Magensaft ist für Backup-Bänder kein Risiko
26.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Beim Versuch, die Daten auf den Nachfolger zu übertragen, stellte sich heraus, dass ein Teil der Bandkassetten nicht mehr lesbar ist. «Der Versuch, diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen, scheiterte», gestand Wichert in einem Brief an den Verteidigungsausschuss ein. Das Schicksal der nutzlosen Datenspeicher bestimmten nun die Paragrafen. «Entsprechend den gültigen Vorschriften zum Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet», schließt der Staatssekretär.
Datensicherungsroboter existieren in vielen Varianten. Manche sind simple automatische Kassettenwechsler. Sie entnehmen einem Gerät einfach nur ein Band mit Daten und legen das Band anschließend in ein Lese- und/oder Speichergerät. In Fall der verlorenen Geheindienstdaten scheint es sich jedoch um einen Datensicherungsroboter mit eigenen Bandlaufwerken und einer eigenen Band-Bibliothek zu handeln. Diese Bibliothek nennt man auch Katalog.
Der Roboter, den man sich am besten als einen Kasten mit Greifarm vorstellt, nimmt das Band also aus einem Gerät, legt es im eigenen System ab und registriert es dort.
In der Regel werden bei diesem Backup-Vorgang mindestens zwei Kopien gemacht und auch die ursprüngliche Datenquelle bleibt erhalten.
Mittlerweile geht der Trend beim Speichern zum Festplatten-Backup. In der fraglichen Zeit, 2004, war ein Backup auf Bandkassetten durchaus üblich.
Selbst im Fall defekter Leseköpfe des Laufwerks, in das der Roboter eine Kassette einlegt, ließen sich die Daten mit speziellen Geräten wieder verfügbar machen. Bernd Melchers, Leiter der Datensicherung im Hochschulrechenzentrum der Freien Universität Berlin, verweist im ARD-Magazin Report Mainz auf die Dauerhaftigkeit der Tapes: Selbst nach 20 Jahren seien die Daten noch sicher lesbar, sofern der Roboter die Bänder fehlerfrei beschrieb. Doch für erfahrene IT-Experten, wie sie Militär und Geheimdiensten zur Verfügung stehen sollten, sind auch zerstörte und fragmentierte Datenträger kein Problem. Experte Melchers: «Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können.» (nz)

