Auch Mädchen ballern gerne
06. Jul 2007 14:03
 |  Von wegen reine Männerwelten: Computerspieler in Hannover | Foto: Peter Steffen dpa |
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Nicht nur für Jungs: brutale Computerspiele. Außerdem: iPhone gehackt, AllofMP3 offline und doch wieder nicht, sowie der große Freebase-Test.
Maik Söhlers Woche im Internet.
Montag
Laut britischen Medien ist ab sofort endgültig Schluss mit dem bei seiner Kundschaft so beliebten und von der Musikindustrie so gehassten Musikdienst AllofMP3. Über Jahre konnte man bei diesem russischen Anbieter wahlweise Songs oder ganze Alben herunterladen - für wenig Geld, bezahlbar per Kreditkarte. Mehr als fünf Millionen Kunden sollen nach Angaben der Betreiber die Seite genutzt haben.
Dann machten die Lobbyisten der Musikindustrie in den USA und Europa Druck auf die Politik. Die US- und europäischen Politiker gaben den Druck an ihre russischen Kollegen weiter - teilweise wurde gemunkelt, der Beitritt Russlands zur WTO könne nur erfolgen, wenn zuvor AllofMP3 sein Angebot einstelle.Das ist nun geschehen, und alle können sich freuen. Selbst MediaServices, die Betreiberfirma von AllofMP3, muss nicht traurig sein. Denn mit Mp3Sparks.com hat sie bereits einen neuen Musikdienst etabliert, der dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich sieht.
Dienstag
Über Apples iPhone kann man ja gar nicht mehr schreiben, ohne das Wort «schnell» zu verwenden. Denn schnell wollten es zahlreiche Kunden haben, schnell waren mehr als 500.000 Stück verkauft, schnell mussten viele Verkaufsstellen Nachschub bei der Zentrale ordern, die so schnell aber nicht liefern konnte.
Und ebenso schnell war das Gerät gehackt. Der norwegische Hacker Jon Lech Johansen meldete am Dienstag in seinem Weblog Nanocrew Vollzug und stellte interessierten Nachahmern auch gleich eine Zip-Datei bereit. Mit ihr kann sich, wer will, des iPhones bedienen, ohne auf die Dienste des Netzanbieters AT & T zurückgreifen zu müssen. Das je nach Speichergröße zwischen 500 und 600 Dollar teure iPhone erhält nur, wer beim Kauf einen Vertrag mit AT & T abschließt. In Online-Foren spricht man von einem Knebelvertrag. Johansen will diese Verbindung mit seinem Hack nun gesprengt haben. Er und andere benutzen das Gerät, ohne den Netzanbieter bezahlen zu müssen.
Nur: Als Telefon ist es dann nicht mehr zu gebrauchen. Die anderen Funktionen des Geräts - als Musikplayer, internetfähiger Minicomputer und Navigationshilfe - sollen nach Angaben des Hackers jedoch problemlos funktionieren. Mal sehen, wie schnell Apple auf den Hack reagiert.
Mittwoch
Eine Studie des US-amerikanischen «Center for Mental Health and Media» kommt zu dem Ergebnis, dass auch Mädchen sich gerne mit brutalen Computerspielen beschäftigen. Befragt wurden 1200 Mädchen und Jungen im Alter von zwölf bis 14 Jahren. Zwei Drittel aller Jungen bekannten, regelmäßig brutale PC-Games zu spielen, die nicht für ihr Alter freigegeben sind. Bei den Mädchen waren es immerhin noch knapp über 25 Prozent. Lediglich sechs Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen sechs Monaten gar nicht am Computer gespielt zu haben.
Cheryl Olson, leitende Autorin der Studie, machte auf einen interessanten Aspekt aufmerksam: «Im Gegensatz zum Stereotyp des einsamen Spielers ohne soziale Kontakte stellen wir fest, dass Kinder, die Erwachsenenspiele spielen, dies mit höherer Wahrscheinlichkeit in Gruppen tun.»Für viele Jugendliche seien Computerspiele ein Mittel, um Ärger und Stress abzubauen. Wichtiger als die Debatte über ein pauschales Verbot von Gewaltspielen sei die Frage, «welche Art von Spielen für welches Kind gefährlich sein könnte», schloss Olson. Die Studie wurde vom US-Justizministerium unterstützt.
