netzeitung.deVorlesungen als Podcasts

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Hallo, aufwachen! Eine Studentin hört sich am Computer einen Podcast an (Foto: Jens Schierenbeck/dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hallo, aufwachen! Eine Studentin hört sich am Computer einen Podcast an
Foto: Jens Schierenbeck/dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

An deutschen Hochschulen ist ein neuer Trend zu beobachten. Immer mehr Studenten hören sich ihre Vorlesungen von zuhause aus an.

Andreas Nath studiert Wirtschaftsinformatik im Fernstudium. Im vergangenen Wintersemester hat der Münchner an einer Vorlesung per Podcast teilgenommen. Statt Lehrmaterial mühsam durchzuarbeiten, rief er die Aufzeichnung einer Veranstaltung über Algorithmen an der Universität Osnabrück am heimischen Computer ab. «Es war viel verständlicher und einfacher», erzählt der 29-Jährige. «Weil ich sonst keine Vorlesungen habe, war es für mich eine willkommene Abwechslung.»

Mit seiner Begeisterung ist der Student nicht allein: Rund 2800 Nutzer hatten den Podcast mit der Informatik-Vorlesung abonniert. Jedesmal, wenn eine neue Folge erschienen war, wählten sie sich in das Netz der Uni ein. «Podcasts sind ein sinnvoller Weg, um aufgezeichnete Vorlesungen über das Internet zur Verfügung zu stellen», sagt Tim Schmidt vom Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre der Universität Osnabrück (Virtuos). «Sie sind ein zusätzliches Angebot und dienen nicht dazu, ausgefallene Vorlesungen zu ersetzen», erklärt der Pädagoge. Studierende nutzen sie vor allem zur Klausurvorbereitung.

Podcasts sind Audio- oder Videodateien, die auf einem Internetserver zumeist kostenlos bereitgestellt werden. Mit einer speziellen Software lassen sich Themen vorab auswählen. Wurde ein bestimmtes Thema abonniert, überprüft die Software automatisch, ob eine neue Folge erschienen ist und lädt diese auf den Rechner. Nutzer müssen also nicht jedes Mal, wenn sie sich ins Internet einwählen, nach neuen Folgen suchen.

300 Beiträge aus Wissenschaft und Forschung
In Hamburg ist mittlerweile das Projekt Podcampus gestartet. Das Multimedia Kontor Hamburg, ein Unternehmen der Hamburger Hochschulen, stellt auf der Podcast-Plattform rund 300 Beiträge aus Wissenschaft und Forschung zur Verfügung. Neben aufgezeichneten Vorlesungen und Einzelveranstaltungen sind darunter auch eigens für die Plattform produzierte Bildungsbeiträge. Das Spektrum reicht von Einführungsvorlesungen verschiedener Studienfächer bis hin zu naturwissenschaftlichen Themen. «Wir haben damit begonnen, zu erproben, welchen Nutzen Podcasting für die Lehre haben kann», sagt Anette Stöber vom Multimedia Kontor. «Beim E-Learning kommt man an Podcasts nicht mehr vorbei.»

Jeder Dozent sowie jede Forschungs- und Bildungseinrichtung hat die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen oder Vorträge auf der Plattform einzustellen. «Die Formate sind mit einfachen Mitteln und ohne großen finanziellen Aufwand herzustellen und leicht zugänglich», erklärt Anette Stöber. Zudem ließen sich die Dateien mühelos auf einen MP-3-Player übertragen. «Studierende können zum Beispiel eine Vorlesung auf dem Weg zur Uni noch einmal hören», sagt Stöber. Podcasts böten eine gute Möglichkeit, Vorlesungen im eigenen Lerntempo nachzuarbeiten.

Das Institut für Politikwissenschaften der Universität Gießen produziert Podcasts für Lehrangebote zur politischen Bildung: Statt einer kompletten Vorlesung werden dazu Interviews mit Wissenschaftlern aufgenommen. «Podcasts sind ein Teil der neuen Lernformen, mit denen die klassische Präsenzveranstaltung durch Online-Lernen ergänzt wird», erklärt Christoph Bieber vom Zentrum für Medien und Interaktivität der Uni.

Nicht jede Vorlesung geeignet
Wie auch an anderen Hochschulen können via Internet bereits zu einzelnen Lehrveranstaltungen zusätzliche Materialien zur Nachbereitung oder Diskussionsforen genutzt werden. «Es ist ein Unterschied, ob Studierende nur aus Büchern lernen oder via Internet mit Professoren und Kommilitonen im Austausch stehen», erklärt Bieber. «Das Lernen wird kommunikativer. Podcasts lassen sich gut in das vorhandene Angebot einbinden.» Besonders jüngere Dozenten seien ambitioniert, diese Möglichkeit zu nutzen. Bislang fehle es jedoch an finanziellen Mitteln für den weiteren Ausbau.

Und auch nicht jede Vorlesung eignet sich für das Podcasting. Da es im Internet kaum möglich ist, hochaufgelöste Bilder zu zeigen, können beispielsweise Präsentationen nur schlecht übertragen werden. «Wenn ein Kunsthistoriker in der Vorlesung Bilder zeigt, die nicht aufgezeichnet werden können, macht es wenig Sinn», räumt Anette Stöber ein.

Neue Chancen könnten sich aber auch für das Hochschul-Marketing ergeben. Bisher informieren sich Studieninteressierte vor allem auf den Webseiten der Hochschulen. Künftig könnten Podcasts ebenfalls dazu dienen, Hochschulstandorte und Studienangebote anschaulicher zu machen. «Jugendliche kennen sich mit Podcasting bereits aus. Sie wissen, wie es funktioniert», sagt Anette Stöber. (Sabine Schrader/dpa)