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Im Netz macht er das Rennen: Barack Obama (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Im Netz macht er das Rennen: Barack Obama
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Kandidaten zur US-Präsidentschaft nutzen ausgiebig Foren wie Youtube, Myspace oder Facebook. Dabei sind die Demokraten geschickter als die Republikaner, meint Stefan Wirner .

Barack Obama hat viele Freunde. Sie heißen Puff McGruff, Sure Shot oder schlicht Amanda und sie sind DJs, Künstlerinnen, Soldaten oder auch Schriftsteller. Sie alle sind Mitglieder auf Myspace und ließen sich von Obama adden – so nennt man es, wenn jemand als «Freund» zum eigenen Profil hinzugefügt wird.

Für den afroamerikanischen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten scheint das Web 2.0 wie geschaffen. Wie ein Mauspfeil am Bildschirm bewegt er sich in den einschlägigen Foren. Etwa auf dem rasant wachsenden Facebook.com. Auf seinen Fotos präsentiert sich der 46-jährige Senator aus Illinois jugendlich, charmant, aber auch entschlossen und immer mit einem Strahlen in den Augen. Es scheint, als habe er eine Vision für die Zukunft seines Landes. Er gibt sich sportlich und kumpelhaft, gleichzeitig aber auch konzentriert und vornehm. Auf einem der Fotos küsst er – Vorsicht, Superkitsch! - seine Frau.

Barack Obama
Obama verrät auch Persönliches über sich. Als eines seiner Interessen gibt er Basketball an, seine Lieblingsfilme sind «Casablanca» und «Lawrence of Arabia», seine Lieblingsbücher «Moby Dick» und – die Bibel. Unter der Rubrik Musik nennt er Bachs Cello-Suiten, die Fugees und John Coltrane, den US-amerikanischen Jazz-Musiker, der wie kaum ein anderer das schwarze Selbstbewusstsein verkörpert, wie es sich in den sechziger Jahren entwickelte.

Obama wirbt geradezu mit seiner Internetaffinität, mit seinen diversen Profilen und Netzwerken. Offensichtlich gelingen ihm seine Netzauftritte deshalb so gut, weil er einer der jüngeren Bewerber für das Amt des Präsidenten ist. Er passt in die multikulturelle, urbane Internet-Community, die sich vor allem aus Leuten zwischen 16 und 35 Jahren zusammensetzt.

Hillary Clinton
Auch seine Konkurrentin in der Demokratischen Partei, Hillary Clinton, die Frau des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, ist auf Foren wie Myspace, Facebook oder Youtube anzutreffen. Aber der 60jährigen Politikerin fällt es etwas schwerer, modern und nicht altbacken zu wirken.

Auf ihrer Myspace-Seite verrät sie freimütig, dass sie eine «lausige Köchin» sei, aber gute Rühreier zubereite. Auf eine einsame Insel würde sie ein gutes Buch (und offenbar nicht Bill) mitnehmen, sie löst gerne Kreuzworträtsel und hält sich mit «Speed Walking» fit. Aber gerade mit solchen Details beweist sie ihre Internettauglichkeit. Denn es sind die persönlichen Dinge, die viele Mitglieder in solchen Foren gerne lesen. Schließlich geht es auf diesen Portalen auch um den Blick ins Private, den Voyeurismus und die Selbstpräsentation.

John Edwards
John Edwards, ein weiterer Bewerber der Demokraten, scheint hierfür weniger Einfühlungsvermögen zu haben. Sein Myspace-Profil wirkt wie eine reine Kampagnenseite. Das sind jene von Clinton und Obama zwar auch, aber sie zeigen es nicht so offen. Edwards hingegen unterliegt der Versuchung, plumpe Werbung zu betreiben. Er verrät kaum Privates über sich. Sein Profil ist voll gestopft mit Wahlkampf-Schnickschnack, sodass der Besucher schnell die Orientierung verliert.

John McCain
Noch schwerer aber tun sich die Republikaner. John McCain ist 70 Jahre alt. Sucht man auf Myspace unter der Rubrik «Treffpunkt» Männer im Alter von 70 Jahren, die «offen für alles» sind, kann man dieses Alter nicht einmal eingeben: Die Scala endet bei 68. Dennoch gibt sich McCain alle Mühe und bietet in den Foren all das, was die Demokraten auch im Angebot haben: Videoclips, Podcasts, Blogs, RSS-Feeds etc. Seine Myspace-Seite ist mit dem Sternenbanner unterlegt; aber es ist zu dunkel und wirkt, als habe er es von Hotfreelayouts.com heruntergeladen.

