen eingependelt. «Emotional» nennt Herre diese Reaktionen, distanziert sich aber eifrig von rassistischen und völkischen Parolen. Er sei nicht sicher, ob er alle seine Leser gerne kennenlernen möchte.

Auch das glaubt man ihm sofort, denn die von Herre so genannte Emotionalität kann sich etwa so äußern: «Und wenn die Musels nach der Zerbombung Mekkas, Medinas und dem Abriss der Al-Aksa-Moschee auf dem jüdischen Tempelberg in Jerusalem immer noch keine Ruhe geben, dann geht’s mit den Moscheen weiter, immer im Dutzend und angefangen bei den Größten.»

Herre nimmt das hin, ob aus politischen oder aus finanziellen Gründen, bleibt unklar. PI finanziert sich über Werbung und Spenden. Die fünf Autoren, ein Systemadministrator und ein Karikaturist arbeiten, wie er betont, ehrenamtlich für die «gemeinsame Sache».

Das christliche Abendland
Nein, Herre ist kein Fanatiker, kein raffinierter Ideologe, er ist ein Idealist. Dass sein Blog inzwischen von Neonazis empfohlen wird, nimmt er in Kauf. Dass da täglich Äußerungen publiziert werden, die sich sogar die NPD öffentlich verkneift, irritiert diesen Verteidiger des Abendlandes kaum. «Europa war doch schon immer christlich», sagt Herre - so als habe es das Römische Reich und die alten Griechen nie gegeben.

Die «jüdisch-christlichen» Grundlagen Europas gelte es zu erhalten, George W. Bush ist sein politischer Held, der Islam sein Feind. So einfach kann man denken. Wieso ausgerechnet das fundamentalistisch-wahabitische Königshaus der Saudis vom amtierenden US-Präsidenten demnächst aufgerüstet werden soll, kann Herre nicht verstehen. «Kann sein!» antwortet Herre auf die Frage, ob er manchmal befürchtet, einen Tunnelblick zu bekommen. Vieles im Weltbild dieses Mannes bleibt vage.

Wir und sie
Das kann man von seiner Homepage nicht sagen. Hier sind Herre und die Seinen die Hüter des Steins der Weisen, nur sie haben die Gefahr erkannt, den Islam durchschaut. Selbst die leiseste Kritik an diesen «Aufklärern» und selbsternannten leidenschaftlichen Kämpfern für die freie Meinungsäußerung wird umgehend und scharf angeprangert. Man droht und beleidigt, missliebige Autoren und Politiker werden mit Schmähwörtern belegt.

In diesem Sinne - also in der sektenähnlichen Abschottung des eigenen Weltbildes, der mangelnden Reflektion über die Vielfalt des Lebens und dem ätzenden Umgang mit Kritik - ähnelt PI einer islamistischen Website. Dass die meisten Opfer des islamistischen Terrors Muslime sind, findet kaum Eingang in die «Berichterstattung» von PI. Jeder Muslim wird als Vollstrecker eines totalitären Sendungsbewusstsein präsentiert. Es gibt nur wir und sie.

Fehler und Angst
Den Anspruch, das Grundgesetz gegen islamistische Verfassungsfeinde zu verteidigen, hat man übergangslos aufgegeben, um zu einer virtuellen Anlaufstelle für den Mob und selbsternannte Experten zu werden. Herre räumt Fehler ein. Ja, es war falsch, sich unkritisch mit der rechtsextremen Organisation Pro Köln zu solidarisieren. Ja, es war falsch, ein Foto zu veröffentlichen, das ein PI-Leser von einem muslimischen Ehepaar in der Wuppertaler Schwebebahn gemacht hatte, ohne die Fotografierten um Erlaubnis zu fragen. Man nimmt Herre solche Eingeständnisse ab.

Er berichtet von der Angst vor Anschlägen, von Drohanrufen und von der Furcht, zugesandte Pakete zu öffnen. Er erzählt auch von den Bitten seiner Frau, an das Wohl der Familie und an das eigene berufliche Vorankommen zu denken. Und rasch wünscht man ihm, er möge doch - im eigenen und im öffentlichen Interesse - diesen Ratschlag endlich beherzigen. Denn Politically Incorrect ist nicht politisch unkorrekt. Es ist politisch inkompetent.