27.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
30 Jahre Star Wars! Wir gratulieren! Aber nicht für die offiziellen Internetauftritte. Maik Söhler hat sich gute und schlechte Star Wars-Seiten mal genauer angesehen. Bilderschau: Die Macht ist mit uns
Pünktlich zum 30. Geburtstag ist der Relaunch der offiziellen Star Wars-Seite da. Das muss nicht verwundern, Zeit genug für die Vorbereitung war ja vorhanden und an Geld soll es dem Schöpfer der Filmserie, George Lucas, und seiner Firma Lucasfilm auch nicht mangeln. Das US-Magazin
Forbes schätzte vor zwei Jahren die Gesamteinnahmen aus den Filmen und dem Merchandising auf rund 3,6 Milliarden Dollar. Seither wird es sicher nicht weniger geworden sein.
Zum Teil liegt das daran, dass Lucas «niemals gezögert hat, sein intellektuelles Eigentum zu schützen», wie das
Wall Street Journal am 24. Mai betonte. Die Anwälte von Lucasfilm waren in der Vergangenheit immer wieder sehr klagefreudig, wenn es um Verletzungen des Copyrights ging.
«Make Your Own Star Wars Movie»Umso erstaunlicher ist es, nach dem Relaunch auf der offiziellen Star Wars-Seite einen Button namens «Make Your Own Star Wars Movie» zu entdecken. Schon länger kursieren neu abgemischte und verfremdete Szenen aus den Filmen im Netz. Gegen einige gingen die Hausjuristen vor - mal erfolgreich, mal nicht. Doch die Masse an Spots und ihre rasche Verbreitung auf immer mehr Seiten, die von Servern aus immer mehr Ländern betrieben werden, muss Lucasfilms zur Einsicht gebracht haben, dass hier nicht mehr viel zu machen ist.
Nun also hat das Unternehmen seine Strategie gewechselt und ermuntert die User sogar, sich an dem Material aus allen sechs Kinostreifen zu versuchen. Es kann umgeschnitten oder, wie es auf Starwars.com heißt, «remixt» werden. So entstehen neue Filmsequenzen. Lucasfilm gibt dafür ein Reservoir aus 200 Videoclips frei. Mit ihnen ist alles erlaubt - na ja, alles, was das bereitgestellte Remix-Programm hergibt. Die Ergebnisse werden auf der offiziellen Website veröffentlicht, etwa 250 in diesen Tagen, die anderen sollen später folgen.
Willkommen im MitmachnetzChats, Foren, Blogs und Umfragen gibt es im Star Wars-Online-Universum schon länger. Aber erst mit dem Remix-Angebot ist die Seite so richtig im Mitmachnetz angekommen. Zwei Millionen Einzelbesucher pro Monat nutzten Starwars.com, meint Lucasfilm-Manager Jeffrey Ulin im
Wall Street Journal. Nun erwartet er, der neue Inhalt werde «die Zugriffszahlen signifikant hochtreiben.»
Es ist ein Mitmachnetz, in dem der Konzern samt seiner Partner Viacom und SonyBMG, die Trailer und Musik für die Filmremixe anbieten, klare und kommerzielle Regeln vorgibt. Das ist besser als nichts, doch ob dieses Vorgehen erfolgreich sein wird, darf bezweifelt werden. Zum Relaunch von Starwars.com gehört auch das in dieser Woche online gegangene «Celebration IV»-Geburtstagsblog. Schließt man von der Anzahl der Leserkommentare auf die Besucheranzahl, dann muss man von einem Flop sprechen.
Deutsche Star Wars-SeitenDie offizielle deutsche Star Wars-Seite ist ein bloßes Anhängsel der englischsprachigen ohne nennenswerte Relevanz. Interessanter und auch besser besucht ist StarWars-Union.de. Hier gibt es von den Filmen über Spiele, Literatur und einem Lexikon bis hin zu News einfach alles für Fans. In den Foren wird genauso leidenschaftlich über den Charakter der Droiden dikutiert wie über den richtigen Einsatz eines Lichtschwertes.
Ähnlich, mal mit mehr und mal mit weniger Auswahl und Diskussionsbeiträgen, funktionieren die Portale Starwars-Legends.de und Projekt Star Wars. Es gibt noch hunderte ähnlicher Seiten, die allesamt versuchen, vom Hype um den galaktischen Kampf zwischen Gut und Böse etwas abzubekommen. Die meisten davon langweilen. Offizielle wie inoffizielle Fanclubs konkurrieren um Aufmerksamkeit, Computerspiel-Anbieter auch. Selbst Lego hat eine eigene «Krieg der Serne»-Webpage erstellt. Merchandising, wohin man auch klickt.
Wenn es um Informationen geht, sollte man für den deutschsprachigen Raum auf jeden Fall das Star Wars-Wiki Jedipedia erwähnen. Hier werden über 4000 Textbeiträge zum Thema angeboten, ergänzt von zahlreichen Bildern und Links. Wer sich nach einem Besuch der Jedipedia noch nicht ausreichend informiert fühlt, ist selber schuld und muss wohl Luke Skywalker oder Chewbacca anrufen.
Dies- und jenseits von LucasfilmsDas alles ist gut und schön. Raumschiffspezialisten dürften auf diesen Seiten genauso zu ihrem Recht kommen wie Anhänger der dunklen Seite der Macht oder Jugendliche, die einfach nur Poster oder Bettwäsche mit Jedi-Ritter-Motiven bestellen wollen. So richtig interessant wird es aber erst am Rande und außerhalb des Lukas-Universums.
Sei es das mit dem offiziellen Star Wars-Imperium locker verbundene «Vader-Project», in dem 66 Künstler Darth Vaders berühmten Helm individuell umgestalten. Oder seien es hunderte, der Filmserie entnommene und umgeschnittene Kurzvideos auf Youtube. In ihnen werden Softpornosequenzen in Ausschnitte eingebaut, die fast jeder kennt. Hier sieht man den Yedi-Meister Yoda rappen, dort bestraft Darth Vader einen Untergebenen, weil dieser in einer Todesstern-Einsatzbesprechung sein Handy nicht abgestellt hat. Es ist ein Spot, der am Ende dafür wirbt, im Kino die Mobilfunkgeräte auszuschalten.
Viele dieser Beiträge werden in Deutschland auf dem Blog der Fünf Filmfreunde verlinkt. Von großer Komik ist auch das Quiz «Web 2.0 or Star Wars Character?» der US-Firma Cerado, wo man Namen wie «panaka», «riya» oder «dooku» wahlweise einem Startup-Unternehmen oder dem Star Wars-Figurenpool zuordnen muss.
All das ist durch die Reihe wunderbar despektierlich. Man kann herzlich über die lange Zeit viel zu ernst genommene moderne Fantasy-Welt eines George Lukas lachen. Damit ist Star Wars endlich entmythologisiert und in der Realität angekommen. Zeit dafür wurde es ja mal - nach 30 Jahren.