netzeitung.deChina lässt Beamte online foltern

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Fußball ist besser: Chinesische Online-Spieler in einem Internetcafé in Shanghai (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fußball ist besser: Chinesische Online-Spieler in einem Internetcafé in Shanghai
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In China können künftig korrupte Beamte gefoltert und getötet werden - in einem Computerspiel. Unters Volk gebracht wird das Spiel von den Behörden.

Chinas Behörden haben ein Computerspiel entwickelt, bei dem der Spieler mit zum Teil drastischen Mitteln gegen korrupte Beamte und deren Verwandtschaft vorgehen soll. Chinesische Medien berichteten am Donnerstag erstmals von dem Spiel «Unbestechlicher Kämpfer».

Es sei vor gut einer Woche in den Testbetrieb gegangen und seither mehr als hunderttausendmal aus dem Internet geladen worden. Man arbeite nun an einer technischen Weiterentwicklung, um das Spiel weiteren Interessierten zugänglich machen zu können. Bisher konnten nur rund 5000 Spieler gleichzeitig auf «Unbestechlicher Kämpfer» zugreifen, weil es auf nur einem Server läuft.

Zauberei, Folter, Mord
Das Online-Spiel soll von einem Mitarbeiter der Provinzregierung von Zhejiang erarbeitet worden sein. Wie die Tageszeitung «China Daily» berichtete, wolle er damit die Bevölkerung auf mögliche Gefahren der Bestechung hinweisen. Das Disziplinarkomitee der Kommunistischen Partei habe die Entwicklung finanziell unterstützt.

Im Spiel müssen Teilnehmer, um erfolgreich zu sein, so viele bestechliche Beamte wie möglich ergreifen, foltern und töten. Auch an deren Söhne, Töchter und «Mätressen» sollen sich die Spieler halten und sie mit Waffen oder Zauberei zu Geständnissen zwingen. In einer virtuellen «Anti-Korruptionshochschule» lernen sie anschließend die Welt der realen Korruptionsfälle kennen. Das Ziel des Spieles besteht darin, ein «Paradies» ohne Korruption zu erreichen.

Das Spiel ist in China nicht unumstritten. Kritik wird daran geäußert, dass auch die Kinder von korrupten Beamten bekämpft werden. Auch sei die Zielgruppe falsch gewählt: Nicht an Online-Spieler, sondern an die Beamten selbst müsse sich die Anti-Korruptionskampagne richten, schrieb etwa ein Autor in «China Daily».

Reale Korruption
Chinas Staatspräsident Hu Jintao hatte jüngst Korruption als eine der größten Gefahren für das Land und die politische Führung benannt. Wegen Korruption verurteilte Beamte werden regelmäßig hingerichtet. Zuletzt traf es den ehemaligen Leiter der Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht.

Schon länger versucht die chinesische Regierung, die beliebten Online-Spiele für sich zu nutzen. Gleichzeitig aber werden immer wieder neue Gesetze vorgegeben. Seit kurzem dürfen unter 18-Jährige nur noch drei Stunden am Stück spielen. (nz)