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US-Star-Blogger Steve Clemons besuchte Berlin und sprach mit Journalisten und Politik-Strategen über seine Leidenschaft, Hillary Clinton und den Wunsch nach Einfluss. Caroline Benzel war dabei.

Geht es um die Zukunft politischer Kommunikation, schaut man in Deutschland gerne in die USA. So auch die Konrad-Adenauer-Stiftung, die nun nach zahlreichen Journalisten einen profilierten amerikanischen Politik-Blogger zu einem Hintergrund-Gespräch nach Berlin lud: Steve Clemons.

Der 45-Jährige hat den politischen Think Tank «New America Foundation» mitgegründet. Die «Foundation» will neue Ideen und Lösungsansätze in die politische Debatte einbringen, Clemons leitet den Bereich Außenpolitik.

Laut Clemons ist die «New America Foundation» der meistzitierte Think Tank in den Tageszeitungen «New York Times» und «Washington Post», auch im «Wallstreet Journal« wird er oft erwähnt. Selbst Hillary Clinton hat schon mal einen Live-Chat unterbrochen, um sich exklusiv Clemons’ Fragen zu stellen.

Ideen und Kommentare zur politischen Situation veröffentlicht Clemons in seinem Blog »The Washington Note«, das vielen politischen Journalisten in den USA als Recherche-Quelle dient. Als Clemons seine Leser aufforderte, die wichtigste Person des Jahres zu wählen, bekam er 10.000 E-Mails. Inzwischen beschäftigt der Polit-Profi Praktikanten und Rechercheure, die einen Teil der Arbeit erledigen.

Netzeitung.de: Was bedeutet nach Ihrer Auffassung Bloggen?

Steve Clemons: Qualitäts-Bloggen ist für mich eine Mischung aus Journalismus und politischem Engagement. Bloggen ist subversiv, der genetische Code ist anders als beim Journalismus.

Netzeitung.de: Was macht ein gutes Blog aus?

Clemons: Viel Arbeit. Pro Tag sitze ich zwei bis drei Stunden an meinem Blog. Zeit und Leidenschaft fürs Schreiben sind ebenso notwendig wie der unbedingte Wille, seine Meinung zu verbreiten. Dabei bin ich in der komfortablen Situation, meinen Job bei der New America Foundation mit dem Bloggen verbinden zu können. Wenn ich wegen meines Jobs einen Politiker treffe, kann ich im Anschluss im Blog darüber berichten.

Netzeitung.de: Wie wichtig sind politische Blogs in den USA?

Clemons: Politische Blogger sind in den USA sehr einflussreich, da es verhältnismäßig wenige gibt. Das kann sich aber schnell ändern. Mein eigenes Blog hat manchmal mehrere Millionen Leser pro Tag.

Wie wichtig das Internet und Blogs für amerikanische Politiker sind, zeigt das Beispiel von Hillary Clinton. Sie hat ihren Wahlkampf mit einem Podcast im Internet begonnen und Fragen von Internet-Nutzern meist live beantwortet.

Netzeitung.de: Auch Sie haben ihr Fragen gestellt.

Clemons: Von meinen Fragen ist anfangs allerdings keine akzeptiert worden.

Netzeitung.de:: Wie haben Sie darauf reagiert?

Clemons: Ich habe meine nicht beantworteten Fragen im Blog veröffentlicht. Im nächsten Podcast hat Hillary Clinton dann ihre Antwort-Live-Runde unterbrochen, um auf diese Fragen zu antworten. Im Anschluss haben rund fünf Millionen Leser mein Blog aufgerufen. Das schmeichelt natürlich auch der persönlichen Eitelkeit.

Netzeitung.de: Warum ist das Internet für die amerikanische Politik so wichtig?

Steve Clemons: Im Internet entsteht eine neue Art von Öffentlichkeit, ein neues Öko-System. NGOs und Politiker versuchen gleichermaßen, zu diesen Zielgruppen vorzudringen.

Wie erfolgreich Online-Strategien sein können, zeigt das Beispiel des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama. Ihm ist es gelungen Hillary Clinton beim Fundraising zu schlagen. Hunderttausende haben für seinen Wahlkampf gespendet, vor allem online. (Anm. d. Red.: Clinton hat mit Online-Spenden 4,2 Millionen Dollar eingenommen, Obama 6,9 Millionen Dollar)

Netzeitung.de: Und wie finanzieren Sie Ihr Blog?

Steve Clemons: Durch Bannerwerbung und Spenden der Leser. Im Jahr werden rund 150.000 Dollar für mein Blog gespendet. Damit bezahle ich unter anderem Praktikanten und Rechercheure.

Netzeitung: Was hat Sie bewogen, mit dem Bloggen anzufangen?

Clemons: Ich möchte die Politik beeinflussen. Mein Blog ist wie meine eigene Zeitung. Ich sehe mich als Teil der Elite und möchte deshalb auch die Elite als Leser. Meine Intention ist nicht unbedingt, besonders viele Leser zu haben - ich möchte die wichtigen Leser.

Netzeitung: Wo steht Ihr Blog politisch?

Clemons: Ich sehe mich als Radikalen aus der politischen Mitte. Das Blog ist pragmatisch und ziemlich ausgeglichen, anders als bei den meisten anderen politischen Blogs, die entweder extrem links oder rechts ausgerichtet sind.

Netzeitung: Das politische Bloggen in Deutschland ist noch nicht so erfolgreich. Woran liegt das?

Steve Clemons: Ich denke dass hat mit der Internet-Durchdringung zu tun. In den USA gibt es rund 45 Millionen Leser politischer Blogs. Das liegt auch daran, dass viele ältere Menschen online sind.

Das dürfte in Deutschland nicht der Fall sein. Ich bin aber überzeugt, dass das politische Bloggen auch hier Zukunft hat. Es lohnt sich, früh einzusteigen und sich richtig zu positionieren.

Mit Steve Clemons sprach Caroline Benzel.