netzeitung.deMagensaft ist für Backup-Bänder kein Risiko

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Nicht nur für Geheimdienste wichtig: Datensicherung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nicht nur für Geheimdienste wichtig: Datensicherung
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Beim Bundeswehr-Datenskandal ist viel von Datensicherungsrobotern und fehlerhaften Kassettenbändern die Rede. Was genau ist das eigentlich?

Bei der Bundeswehr sind wegen technischer Probleme Geheimberichte über Auslandseinsätze weggekommen. Wie Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert schilderte, ist der gesamte Bestand an Geheimdienstinformationen über Auslandseinsätze aus den Jahren 1999 bis 2003 bei einem Versuch der Datensicherung im Jahr 2004 verloren gegangen, darunter Informationen des Bundesnachrichtendienstes (BND), von Militärattachés im Ausland sowie um Mitteilungen ausländischer Nachrichtendienste.

So, wie das Ministerium es beschreibt, begannen die Probleme mit einem so genannten Datensicherungsroboter. Zudem misslang die Rekonstruktion von Bandkassetten, auf denen die Daten gespeichert werden. Das hauseigene IT-System «Jasmin», mit dem das Verteidigungsministerium seit 1998 Daten der Militärstellen bearbeite, war zudem an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Deshalb übertrug man die Daten auf einen Datensicherungsroboter. Aus Gründen «der Speicherkapazität» begnügte man sich mit nur einer Sicherungskopie, eine zweite unterblieb. Doch der Datensicherungsroboter erlitt nach der Archivierung einen technischen Defekt. Ende 2004 ersetzte man ihn durch ein Austauschgerät.

Beim Versuch, die Daten auf den Nachfolger zu übertragen, stellte sich heraus, dass ein Teil der Bandkassetten nicht mehr lesbar ist. «Der Versuch, diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen, scheiterte», gestand Wichert in einem Brief an den Verteidigungsausschuss ein. Das Schicksal der nutzlosen Datenspeicher bestimmten nun die Paragrafen. «Entsprechend den gültigen Vorschriften zum Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet», schließt der Staatssekretär.

Datensicherungsroboter
So weit, so unklar. Was genau ist eigentlich ein Datensicherungsroboter? Warum werden Daten auf Kassetten gesichert? Und: Ist so ein Datenverlust technisch überhaupt möglich?

Datensicherungsroboter existieren in vielen Varianten. Manche sind simple automatische Kassettenwechsler. Sie entnehmen einem Gerät einfach nur ein Band mit Daten und legen das Band anschließend in ein Lese- und/oder Speichergerät. In Fall der verlorenen Geheindienstdaten scheint es sich jedoch um einen Datensicherungsroboter mit eigenen Bandlaufwerken und einer eigenen Band-Bibliothek zu handeln. Diese Bibliothek nennt man auch Katalog.

Der Roboter, den man sich am besten als einen Kasten mit Greifarm vorstellt, nimmt das Band also aus einem Gerät, legt es im eigenen System ab und registriert es dort.

In der Regel werden bei diesem Backup-Vorgang mindestens zwei Kopien gemacht und auch die ursprüngliche Datenquelle bleibt erhalten.

Bandkassetten
Die Kassette ist als Speichermedium keineswegs veraltet. Bis heute werden große Datenmengen bei Sicherungsvorgängen (Backups) auf so genannten Bandkassetten abgelegt. Denn Bänder gelten bei Experten im Gegensatz zu Festplatten oder CD-Roms als nicht anfällig für Defekte und Störungen. Ihr Speicherplatz ist riesig, auf ein einzelnes Tape passen zwischen 35 und 70 Gigabyte an Daten - eine DVD fasst knapp fünf.

Mittlerweile geht der Trend beim Speichern zum Festplatten-Backup. In der fraglichen Zeit, 2004, war ein Backup auf Bandkassetten durchaus üblich.

Band kaputt - Daten weg?
Daten auf zerstörten Bändern lassen sich in der Regel wiederherstellen. Für Peter Böhret, Geschäftsführer der auf die Wiederherstellung von Daten spezialisierten Firma Kroll Ontrack GmbH, steht außer Frage, «dass selbst im Fall eines Super-GAUs, der Zerstörung des Katalogs, dieser wieder behoben werden kann», wie er Computerwoche.de sagte.

Selbst im Fall defekter Leseköpfe des Laufwerks, in das der Roboter eine Kassette einlegt, ließen sich die Daten mit speziellen Geräten wieder verfügbar machen. Bernd Melchers, Leiter der Datensicherung im Hochschulrechenzentrum der Freien Universität Berlin, verweist im ARD-Magazin Report Mainz auf die Dauerhaftigkeit der Tapes: Selbst nach 20 Jahren seien die Daten noch sicher lesbar, sofern der Roboter die Bänder fehlerfrei beschrieb. Doch für erfahrene IT-Experten, wie sie Militär und Geheimdiensten zur Verfügung stehen sollten, sind auch zerstörte und fragmentierte Datenträger kein Problem. Experte Melchers: «Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können.» (nz)