Kleine «taz.de» mit Riesenbild
Zuerst einmal fällt einem der schwarze Rahmen auf, in den das Logo und ein kurzes Editorial integriert sind. Dass auch die rechts am Rand stehende große Online-Anzeige eines Computerherstellers in schwarz daherkommt, mag Zufall sein, gibt dem Ganzen dann aber doch den Charakter einer Traueranzeige. Oops, plötzlich rückt die Anzeige nach ganz oben. Sieht schon besser aus.
Auch andere Ressorts wurden umstrukturiert. «Ganz oben unter dem schwarzen taz.de-Riegel finden Sie nun die Navigation. Mit der Start-Seite und den Rubriken Politik, Zukunft, Debatte, Leben, Sport und Wahrheit», ist im Editorial zu lesen. Wie jetzt? Vorhin hieß es doch noch, Debatte laufe nun unter Große Fragen.
Egal, weiter, wir sind jetzt gerade beschleunigt. Entschleunigung kommt später. Ein großes Aufmacherbild aus den palästinensischen Gebieten, darunter - passend zu den jeweiligen Texten - mehrere kleine Bilder. Das große Bild wunderbar groß, sehr schön, dass das mal jemand macht. Die kleinen aber viel zu klein. Ist das ein chinesisches Mensafoto neben dem Artikel über Yahoo? Nein, wenn man draufklickt, erkennt man, dass es Compter-Nutzer sind.
Neu ist die Voting-Funktion in der Mitte der Seite. Heute wird gefragt: «Soll die Uno eine Friedenstruppe in den Gazastreifen entsenden?» - «Ja» - «Nein» - «Abstimmen». So leicht kann Politik sein. Dabei hat sich Kommentatorin Susanne Knaul, von der auch ein kleines Foto gezeigt wird, weiter oben so viel Mühe gegeben, beim derzeitigen innerpalästinensischen Konflikt zu differenzieren.
Nun entschleunigen wir mal wieder und freuen uns, dass Toms Cartoons so weit oben auf der Seite zu finden sind, dass die Wahrheit immer noch ein eigenes Ressort ist und nicht auf die Rennstrecke geschickt wurde und dass die überwiegend unterhaltsamen «taz»-Blogs den Relaunch unbeschadet überstanden haben.
Vor gut zwölf Jahren ging die «taz» als erste überregionale Tageszeitung Deutschland ins Netz. Das war ein Coup. Damit kann der Relaunch von heute nicht mithalten. Sehen lassen kann er sich aber allemal.
