04.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Immer noch sehr beliebt: Ecstasy
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein deutscher Chemie-Student soll jahrelang auf Online-Marktplätzen in aller Welt synthetische Designerdrogen verkauft haben. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.
Mit Drogengeschäften im Internet hat sich ein Chemie-Student aus Mannheim seine Kasse aufgebessert. Weltweit soll er synthetische Drogen und andere Rauschsubstanzen auf Online-Marktplätzen verkauft haben. Inzwischen sitzt der 24-Jährige in Untersuchungshaft, wie Zoll und Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten. Auf die Schliche kam ihm die «Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift» (GER) des Stuttgarter Zollfahndungsamtes und des baden-württembergischen Landeskriminalamts.
Sein Studium der biologischen Chemie kann der deutsche Student nun vorerst an den Nagel hängen. Bereits im Juni wurde er festgenommen. Bei Durchsuchungen in seiner Mannheimer Wohnung und seinem Elternhaus im Raum Ravensburg stellte die Polizei massenweise elektronische Beweismittel und auch kleinere Mengen der synthetischen Drogen und angebotenen Arzneimittel sicher. Das Amtsgericht Mannheim erließ daraufhin Haftbefehl gegen den 24-Jährigen, der offenbar auf eigene Faust und ohne Hintermänner handelte.
DesignerdrogenDen Ermittlungen zufolge dealte der Student seit 2003 unter verschiedenen Pseudonymen im Internet mit so genannten Designerdrogen wie Amphetaminen. Seine Rauschwaren soll er - ebenfalls über das Internet - aus China, Indien oder den Niederlanden bezogen haben. Auch andere chemische Verbindungen hatte der angehende Chemiker im Angebot - etwa Tryptamine, die auch als «Happy Pills» bekannt sind und dem körpereigenen Glückshormon Serotonin ähneln. Zudem wurden «Analoge» verkauft - Substanzen aus dem Labor, die derzeit noch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, aber eine ähnliche Wirkung wie synthetische Drogen haben sollen.
«Wir sind über einen Hinweis aus einem anderen Verfahren auf den Studenten aufmerksam geworden», sagt die stellvertretende GER-Chefin Heidi Dierolf. Der Internet-Dealer konnte schließlich identifiziert werden - trotz aller Vorsichtsmaßnehmen im anonymen Netz und dem Versand der Ware über harmlos erscheinende Briefsendungen und Päckchen ohne persönliche Kontakte zwischen Lieferant und Abnehmer.
Hohes TaschengeldDie Hauptkundschaft hatte der 24-Jährige in den USA und Großbritannien. Den Ermittlungen zufolge schickte er seine berauschenden Stoffe aber auch in zahlreiche andere Länder weltweit. Ob er nur Konsumenten belieferte oder auch Zwischenhändler, die die Stoffe dann weiter veräußerten, ist den Fahndern bislang nicht bekannt. Dierolf zufolge hat die Polizei auf die Abnehmer «keinen Zugriff».
Etwa 50.000 Euro Umsatz soll der Student seit 2003 mit seiner Nebentätigkeit gemacht haben. Die Ermittler konnten dies anhand des Überweisungsverkehrs nachweisen. «Reichtümer hat er nicht angehäuft», resümiert Dierolf. Aber immerhin hatte der 24-Jährige eine eigene Wohnung in Mannheim. Und sein Taschengeld dürfte auch weit höher gewesen sein, als das seiner Mitstudenten. (Tanja Wolter/ddp)