netzeitung.deEin Spammer packt aus

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Die Programmischung im Internet-TV ist oft noch eigenwillig (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Programmischung im Internet-TV ist oft noch eigenwillig
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

350.000 Dollar Jahresverdienst durch Werbemails. Außerdem: Das Internetfernsehen der Zukunft ist noch ein Zwerg. Interessantes und Nebensächliches aus einer Woche im Internet.

Mit den Worten «Ich wollte kein asoziales Element mehr sein» begründet er seinen Ausstieg aus dem Spammer-Geschäft und plaudert nun aus dem Postausgang: Die «Future Zone» von ORF.at hat den ehemaligen «Spammer X» interviewt, der in seiner aktiven Zeit nach eigenen Angaben «mit unerwünschten Werbemails bis zu 350.000 Dollar pro Jahr» verdiente.

Mit 17 Jahren fing er an, im großen Stil unerwünschte Werbemails zu verschicken. 70 Prozent seiner Zeit seien dafür draufgegangen, herauszufinden «wie die diversen Spam-Filter zu überlisten sind, technologisch immer einen Schritt voraus sein.» Den Rest seines im Durchschnitt 14 Stunden dauernden Arbeitstages verbrachte er mit dem Spammen selbst.

Das Absurdeste, was er je gemacht habe, sei der Mailversand eines Newsletters für «Balloon popping Fetish, das sind Aufnahmen von bekleideten Frauen, die auf Ballons sitzen, die dann zum Platzen gebracht werden.» Besonders erfolgreich sei das nicht gewesen, im Gegensatz zum Spam mit Medikamentenangeboten: «In den USA sind geschätzte neun Millionen Menschen medikamentensüchtig. Das erste Rezept holen sie sich noch beim Arzt, ab dann bestellen sie online.»

Ein soziales Gewissen spricht er seinen Spammerkollegen ab. Der Ausstieg aus der Szene sei wie ein Entzug gewesen: «Ich kannte ja fast nur Leute aus dem Spam-Universum, alle meine Freunde waren auch Spammer.» Nun hält er einen Vortrag im Rahmen des EU-Spam-Symposions am Technikum Wien.

Mobile Film Festival

Die Entscheidungen sind gefallen, die Preisträger des Mobile Film Festivals wurden am 24. Mai in der Berliner Volksbühne geehrt. Zur Wahl standen 51 Kurzfilme, die teilweise mit Handy- oder Computerkameras aufgenommen wurden.

Über die Auszeichnungen in den Kategorien bester Film, beste Regie und originellste Idee entschied eine Jury. Internetzuschauer konnten per SMS den Publikumspreis vergeben. Bester Film wurde Antje Brameyers «First Dice Vid» über die Kunst, vier Würfel mittels eines Bechers zu stapeln. Jörg Fritzsche räumte mit dem Video «Rauchen kann tödlich sein» gleich zwei Auszeichnungen ab: den Preis für die beste Regie und den Publikumspreis.

Alle Filme lassen sich auf der Internetseite des Mobile Film Festivals ansehen. Sie können auch versandt und in Blogs eingebaut werden.

Joost
Das Video- und Fernsehportal Joost, im Oktober 2006 als «The Venice Project» gegründet, ist schon länger online. So richtig bekannt ist es noch nicht, unbekannt aber auch nicht mehr. Wenn es mal groß ist, will es das Internetfernsehen der Zukunft werden. Irgendwann soll man hier alles zu sehen bekommen, was private und öffentliche Sender so bieten, vermutlich ergänzt von tausenden kommerziellen Videoclips.

Noch aber ist Joost - um im Bild zu bleiben - ein Kleinkind. Die Software, die ähnlich wie das amerikanische Bittorrent auf der P2P-Übertragungstechnologie basiert, läuft derzeit nur im Testbetrieb, Beta-Status genannt. Im Gegensatz zu Bittorrent, wo Medieninhalte kostenplichtig heruntergeladen werden müssen, kostet Joost nichts außer Zeit, Geduld und Nerven.

Zwischen 125 Kanälen kann man derzeit auf Joost wählen. Sie sind unterteilt in die Sparten «Cartoons & Animation», «Comedy», «Documentary», «Entertainment», «Lifestyle», «Music», «Music Entertainment» sowie «Sport & Games». Egal welchen Kanal oder welche Sparte man auch wählt, anfällig für technische Störungen und enorme Verzögerungen in der Übertragung sind sie alle.

Die Programmmischung ist eigenwillig. Offensichtlich mangels ausreichender Kooperationspartner stehen interessante und völlig grottige Kanäle wahllos nebeneinander. In der Sparte «Sport & Games» etwa finden sich vom Energy-Drink-Hersteller «Red Bull» produzierte Videos neben dem einfach nur fantastischen italienischen Soccer-Channel. Dieser zeigt zum Beispile eine mehrteilige Reihe namens «Goal Parade». Dabei handelt es sich um einen Zusammenschnitt der schönsten Tore, derer die Fernseharchive des italienischen Fernsehens habhaft werden konnten.

Joost ist ein Projekt von Janus Friis und Niklas Zenström, die schon mit Kazaa- und Skype sehr erfolgreich waren. Mit dem Medienkonzern Viacom wurde in diesem Jahr ein prominenter Partner gefunden, der auch ein paar Inhalte zur Verfügung stellt.

Mit Streamcast Networks, dem Unternehmen hinter der P2P-Software Morpheus, hat sich in dieser Woche auch der erste mächtige Gegner eingestellt. Vor einem Gericht in Los Angeles hat Streamcast gegen Joost und andere Klage wegen eines angeblich unrechtmäßigen Einsatzes der P2P-Technik Fasttrack eingereicht.

Vom Internetfernsehen im großen Stil ist Joost im Moment so weit entfernt wie vom Untergang, der in manchen Blogs bereits herbei geschrieben wird. Wer sich das Portal einmal anschauen will, braucht eine Einladung aus der Nutzer-Community. Sie ist leicht zu bekommen: Bitten Sie einfach einen Joost-Benutzer, sie dort einzuführen oder schauen Sie sich mal in diversen Blogs um. Dort werden häufig Einladungen angeboten.

mymuesli

Gestartet Anfang Mai hat der deutsche Müsli-Online-Anbieter mymuesli mit Firmensitz in Passau schon einiges an Höhen und Tiefen erreicht. Müsli-Fans können auf der Startseite ihr Wunschmüsli aus so gut wie allen möglichen Zutaten selbst zusammenstellen und anfordern. mymuesli mischt die Bestellung dann zusammen und schickt sie dem Kunden nach Hause.

Wem die angegebenen Zutaten nicht ausreichen, der kann einfach neue Zutaten vorschlagen. Stimmt die Nachfrage, werden sie in den entsprechenden Katalog aufgenommen und stehen bei weiteren Bestellungen zur Verfügung. Theoretisch können Sie also wirklich «eines von 566 Billiarden Müslis» bekommen, mit denen mymuesli - leicht ironisch - wirbt.

Nur: Die Nachfrage war zuletzt so groß, dass das kleine Unternehmen derzeit nicht liefern kann. «Nicht etwa die Zutaten sind ausgegangen, sondern die mymuesli-Dosen», heißt es zur Erklärung im Müsli Blog. Neue Dosen sollen am 26. Mai eintreffen. Auch an einer neuen Umverpackung wird noch gebastelt. Bestellungen sind aber weiterhin möglich.


Für das Web ediert von Maik Söhler