Digg verliert Kampf um Zensur
03.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Nachdem ein Beitrag auf der Nachrichten-Webseite Digg.com gelöscht wurde, protestierten verärgerte Nutzer, indem sie den entsprechenden Link immer wieder einstellten.
Die Internet- Nachrichtenplattform Digg.com hat auf heftige Kritik von Nutzern reagiert und angekündigt, nicht weiter zensieren zu wollen. Digg-Gründer Kevin Rose sagte, das Start-up- Unternehmen werde sich den Konsequenzen stellen.
Digg.com hatte einen Link entfernt, der zu einem Artikel über das Knacken von DVDs mit hochauflösenden Filmen führte. Doch die Leser reagierten prompt: Wenig später war der Link wieder da - begleitet von hunderten anderen Verweisen zu dem Thema.
Schlüssel-EintragEs ging in dem Ursprungs-Eintrag um einem Schlüssel, um HD-DVDs mit nicht vom AACS-Konsortium lizenzierter Software wiederzugeben. Faktisch wird dabei also der Kopierschutz umgangen, dies ist jedoch nicht zwangsläufig mit dem Erstellen illegaler Kopien verbunden, sondern auch nötig, um beispielsweise HD-DVDs unter Linux anzusehen, da es für dieses Betriebssystem keine lizenzierte Abspiel-Software gibt. Ähnlich sah es schon vor Jahren mit DVDs und dem DeCSS-Code aus.
Auf Digg kann jeder Nachrichten einstellen, andere Nutzer bewerten diese, um sie so auf die Digg-Homepage zu bringen. Der erste Eintrag zum Umgehen des Kopierschutzes wurde von den Digg-Moderatoren gelöscht - was dazu führte, dass Nutzer entsprechende Links immer wieder einstellten. Man sei vom AACS-Konsortium auf einen Urheberrechtsverstoß hingewiesen worden und werde entsprechende Nachrichten daher nicht akzeptieren, hieß es daraufhin von den Digg-Machern, verbunden mit der Bitte um Verständnis.
Kämpfend sterben sehenDoch die Nutzer gaben eben nicht auf - und Digg musste einlenken. Digg behält sich zwar vor, bestimmte Einträge - beispielsweise Verweise auf pornografische und illegale Inhalte - zu löschen, in dem aktuellen Fall werde man aber keine Nachrichten mehr entfernen, schrieb Digg-Gründer Kevin Rose daraufhin. Die Nutzer wollten den Dienst wohl lieber kämpfend sterben sehen, als unter dem Druck einer größeren Firma klein beizugeben und daher Zensur zu akzeptieren, so Rose.
Dies könnte nun freilich tatsächlich zu einer Klage durch das AACS-Konsortium führen, dieses forderte schließlich auch schon Google auf, entsprechende Links zu entfernen. Digg will sich nun den möglichen Konsequenzen stellen. Zumindest sei man dann beim Versuch gestorben, sollte es schief gehen, so Rose. (golem.de)