22.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Achtung, das Selbst tropft
Foto: Ignition Entertainment
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Quecksilber-Blubbs sind auch nur Menschen. Susanne Berkenheger hat es im Computerspiel «Mercury Meltdown Revolution» erlebt.
Als Kalle Neubert eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einer ungeheuren Quecksilberblase verwandelt. Er lag auf seiner glänzenden Umhüllung, und ohne dass er einen klaren Gedanken fassen konnte, blubberte und rollte er auch schon davon, auf ein grün schimmerndes Farbfeld zu, gegen welches er böse prallte und schwungvoll zurückgeschleudert wurde. Haarscharf einem fiesen Abgrund zu. Kalle wagte einen kleinen Blick hinunter, erschrak bis in seinen innersten, unbekannten Kern, oft mit der Seele verwechselt, und verlor blitzartig einen Teil von sich - blubb, weg. Und zwar genau elf Prozent. Er schrie auch ein wenig.
Ich will nun mal irgendwo hinKalle schloss die Augen, schnupperte die umherspritzenden Lösungsmittel, und als er wieder zu sich kam, schimmerte er grasgrün. «Holla!», dachte Kalle, und: «schick». Mit diesen elementaren Quecksilbergedanken schoss er durch das vorher so abweisende Farbfeld einfach hindurch und überlegte kurz, ob es sich wohl um seine Wohnungstür handelte, denn da stand ja auch schon der gesprächssüchtige Nachbar - nein, da stand und rotierte ein übler Attraktor, dem kein Quecksilber ohne Verluste entkam. Minus fünf Prozent. Das kann man verkraften, dachte Kalle, von dem noch einiges übrig war. Aber was könnte ich jetzt mal tun wollen?
Ich bin viele - helft uns!Schnaufend kullerte er auf die Straße, nein, Quatsch, jemand hatte ihn geschnappt und ins Tiefkühlfach gesteckt - nun war alles aus. Kalle war sich da ganz sicher. Brüllte aber erst, als er gleich wieder rauspurzelte und in verschiedene Teile zersprang, die schnell in alle möglichen Richtungen fortperlten und über deren Treiben er sofort jeglichen Überblick verlor. Von Ferne hörte er ihre verhallenden «Aaaaaaaahs» und wusste: Sie waren gescheitert. Er konnte ihnen nicht mehr helfen und konzentrierte sich auf die verbliebenen 25 Prozent seiner Selbst. Uff. Diese modernen, zersplitternden Zeiten waren nichts für einen wie Kalle. Gab es vielleicht irgendwo Rettung, einen Ausgang aus diesem wilden Parcours?
Küss die GoldkugelPlötzlich sah er seine große Chance, eine wirbelnde goldene Superhauptgewinnkugel, ein herausfordernd glitzerndes Bonuspaket, das seine großen Substanzverluste teilweise wieder wettmachen konnte, vielleicht. Allerdings: Um die Goldkugel zu erreichen, musste Kalle etwas wagen, etwas doch eher Verwegenes für eine Quecksilberblase, die er nun mal war. Er musste erst über eine Eisfläche schlittern, dann im rechten Augenblick hüpfen, sich in der Luft drehen, auf eine Achterbahn aufspringen, mit dem Schwung, den er noch hatte, drei Loopings drehen, dann abheben, fliegen, die Bonuskugel küssen und dann wieder zurück, fallen, fallen, fallen - aaaaaaaaaaah.
Als das Quecksilber am Morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand es sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Kalle Neubert verwandelt. Es lag auf seinem harten Rücken und sah, wenn es seinen Kopf ein wenig hob, die Wii-Konsole mit «Mercury Meltdown Revolution» drin, und den Fernseher vor sich. «Was ist mit mir geschehen?», dachte das Quecksilber baff.
«Mercury Meltdown Revolution» für die Nintendo Wii ist bei Ignition Entertainment erschienen.
Ab Donnerstag geht es auf der Games Convention in Leipzig um die Gegenwart und Zukunft des Spielens.