Donnerstag
Vor kurzem ist das Sportportal Netzathleten.de online gegangen.
Was das ist und was das soll, erzählt Stefan Pfannmöller, einer der Portal-Gründer und als Kanufahrer u.a. Olympia-Medaillen-Gewinner in Athen, im Kurzinterview:Netzeitung.de: Seit wann genau gibt es Netzathleten.de?
Stefan Pfannmöller: Seit Anfang Juni 2007.
Netzeitung.de: Wie viele Nutzer haben Sie mittlerweile?
Pfannmöller: Über 2000, mit rasch steigender Tendenz. Wir bereiten gerade die nächste Null vor.
Netzeitung.de: Was ist der Sinn und Zweck der Seite?
Pfannmöller: Netzathleten.de ist ein Social Network von Sportlern für Sportler, Betreuer, Teams und Vereine. Egal aus welcher Sportart sie kommen oder mit welcher Intensität sie ihren Sport betreiben. Sportler können über sich selbst und ihren Sport berichten, Sportfreunde finden, Teams bilden.
Netzeitung.de: Sie zielen also nicht nur auf Leistungssportler ab?
Pfannmöller: Nein. Freizeitsportler finden bei uns einfach Trainingspartner - Sport ist gemeinsam am Schönsten. Aber auch Leistungssportler unterstützen uns, zum Beispiel die Schwimmerin Antje Buschschulte.
Netzeitung.de: Wie finanziert sich die Seite?
Pfannmöller: Über kleine Spenden und Eigenkapital.
Freitag
Nach über drei Wochen habe ich endlich eine der begehrten Eintrittskarten zum neuen Heiligtum der Netzwelt erhalten - die Türen zum sagenumwobenen Freebase stehen mir nun ein bisschen offen. Ein bisschen heißt: Das Portal läuft noch im Testbetrieb.Freebase - das ist eine Mischung aus MySpace, Wikipedia und semantischer Datenbank; semantisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Daten nicht einfach hinter-, über- oder nebeneinander sortiert werden, sondern nach ihrer Bedeutung. Außerdem sind sie für Menschen und Maschinen lesbar. Die derzeitige Praxis sieht so aus, dass Menschen Daten eingeben, die dann von ihnen selbst, anderen Menschen oder eben maschinell und mit der Hilfe von Freebase-Moderatoren verknüpft werden können.
Nein, Freebase ist nicht einfach eine weitere Enzyklopädie, sondern ein Meta-Sammelwerk, dass sämtliche Daten aus Wikipedia und anderen Online-Lexika übernimmt, mit neuen Funktionen versieht und überall dort vernetzt, wo es Querverbindungen gibt oder künftig geben könnte. Nein, mit Daten sind nicht allein Buchstaben und Zahlen gemeint, sondern auch Fotos, Karten, Video- und Audiobeiträge, demnächst vielleicht auch Musik und Filme. Fast 2,4 Millionen Artikel sind bereits vorhanden und warten teilweise noch auf weitere Verknüpfungen. Bei vielen davon wurde auf das Copyright zugunsten so genannter Creative Commons-Lizenzen verzichtet. In den USA erscheint derzeit kaum ein Artikel über Freebase ohne den Hinweis auf eine Erweiterung des Internet zum Web 3.0.
Wie gesagt, noch läuft das alles im Testbetrieb, sprich: ist eine Riesenbaustelle. Aber ein Eindruck bleibt: Wer bei Freebase eintritt, hat ein Déjà vu. Man erinnert sich, wie es war, als man zum ersten Mal im Netz war. Man ahnt die Größe dieser Welt, lässt sich treiben, gelangt hierhin und dorthin, lernt Herrn X und Frau Y kennen, jede neue Seite verlängert den stetigen Wechsel von Freude und Frust, Neugier und Enttäuschung. Zeit vergeht schneller als sie sollte.
Und fürs nächste Mal nimmt man sich vor, zielgerichtet vorzugehen, schweift dann aber doch wieder nur umher, weil es so unendlich viel zu entdecken gibt. Aber egal ob konkrete Suche oder lockeres Flanieren ohne Ziel - Freebase ist für beides gut.