Daten sammeln wie im Spiel
Sie bearbeiten Neuanmeldungen, suchen Betrüger, beheben die Folgen kleinerer Bugs. Und sie haben im Rahmen dieser Aufgaben Zugriff auf die Daten der derzeit aktiven 950.000 Mitspieler aus aller Welt - und auf Millionen Daten ehemaliger User. Um welche Daten es sich handelt, hätte der normale User nie erfahren.
Wie umfangreich die tatsächlich gespeicherten Daten sind, geht aus internen Handlungsanweisungen an die Hattrick-Gamemaster hervor, die im Februar 2007 in dem anonym betriebenen Blog htsecrets veröffentlicht wurden. Sie zeigen, wie akribisch User bei Hattrick ausgeforscht werden und wie penibel darauf geachtet wird, dass dies ohne ihr Wissen geschieht.
Zu den persönlichen Daten, die von Hattrick gespeichert werden und auf die jeder Game-Master freien Zugriff hat, gehören demnach nicht nur Name, Adresse, Geburtsdatum und E-Mailadresse. Gespeichert werden außerdem alle IP-Adressen, unter der sich ein User jemals eingeloggt hat, der jeweils benutzte Rechner- und Browsertyp, über das interne Mailsystem verschickte Nachrichten an andere User, die gelesenen Foren, alle fehlgeschlagenen LogIn-Versuche sowie alle jemals verwendeten Passwörter, die unverschlüsselt und im Klartext in der Datenbank abgelegt werden - inklusive irrtümlich eingegebener Passwörter, die der User vielleicht in einem anderen Spiel oder für andere Anwendungen benutzt.
Bei Hattrick ist die interne Anweisung allerdings unmissverständlich, so dass der Nutzer keine Chance hat, sein im Klartext dort gespeichertes Passwort vor etwaigem Missbrauch zu schützen: «Um es ganz klar zu machen, kein User, der nicht gleichzeitig auch Game-Master ist, sollte jemals erfahren, dass wir in der Lage sind, private Mails zu lesen, Passwörter zu sehen (...) etc. Es ist sehr wichtig, dass diese Regel äußerst strikt gehandhabt wird.»
Auch das von den Game-Masters benutzte Admin-Tool, mit dessen Hilfe nicht nur Cheating-Verdachtsfälle, sondern auch neu angemeldete User überprüft werden, gilt als Geheimsache. Die Administrations-Webseite, auf die nur Game-Master und Entwickler Zugriff haben, ist mit den Datenbanken verbunden, in denen die verschiedenen Userdaten gespeichert werden. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, zum Beispiel bei der Überprüfung von Neuanmeldungen, eine Art Rasterfahndung durchzuführen.
Die Daten zu missbrauchen sei ganz einfach, ergänzt ein anderer ehemaliger Game-Master im Gespräch mit Netzeitung.de: «Adressen, Passwörter, E-Mailadressen - alles liegt offen herum. Ein Script würde genügen, um in den Besitz einer schönen Datensammlung von mehr als einer Million online-game-affinen Menschen zu gelangen.» Selbst persönliche Vorlieben und Hobbys seien gespeichert, weil Hattrick den Usern, die für Extra-Features bezahlen, mittels eines detaillierten Fragebogens Hilfe bei der Suche nach passenden Interessengruppen anbietet.
Firmen, die im EU-Land Gibraltar registriert sind, unterliegen den dortigen Datenschutz-Gesetzen, erklärt Maurice Hook, Sprecher der Datenschutzbehörde Gibraltar. Die so genannte Gibraltar Data Protection Ordinance 2004, kurz DPO, sieht unter anderem vor, dass jedes Unternehmen, das persönliche Daten sammelt, sich beim Data Protection Commissar meldet und im eigens dazu geschaffenen Register einträgt.
Dort müssen detaillierte Angaben über die Art der gesammelten Daten und den Personenkreis, der darauf Zugriff hat, gemacht werden. Außerdem wird erfasst, in welchem Land sich die Server mit den Daten befinden. Hattrick Limited ist in dem online einsehbaren Register nicht zu finden.
Verstöße gegen diese Vorschrift gelten auf Gibraltar nicht als Kavaliersdelikt, die in den Artikeln 34 und 35 aufgeführten Strafen reichen bis hin zur kompletten Löschung der Datensammlung.
Warum sind die User ausgerechnet bei Spielen so sorglos? «Menschen tendieren dazu, viel vertrauensseliger zu sein, wenn man ihnen etwas anbietet, das sie haben wollen», sagte Schneier. «Wenn jemand ein Spiel nur dringend genug spielen mag, dann wird er eben für sich Gründe finden, die es ihm ermöglichen, dem dahinter stehenden Unternehmen zu vertrauen.»
