13. Sep 2007 12:47
Das chinesische Internet-Zensursystem arbeitet nicht effizient, haben amerikanische Forscher herausgefunden. Es wirkt aber trotzdem.
«Wenn Chinas Zensursystem wirklich eine Firewall wäre, dann würde der größte Teil der Filterung an der Grenze zum restlichen Internet stattfinden», erklärt Barr. Das dem nicht so ist, wiesen die Forscher mit einem automatischen Werkzeug namens Concept Doppler nach. Damit schickten sie ausgewählte Schlüsselwörter an chinesische Internetadressen. Das Tool nutzt einen im vergangenen Jahr von Wissenschaftlern der britischen University of Cambridge entdeckten Effekt aus, den Wörter auf der chinesischen Verbotsliste wie zum Beispiel «Falun Gong» auslösen. Sie verursachen ihrer Reise durch das chinesische Netz eine Reihe von jeweils drei «Reset»-Kommandos an Absender und Adressaten, die letztlich zur Blockade führen. Diese Kommandos fängt der Concept Doppler auf.Ergebnis der Untersuchung: Der chinesische Filter funktioniert vor allem dann nicht, wenn das Internet in China stark genutzt wird. Dann dauert es mitunter Stunden, bis verbotene Begriffe blockiert werden.
Trotzdem wirkt das chinesische Zensursystem. Ursache dafür sei eine Art Selbstzensur der chinesischen Nutzer: «Wenn sie merken, dass einige Schlüsselwörter häufig blockiert sind, meiden sie diese aus Vorsicht», erläutern die Wissenschaftler. Der Effekt sei ähnlich wie in dem vom britischen Philosophen Jeremy Bentham beschriebenen Panopticon. Darin sorgt ein zentraler Posten für Ordnung, indem die Beobachteten nicht wissen, wann sie beobachtet werden. Insofern sei die chinesische Zensur-Firewall weniger eine Barriere als ein Überwachungssystem. (nz)