Faszinierend vielklingendes Zwitschern
20.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wenn «Cisc1970» in New York grünen Tee trinkt, während «Stevewoolf» in Los Angeles im Park sitzt und ich Zeugin dieses Gezwitschers (genial treffend: to twitter = zwitschern) werde, macht das vor allem anderen: großen Spaß. Ich klicke hier, ich klicke da, lasse mich leiten von interessanten Pseudonymen, sympathischen Fotos oder skurrilen Logos. Ich lande in den USA (zugegeben: sehr oft!), in Japan, Spanien, wo auch immer, zoome hinein in ein Leben, das mir vorher fremd war und es auch bleiben wird. Für einen Moment darf ich teilhaben. 140 Zeichen lang. Dann geht es weiter.
Nennt mich meinetwegen voyeuristisch ich kann mich nicht satt lesen an dem, was an so vielen Orten gleichzeitig passiert oder Menschen bewegt. Was hier zählt, ist die flüchtig-gleichzeitige Gegenwart. Die liefert Twitter als ein buntes Mosaik aus vielen Momentaufnahmen. Jetzt, in diesem Augenblick, vermisst «Mickipedia» in Pittsburgh ihr Notebook, «Ijustine» in Los Angeles isst Pfannkuchen, «Lilyyu» hat gerade an irgendeinem Ort in China Mittagsschlaf gehalten.
Und last but not least: Ich habe begonnen, meine ziemlich brachliegenden Fremdsprachenkenntnisse wieder aufzufrischen. Wäre doch schade, wenn «Gagneeric» sein «Rico almuerzo» ganz allein essen müsste. Denn wie im echten Leben teilen sich die Bewohner der Twitter-Welt zumeist in ihrer Landessprache mit. Faszinierend vielklingendes Zwitschern. Oder, wie «Lilyyu» schreibt: «I am eating Ritter Sport chocolate made in Germany. Schmeckt sehr gut.»

