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Internet-Slang: Alles pornös oder was?

20. Jul 2007 13:54
Geek, Homie oder Dau?
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Sind Sie ein Geek, ein Homie oder ein Dau? Außerdem: Handys aus im Libanon; Videos, wohin man schaut; das Ende des Internet. Maik Söhler kommentiert eine Woche im Netz.

Montag

Das hat aber gedauert. Seit Montag hat die lange erwartete Attacke eines Internet-Giganten auf den anderen begonnen. Mit Myspace-TV greift die derzeit größte Online-Community Myspace das Video-Portal Youtube frontal an.

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So würden die Macher von Myspace das natürlich niemals sagen. Lieber spricht man in einer Presseerklärung vom «Beta-Launch der neuen globalen Video-Plattform MySpaceTV», von der Möglichkeit eigene Videos zu kreieren, einzustellen und mit anderen MySpace-Nutzern auszutauschen, von einer «Antwort auf den explosionsartigen Anstieg im Bereich Video», von «Content-Partnerschaften», «Veränderungen des User Interface» und «15 Millionen Unique Streamern», die man bisher schon verzeichne.

Die Startseite sieht chic aus, weniger wimmelig und übersichtlicher als die von Youtube oder Sevenload. Dafür passiert auf Myspace-TV deutlich weniger. Aber gut, ist ja neu, ist ja «Beta-Phase», muss man abwarten. Das erweiterte Videoangebot könnte eine erste Reaktion des beliebten Social Networks auf die erstmals in seiner Geschichte sinkende Beliebtheit bei unter 18-Jährigen in den USA sein. Für diese Woche jedenfalls müssen wir nicht länger von einer Attacke reden.

Dienstag

Die Betreiber nennen es «Slang der Jetztzeit», Kritiker sprechen von Satz- und Wortverhunzung, neutral könnte man es ein interaktives Online-Wörterbuch der Internet-Sprache nennen: die Rede ist von Sprachnudel.de, einem nicht mehr ganz neuen Portal, das aber derzeit wieder mal versucht, auf sich aufmerksam zu machen.

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Tun wir ihm doch den Gefallen und wenden unsere Aufmerksamkeit dorthin. Die Seite richtet sich, wie die Betreiber schreiben, an «Cracks, Geeks, Homies und Ikonen der verschiedenen Lifestyle-Szenen.» Sie sollen sprachliche Trends sammeln, die noch nicht in den Duden aufgenommen wurden, und sie anderen Internet-Usern vorstellen. Die entscheidenden Fragen lauten: «Welche Wörter sind also angesagt und machen in der Szene die Runde? Du bist voll der Checker und hast ein neues Wort auf Lager?»

«Angesagt», «Szene», «Checker» - das nun klingt mehr nach Yesterday als nach Jetztzeit. Bei diesen Vorgaben wundert man sich dann auch nicht, dass einige User eine Frau tatsächlich - tief in die siebziger Jahre zurücktauchend - als «Schnitte» bezeichnen oder Worte wie «Schlaffi» und «Depri» aus dem Grab der Neunziger ausbuddeln. Lol!

Doch zum Glück denken andere User moderner. «Televangelist», «pornös» und «Dau» (Dümmster anzunehmender User«) sind zwar auch nicht mehr ganz frisch, gehören aber in jedem Fall in solch ein Wörterbuch. Und: Sprachnudel.de ist ausbaufähig, mitmachen kann jeder.

Mittwoch

Nach all den Video- und Slang-Wimmel-Seiten wächst das Bedürfnis, mal wieder die ruhigen Gewässer des Internet anzusteuern. Es soll ja Seiten geben, die völlig ohne Pop-Ups, Flash-Funktionen, Getwitter und interaktives Hin- und Hergeposte auskommen. Die uralten, grafisch strengen und sonst sehr stillen Seiten von «5k» etwa.

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Besonders viel Spaß machen solche Ziele, wenn sie über die Ruhe hinaus auch noch völlig nutzlos sind. Diesem Anspruch gerecht werden zum Beispiel Seiten wie «Useless Account» - wo Besucher einen gänzlich nutzlosen Account anlegen können - oder eine der vielen «Ende des Internets»-Seiten.

Auf meiner «Ende des Internets»-Favoritin heißt es treffend: «Du bist am Ziel. Dies ist das letzte Verzeichnis auf dem allerletzten Webserver im gesamten Internet. Du siehst, es gibt keine Links auf dieser Seite, weil es von hier aus nicht weitergeht. Dreh Dich einfach um und geh zurück.» 327.241 User sind bisher diesem Weg gefolgt.

Donnerstag

Handy-Streik im Libanon. Wie die ORF-Futurezone berichtet, riefen Konsumentenschützer und Gewerkschaften für Donnerstag zum Handy-Streik auf. Die Nutzer sollten ihre Mobiltelefone für vier Stunden abschalten, um gegen extrem hohe Preise, eine schlechte Netzqualität und eine miese Infrastruktur zu protestieren.

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Der Libanon gilt als einer der teuersten Mobilfunkmärkte der Welt. Die Organisation Consumers Lebanon gibt an, der Preis für eine Minute im Mobilfunknetz liege für Vertragskunden derzeit bei 25 Cent. Prepaid-Kunden müssten sogar 38 Cent pro Minute bezahlen. Ein Neuanschluss koste 37 Euro, könne während der touristischen Hauptsaison aber bis auf 181 Euro steigen.

Bereits vor drei Jahren war im Libanon ein Handy-Streik durchgeführt worden. 63 Prozent aller Mobilfunknutzer beteiligten sich daran. Ein ähnlicher Wert wurde auch für diesmal erwartet. Genaue Zahlen lagen bis Freitag mittag noch nicht vor.

Mehr noch als die Mobilfunkbetreiber dürfte sich das libanesische Finanzministerium über den Streik ärgen. Die Einnahmen aus dem Telekom-Sektor sollen derzeit 38 Prozent des Staatsbudgets ausmachen.

Freitag

Zum Abschluss der Woche wollen diesmal noch ein paar Dinge kurz vermeldet werden:

Das derzeit beliebteste Weblog der Welt wird von der Chinesin Xu Jinglei betrieben. Es ist das erste Blog das jüngst die Grenze von 100 Millionen Besuchern überschritten hat. Kein Wunder, Xu Jinglei ist vielfach talentiert. Sie arbeitet als Schauspielerin, Schriftstellerin, Regisseurin und Sängerin.

Mehr im Internet:
Die Fachhochschule Mainz hat ihr historisch-geografisches Wissenssystem «HGIS Germany» vorgestellt. Es soll multimediale Zeitreisen ermöglichen. Reisewillige erfreuen sich hier an Trips durch das Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts.

In Berlin wird am Freitagabend der sehenswerte Film «Good Copy Bad Copy» aufgeführt - ein unverzichtbarer Beitrag zur Debatte um so genannte Raubkopien: Pirate Cinema in Berlin-Mitte, Tucholskystr. 6, 21 Uhr. Wer nicht kommen kann, sieht sich wie bisher den Film im Netz an.

 
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