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Zeitungen sind nur noch für Nostalgiker

15. Aug 2007 07:35
Nur noch ein Auslaufmodell? Zeitungen aus dem Jahr 2007
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Wie stark wird die Welt im Jahr 2031 vom Computer geprägt sein? Ein neues Buch entwirft Szenarien zwischen Informatik und Science-Fiction, Düsternis und Paradies.

Die Entwicklung der Computertechnik eröffnet derart weitreichende Möglichkeiten, dass sich die Informatik gern in die Nachbarschaft der Science-Fiction begibt. Vielfältige Zukunftsbilder von der Informationsgesellschaft entwirft jetzt ein Sammelband, der aus einem gemeinsamen Projekt des Bayerischen Rundfunks mit dem Online-Magazin «Telepolis» hervorgegangen ist.

Mehr in der Netzeitung:
«Ein Ausflug mit beschränkter Haftung in die mediale Zukunft des Jahres 2031» steht am Anfang der Zeitreise in die Zukunft. Horst Müller entwirft hier ein Szenario, in dem die Medien nur noch von Google und Yahoo bestimmt werden. Beide Unternehmen verbreiten weltweit über 80 Prozent aller Meldungen. ARD und ZDF wurden von Google, die Deutsche Presse-Agentur von Yahoo geschluckt.

Printmedien sind nur noch etwas für Nostalgiker, so dass Zeitungen ausschließlich im «Print-on-demand-Verfahren» gedruckt werden. Schüler müssen nicht mehr lesen und schreiben lernen – die schriftliche Kommunikation wurde ersetzt durch «intelligente Voicemail-Programme, die kurze Sprachbefehle in ganze Sätze umwandeln».

Die Matrix

Diesem rabenschwarzen Ausblick folgen Szenarien mit scheinbar paradiesischen Zuständen wie jenes des Architekten Bernhard Franken über «Rapid Prototyping» und «Rapid Production»: Hier wird die Kaffeetasse zum Frühstück einfach mit einem «3D-Drucker» ausgedruckt. Deren Materie wird später verwendet, um beim Spielen mit dem Sohn in ein Spielzeugauto verwandelt zu werden. «Abends fehlt die Zahnbürste, also schreddert man den Mercedes und druckt sich eine Zahnbürste aus.» Das vermeintliche Paradies weicht aber schnell einer großen Sorge, wenn Franken überlegt, dass dann auch Waffen auf diese Weise produziert werden.

Bei allen teilweise phantastischen Gedankengängen ist den meisten Zukunftsentwürfen die Überzeugung gemeinsam, dass der Trend weg geht von den materiellen Grundlagen der Gesellschaft und sich unterschiedlichen Ebenen der Simulation annähert. Besonders weitreichend ist da die Überlegung des britischen Zukunftsforschers Nick Bostrom, dass wir möglicherweise längst nicht mehr in der Realität, sondern in einer künstlichen «Matrix» leben.

Lächeln für zwei Cent

Die Alten wundern sich dann auch nicht, dass sie von Robotern gewaschen und überwacht werden, wie es sich Monica Fauss vorstellen kann. Schließlich sind sie ja dank lebenslangem Lernen die wahren Helden der Wissensgesellschaft.

Mehr im Internet:
Geld verdienen können sie, wenn die von Sascha Lobo entworfene Utopie der «digitalen Bohème» Wirklichkeit wird: «Über persönlich justierbare, automatisierte Skripte bekommt jede Handlung einen Wert. Ein Lächeln etwa hat für die meisten Menschen einen Wert von zwei Cent, die im Anwendungsfall vom Konto des Lächelempfängers auf das des Lächelnden übertragen werden.» (AP)

Stefan Iglhaut/Herbert Kapfer/Florian Rötzer (Hrsg): what if? Zukunftsbilder der Informationsgesellschaft. Heise Zeitschriften Verlag, Hannover 2007. 229 S., 18 Euro

 
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