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Faszinierend vielklingendes Zwitschern

20. Jun 2007 09:36
'Ich sitze im Park und fächere mir Luft zu': Auch das könnte eine Twitter-Antwort sein
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Twitter macht vor allem eines: großen Spaß, findet Domenika Ahlrichs. Und man bekommt Lust darauf, sich mal wieder mehr um Fremdsprachen zu kümmern.

Ach, Ihr Nörgler und Quengler, seid doch still. Twitter ist klasse. Wo, wenn nicht hier, wird die Welt zum Globalen Dorf. Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir die großartigen technischen Möglichkeiten unserer Zeit nutzen, um am Leben der Anderen teilzuhaben, unmittelbar und über Grenzen hinweg.

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Die Privatsphäre sei in Gefahr, wenden Bedenkenträger ein. Da kann ich nur sagen: Wer hier mitmacht, weiß, dass Millionen User lesen können, was man schreibt, genauer: was man auf die Frage «Was tun Sie gerade» antwortet. Vollkommen banale Ereignisse («Ich esse gerade eine Melone, die meine Mutter geschnitten hat») werden so Teil einer spontanen Masseninszenierung, genau darum geht es bei Twitter. Und natürlich treibt die Lust an der Selbstdarstellung die ungezählten Botschaften hervor, na und?

Wenn «Cisc1970» in New York grünen Tee trinkt, während «Stevewoolf» in Los Angeles im Park sitzt und ich Zeugin dieses Gezwitschers (genial treffend: to twitter = zwitschern) werde, macht das vor allem anderen: großen Spaß. Ich klicke hier, ich klicke da, lasse mich leiten von interessanten Pseudonymen, sympathischen Fotos oder skurrilen Logos. Ich lande in den USA (zugegeben: sehr oft!), in Japan, Spanien, wo auch immer, zoome hinein in ein Leben, das mir vorher fremd war und es auch bleiben wird. Für einen Moment darf ich teilhaben. 140 Zeichen lang. Dann geht es weiter.

Nennt mich meinetwegen voyeuristisch – ich kann mich nicht satt lesen an dem, was an so vielen Orten gleichzeitig passiert oder Menschen bewegt. Was hier zählt, ist die flüchtig-gleichzeitige Gegenwart. Die liefert Twitter als ein buntes Mosaik aus vielen Momentaufnahmen. Jetzt, in diesem Augenblick, vermisst «Mickipedia» in Pittsburgh ihr Notebook, «Ijustine» in Los Angeles isst Pfannkuchen, «Lilyyu» hat gerade an irgendeinem Ort in China Mittagsschlaf gehalten.

Egal, was sie sonst noch tun, egal, wer sie sind, egal, was sie dazu treibt, sich hier mitzuteilen: hier sind sie auf 140 Zeichen reduziert. Und das macht den Reiz von Twitter aus. Kein Schwafeln, keine endlosen Selbstreflexionen, keine Kommentierungen der Kommentare, wie es sonst in den Chats, Foren und Blogs der Internet-Community so üblich wie ermüdend ist. Twitter verkürzt, beschleunigt, zwingt zur Konzentration.

Und last but not least: Ich habe begonnen, meine ziemlich brachliegenden Fremdsprachenkenntnisse wieder aufzufrischen. Wäre doch schade, wenn «Gagneeric» sein «Rico almuerzo» ganz allein essen müsste. Denn wie im echten Leben teilen sich die Bewohner der Twitter-Welt zumeist in ihrer Landessprache mit. Faszinierend vielklingendes Zwitschern. Oder, wie «Lilyyu» schreibt: «I am eating Ritter Sport chocolate made in Germany. Schmeckt sehr gut.»

 
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