29.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Roaming für Anfänger: Jose Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, erläutert die neuen Tarife
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mobiltelefon-Anbieter senken nun nach und nach die Gebühren für Auslandsgespräche mit dem Handy. Caroline Benzel weist Pfade durch den Tarifdschungel.
Bis spätestens Ende September müssen die europäischen Handy-Netzbetreiber die Roaming-Gebühren innerhalb der EU senken. Das hat die Europäische Kommission jüngst in einem Gesetz zur Beschränkung der Roaming-Gebühren festgelegt.
Abgehende Anrufe dürfen dann maximal 58 Cent in der Minute kosten, ankommende Anrufe 28 Cent. In den kommenden zwei Jahren werden die Preise weiter fallen. 2009 dürfen ausgehende Gespräche bei deutschen Netzbetreibern nur noch 51 Cent kosten, ankommende Gespräche 23 Cent.
Nur Standard-Tarife umgestelltBrigitte Sievering-Wichers, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hält die Regelung für einen Schritt in die richtige Richtung. Sie glaubt aber, dass die Preise noch weiter fallen werden. Handy-Nutzern rät sie, nicht blindlings in die neuen EU-Tarife zu wechseln, sondern die Angebote mit dem eigenen Auslands-Tarif zu vergleichen.
Automatisch umgestellt werden nur die Standard-Roaming-Tarife. Wer einen speziellen Auslandstarif gebucht hat, telefoniert weiter wie bisher. Auf Kundenwunsch müssen aber auch diese Tarife innerhalb eines Monats geändert werden. T-Mobile führt die EU-Tarife am 1. Juli ein - zwei Monate vor der Frist der EU-Kommission. Vodafone folgt am 29. Juli, E-Plus am 1. August, O2 Ende August.
Wechsel überlegenVodafone-Kunden, die das so genannte Reiseversprechen gebucht haben, sollten sich einen Wechsel gut überlegen. Mit dieser Option zahlen Reisende im Ausland dieselben Gebühren wie innerhalb Deutschlands - zuzüglich 75 Cent pro Gespräch. Dasselbe gilt für eingehende Gespräche. Hier werden statt eines Minutenpreises ebenfalls nur 75 Cent pro Gespräch fällig.
Dauert der Anruf aus der Heimat länger als 60 Minuten, wird für jede weitere Minute 20 Cent abgerechnet. Ab dem 18. Juli gilt das «Reiseversprechen» in allen Mobilfunknetzen von 33 statt wie bisher 27 Ländern. Wird allerdings nicht in Deutschland, sondern einem anderen EU-Staat angerufen, sind die EU-Tarife günstiger. Denn mit dem «Reiseversprechen» zahlen Vodafone-Kunden 1,02 Euro pro Minute, zuzüglich 75 Cent pro Gespräch. Mit dem neuen EU-Tarif würden sie mit 58 Cent wesentlich weniger Geld vertelefonieren.
Unbedingt wechseln sollten O2-Kunden, die mit der «EU-Option» telefonieren. Schließlich zahlen sie innerhalb der EU sowohl für abgehende als auch ankommende Gespräche 59 Cent pro Minute. Der von der EU verhängte Roaming-Tarif ist bei eingehenden Anrufen deutlich günstiger.
Vorsicht ist bei dem zeitlich begrenzten «My Europe TOP-Tarif» geboten, der acht Euro für einen Monat kostet und die Gesprächskosten aus ausgewählten Ländern nach Deutschland auf 39 Cent senkt. Wurde «My Europe TOP» einmal gebucht, werden die Kunden automatisch auf die «EU-Option» umgestellt es erfolgt kein automatischer Wechsel zu den günstigen neuen Tarifen.
SparoptionenAlle E-Plus-Kunden telefonieren ab dem 1. August mit den neuen EU-Tarifen. Vertragskunden, die vorab schon sparen wollen, können sich unter der Kurzwahl 22003 kostenlos für den Tarif «Holiday Special» registrieren. Bis Ende September zahlen sie dann für Gespräche nach Deutschland und ankommende Gespräche lediglich 25 Cent, für eine SMS werden 19 Cent berechnet. Die Preise gelten allerdings nur in den E-Plus-Partnernetzen der ausgewählten Länder.
Netzbetreiber T-Mobile bietet die neuen Tarife bereits ab dem 1. Juli an. Zusätzlich können Kunden bis Ende 2007 die Urlaubsoption «Relax Holiday» buchen. Für zehn Euro gibt es ein Guthaben von 30 Gesprächsminuten, das vier Wochen lang in den meisten europäischen Ländern gilt.
Nachteil: Das Guthaben wird sowohl bei abgehenden als auch bei ankommenden Gesprächen verringert. Da die Gesprächsminute bei «Relax Holiday» 33 Cent kostet, ist der Standard-Tarif «Weltweit» für eingehende Gespräche mit 28 Cent günstiger.
Kostenfalle MailboxMit oder ohne EU-Preisnachlass: Eine wahre Kostenfalle auf Reisen ist die Mailbox. Die meisten Handys sind auf «bedingte Rufumleitung» eingestellt. Eingehende Anrufe kommen zunächst beim Handy an. Ist niemand erreichbar, das Handy ausgeschaltet oder außerhalb des Netzes, wird das Gespräch stattdessen zur Mailbox umgeleitet. Befindet der Handy-Besitzer sich im Ausland, zahlt er gleich doppelt: für den erstmaligen Anruf auf dem Handy und die Weiterleitung zur Mailbox.
Wenn er die Nachrichten abruft, wird er ein drittes Mal zur Kasse gebeten. Um dieser Kostenfalle zu entkommen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man schaltet die Mailbox aus oder lässt automatisch alle Anrufe auf die Mailbox umleiten. In diesem Fall ist man direkt nicht mehr zu erreichen. Sowohl das Abschalten der Mailbox als auch die direkte Rufumleitung können über die Menuführung des Handys eingestellt werden.
SpartippsWer günstig im Ausland telefonieren möchte, kann sich im Reiseland auch eine Prepaid-Karte kaufen und sie ins eigene Handy einlegen. Angerufen zu werden kostet dann gar nichts mehr, allerdings wird der Anrufer stärker zur Kasse gebeten.
Wer das vermeiden will, kann sich stattdessen auch die Prepaid-Karte eines Auslands-Discounters besorgen, die über das E-Plus-Netz läuft. Angerufen zu werden kostet rund zehn Cent pro Minute, für Gespräche innerhalb Europas bezahlt man zwischen 40 und 50 Cent. Einziger Nachteil: Bei Anrufen aus dem Ausland wird das Gespräch nicht direkt aufgebaut, sondern über das so genannte Callback-Verfahren, also einen Rückruf-Service.