Lehrlinge zu schlecht am Computer
12. Aug 2007 16:09
 |  Tabellen erstellen und Textverarbeitung schwach | Foto: dpa |
|
Chatten ja, Tabellen nein. Viele Lehrlinge lassen laut Umfrage Computerkenntnisse vermissen. Der Beamtenbund warnt derweil vor einem Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst.
Fast jeder zweite Lehrling im deutschen Handwerk hat laut einer Umfrage zu wenig Computerkenntnisse für die Arbeit. Das ist das Ergebnis einer TNS-Infratest-Umfrage unter 200 Lehrmeistern deutscher Handwerksbetriebe im Auftrag der Qualifizierungsinitiative IT-Fitness, in dem sich neben Microsoft Deutschland acht weitere Unternehmen und Institutionen zusammengeschlossen haben. Einen Mangel an höher Qualifizierten befürchtet derweil der Deutsche Beamtenbund im öffentlichen Dienst schon früher als in der Privatwirtschaft.
Nach der Umfrage unter den Ausbildern im Handwerk haben 46 Prozent der rund 500.000 Lehrlinge «keine ausreichenden Kenntnisse im Umgang mit Computer und Internet», wie Microsoft Deutschland und die «Bild am Sonntag» berichteten. Dabei gehören IT-Kenntnisse für Hanns-Eberhard Schleyer, den Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, zu den «Schlüsselkompetenzen» in den 923.046 deutschen Handwerksbetrieben, wie das Blatt weiter berichtete.Für zwei Drittel (66 Prozent) der befragten Personalentscheider sind den Angaben zufolge Computerkenntnisse auch im Handwerk «ausgesprochen wichtig». Besonders gefragt seien Fertigkeiten in der Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und beim Umgang mit dem Internet.
In Textverarbeitung unzureichend
Doch genau daran hapert es der Umfrage zufolge: 60 Prozent der Azubis wird demnach «kein ausreichendes Wissen im Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen» attestiert, 75 Prozent haben Mängel bei der Tabellenkalkulation, 40 Prozent keine ausreichenden Internetkenntnisse. «Jugendliche mögen zwar fit beim Gamen und Chatten sein, aber nicht, wenn es um Computereinsatz für den Beruf geht», sagte Achim Berg, Chef von Microsoft Deutschland, dem Blatt. Die Hälfte der Auszubildenden zeigt nach Einschätzung der Befragten keine Motivation, diese Defizite in Eigeninitiative abzubauen. Allerdings mangele es auch an Weiterbildungsmöglichkeiten in den Betrieben selbst: 26 Prozent der Personalverantwortlichen bieten demnach den eigenen Azubis keine IT-Schulungen an. Über die Hälfte der Befragten bewertete die angebotenen Schulungsmaßnahmen in der Informationstechnik als «nicht gut».
«Wir haben bereits reagiert», versicherte Schleyer den Angaben zufolge dazu. So werde jedem Lehrling von den Handwerkskammern eine kostenlose IT-Basisqualifizierung angeboten.
Beste Köpfe verlieren
Der öffentliche Dienst ist nach Einschätzung des Deutschen Beamtenbunds schon bald noch stärker von einem Fachkräftemangel bedroht als die Privatwirtschaft. «Wenn wir nicht schon heute in der Besoldungspolitik gegensteuern, wird der öffentliche Dienst den in den nächsten Jahren immer härter werdenden Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um die besten Köpfe verlieren», warnte der Vorsitzende des Beamtenbunds, Peter Heesen, im «Handelsblatt». Das Personal im öffentlichen Dienst sei stark überaltert. Erste Engpässe seien schon heute erkennbar, vor allem an den Schulen und beim technischen Personal der Kommunen, sagte Heesen. Bei IT-Fachkräften unterliege die öffentliche Verwaltung bis hin zu den Bundesministerien wegen der schlechten Besoldung regelmäßig im Wettbewerb mit der privaten Wirtschaft. (AP)