Sein Startfoto auf Facebook zeigt einen staatsmännischen Politiker vor einem Säulenaufgang, der entschlossen die Faust ballt. Er geniert sich auch nicht, Privates über sich zu verraten. Seine Lieblingsfilme etwa sind «Some like it hot» und «Viva Zapata». Er zeigt also durchaus Sportsgeist im Internetwettbewerb, aber seine Netzauftritte wirken, als ob der Großvater mal eben die Diskothek aufsucht, in der seine Enkel jeden Freitag tanzen.

Dass er bei der jungen Community gut ankommt, wenn er Ronald Reagan als seinen «Helden» bezeichnet, darf getrost bezweifelt werden. 40.891 geaddete Freunde hatte McCain vor zwei Wochen auf Myspace. Zum Vergleich: Barack Obama hatte am 22. August 168.873 Freunde, einen Tag später bereits 169.560, er verzeichnet also ein enormes Wachstum. Hillary Clinton zählte rund 133.000 Myspace-Freunde.

Rudolph Giuliani
Noch schwerer als McCain tut sich Rudolph Giuliani von den Republikanern mit dem Web 2.0. Der ehemalige Bürgermeister von New York ist kaum zu finden; wenn man in den Portalen nach ihm sucht, trifft man auf unzählige Fake-Seiten, auf denen er etwa als «P.I.M.P.» bezeichnet wird, der in seiner sexuellen Orientierung unentschieden und 99 Jahre alt sei.

Den Demokraten scheint das Web 2.0 eher zu liegen. Aber auch ihnen geht es nicht darum, den Leuten von ihren Lieblingsbüchern zu erzählen. Die Profile dienen selbstverständlich zur Wahlkampfpropaganda. Etwa wenn Obama Fotos von US-Soldiers zeigt, die im Irak kämpft haben: beinamputierte Soldaten im Rollstuhl, GIs mit zerfetztem Gesicht, ohne Arme und Beine.

Auf Clintons Facebook-Seite kann man eine Petition an George W. Bush unterschreiben, in der er dazu aufgerufen wird, den Abzug der US-Truppen aus dem Irak nicht zu blockieren. Etwas an der Sache vorbei geht es da, wenn McCains Frau Cindy in ihrem Tagebuch auf der Myspace-Seite ihres Mannes von ihrer jüngsten karitativen Vietnam-Reise berichtet.

Wie wichtig ist das Netz?
«Die Myspace-Gemeinde wird den ersten Gewinner der Präsidentschaftsvorwahlen 2008 bestimmen», sagte Chris De Wolfe, der Geschäftsführer des Portals, kürzlich. Das war übertrieben. Zwar dürfte es nach diesem Wahlkampf in der Zukunft keinen Kandidaten mehr geben, der nicht im Web 2.0 präsent ist.

Und sie werden sich alle mit den Youtube-Videos auseinandersetzen müssen, in denen sie mit peinlichen Versprechern oder in unangemessenen Posen zu sehen sind. Legendär geworden etwa ist McCain, der im April bei einem Auftritt in South Carolina zur Melodie des Songs «Barbara Ann» von den Beach Boys sang: «Bomb! Bomb! Bomb, Iran!»

Dennoch ist der Internetwahlkampf nur eine Ergänzung für die Wähler. Wichtiger bleiben wohl die Fernsehdebatten. Das hat auch das jüngste Youtube-Spektakel gezeigt. Ende Juli hatte das Portal seine User aufgerufen, Videos mit Fragen an die Kandidaten einzuschicken. Furore machte die Aktion aber vor allem deshalb, weil CNN die Sendung übertrug.

Klar ist aber auch: Neben den großen Fragen der Politik interessieren sich die Wähler sehr dafür, um was für Menschen es sich da handelt, denen sie ihre Stimme geben wollen. Da kann es schon bedeutsam werden, was Hillary Clinton am dringlichsten in ihrem Haushalt erledigen will. Sie will ihre «Schränke aufräumen», wie sie auf Myspace verrät. Wie viel Zeit ihr dazu nach den Vorwahlen verbleibt, darüber entscheiden die Internetuser mit.