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Twitter sprengen ist verboten, oder?

20. Jun 2007 09:20
Himmlische Ruhe, weit und breit kein Gezwitscher: Das hat Twitter nicht zu bieten
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Beliebig, plapprig und argumentfrei: Twitter & Co. haben mit einem zivilisierten Austausch unter Menschen nichts zu tun, findet Maik Söhler.

Neulich stellte die Bloggerin Kirsten eine Frage, mit der sie die Debatte, ob Twitter und seine deutschen Klone nun taugen oder nicht, auf den Punkt brachte: «Mal eine Frage an die Tierfreunde da draußen: Amseln sprengen ist verboten, oder?»

Mehr in der Netzeitung:
Der Hintergrund wird in den Blogkommentaren erläutert. Die Amsel zwitschert und krakeelt unaufhörlich, sobald die Sonne aufgeht. Kirsten aber möchte gerne länger als 4:30 Uhr schlafen. Bevor hier ein Tierschützer etwas missversteht: Nein, sie wird ihr Recht auf Schlaf nicht mit Sprengstoff durchsetzen. Sie ist einfach nur genervt vom Gezwitscher.

Auf Englisch heißt zwitschern «twitter». Und auch davon kann man aus guten Gründen genervt sein - ebenso wie von seinen hiesigen Varianten: Plappadu, Frazr und wie sie alle heißen. Sie gehen mir zwar morgens um halb fünf noch nicht auf die Nerven. Da ist der Computer zum Glück noch aus.

Mehr in der Netzeitung:
  • Plappern im Netz 20. Jun 2007 11:23
  • Faszinierend vielklingendes Zwitschern 20. Jun 2007 09:36
  • Ich kann Twitter durchaus Gutes abgewinnen. Kommunikation zwischen Menschen ist besser als keine Kommunikation. Online-Kontakte sind besser als keine Kontakte. Das Interesse am Tun anderer Menschen in aller Welt ist besser als persönliche, gruppenspezifische oder nationale Isolation. Das beste an Twitter ist aber, dass ich es nicht aufrufen muss. Dass all diese Dienste mich in Ruhe lassen, solange ich ihre Seiten nicht anklicke. Im Vergleich dazu hat es Kirsten mit der Amsel deutlich schwieriger getroffen.

    Kirstens Frage ist für dieses Thema nicht deshalb wichtig, weil sie humorvoll einen schweren Konflikt zwischen Mensch und Tier behandelt. Nein, sie stellt eine Frage. Sie möchte sich auszutauschen. Sie will gemeinsam mit anderen den richtigen Umgang mit der Amsel finden. Man diskutiert zusammen über ein Problem, hält Rede und Gegenrede, mal ernst, mal ironisch, mal persönlich, mal strukturell.

    Die Antworten sind dabei nicht wie bei Twitter & Co. auf 140 bis 160 Zeichen begrenzt - je nach Anbieter. Sie können die Länge annehmen, die reifliche Erwägungen, bissige Kommentare und moralphilosophische Abhandlungen nun einmal brauchen. Sie können auswabern oder kurz und knapp daherkommen, wenn lediglich Zustimmung oder Abneigung ausgedrückt werden sollen. Ganz egal, Hauptsache man bezieht sich aufeinander.

    Mehr im Internet:
    Das ist das eine, was herkömmliche Blogs von den Zwitscherern und Plapperern in den so genannten «Micro-Blogs» unterscheidet. Auch dort wird viel geredet bzw. geschreiben, aber aneinander vorbei. Typische Frazr-Einträge wie «gehe schlafen», «koche nudeln», «bild maaalen und zocken» stehen ja gar nicht für Kommunikation, sondern bloß nur für deren Simulation.

    Und selbst wenn es mal zum Austausch kommen sollte - jemand fragt zurück: «was für nudeln?» - ist dieser Austauch kein Dialog. Denn für eines ist darin kein Platz: für Argumente. Argumente aber sind es, die viele Blogs so stark machen. Sie erst erzeugen eine demokratische Diskussionskultur.

    Das muss nicht bedeuten, ein knackiges Argument könne nicht auf 150 Zeichen daherkommen. Der Satz etwa: «Twitter und seine Klone ersetzen gemeinsame Themen und gute Argumente durch Beliebigkeit und eine Simulation von Austausch und Kommunikation» hat genau 140 Zeichen. In einem Blog findet man solche Sätze öfter. Beit Twitter so gut wie nie.

     
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