netzeitung.deWenn Frauen bloggen (II)

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Die Kaltmamsell (Foto: Frau Gaga<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Kaltmamsell
Foto: Frau Gaga
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Viele Bloggerinnen erzählen gerne aus ihrem Leben, aber nicht alle. Zweiter Teil des Artikels von Kathrin Klette .

Von «Lyssas Lounge» geht's weiter zu einer meiner Lieblingsseiten, dem Medien-Weblog «Franziskript», das von der Düsseldorfer Journalistin Franziska Bluhm geschrieben wird. Nur selten erzählt die 29-Jährige Privates; bekannter ist sie für ihre TV-Filmvorschau – ein ausgewählter und kommentierter Fernseh-Planer für die kommende Woche – , sowie für ihre Film-Tipps.

Ebenso kurios wie ihre Zeitschriftentests («Astroblick», «Pralle Titten» und «PM Kreativ Trainer») ist ihr neuestes Format, die Video-Serie «Franzis Früchte». Es handelt sich um wackelige Home-Videos, in denen Bluhm mit sympathischem Lispeln exotische Früchte testet – eigentlich nutzloses Halbwissen, das ich trotzdem gerne mitnehme. Bluhm, die seit Dezember 2006 bei der Online-Ausgabe der Rheinischen Post als Chefin vom Dienst arbeitet, postet oft nur ein oder zwei Sätze – den Hinweis auf eine Website oder ein Zitat, das sie aus den Medien aufgreift. Kurze Notizen, die mir meist gut gefallen.

Für ihre regelmäßigen Einträge liebe ich auch die «Vorspeisenplatte». Nahezu jeden Tag gibt es auf den beiden Seiten etwas Neues zu lesen. Die Autorin der «Vorspeisenplatte», die 39-jährige «Kaltmamsell», warnt auf ihrer Homepage: «Die Geschichten und Personen auf der Vorspeisenplatte sind nicht real. Sie sind meist stark inspiriert von der Wirklichkeit - aber selbst darauf sollte sich niemand verlassen.» Wie real die Geschichten letztendlich sein mögen, ist mir egal: Für mich erscheinen sie sehr wirklich – und genau deswegen zieht es mich immer wieder auf ihre Seite.

Die «Vorspeisenplatte» ist ein Schnipsel-Blog, ein Sammelsurium im Internet: Die Münchner Autorin schreibt über Filme und Bücher, erzählt kurze Geschichten aus dem Alltag, listet Fundstücke aus dem Internet auf und postet Fotos von sich und ihrer Familie aus den 70er Jahren. Ich mag solche Blogs, die den Leser am eigenen Leben teilhaben lassen.

Unbedingt lesenswert
Nur die Lästerei geht mir bei der «Kaltmamsell» ab und an auf die Nerven: Ob sie ausgiebig über ihre Abneigung gegen Flip-Flops schreibt oder sich zur Kinderhasserin erklärt: Ihre bisweilen arg zynischen Stücke schrecken mich manchmal ab.

Wenn es mir mit dem Hass auf Kinder zu viel geworden ist, klicke ich weiter zu Moni, die in Berlin lebt und das Weblog «Gedankenträger» schreibt. Unbedingt lesenswert sind ihre Geschichten über den Alltag mit ihrem sechsjährigen Sohn John, der autistisch ist und an Epilepsie leidet. Auch «Gedankenträger» ist ein Schnipsel-Blog: Die 35-jährige Moni postet Fotos aus Berlin, Links zu Artikeln aus der US-Presse, und einzelne Sätze und Geschichten über Gelesenes, Alltägliches, Merkwürdiges.

Moni, eine freiberufliche Übersetzerin und Redakteurin, gibt ebenfalls viel von ihrem Alltag preis: Ich sehe mir ihre Urlaubsfotos von Usedom an, lese ihren bewegenden Eintrag zu Johns sechstem Geburtstag und verfolge mit, wie schwer es ist, für ihn eine geeignete Schule zu finden. Würde ich sie irgendwann treffen, würde mir vielleicht ein Satz herausrutschen wie: «Ach ja, ihr wart ja mal auf Usedom.» Das ist das Eigentümliche gerade an manchen Blogs von Frauen: Man liest eine Weile mit und hat dann ein merkwürdig vertrautes Gefühl. Nach manchen Fotos zu schließen, kommen Moni und ich vermutlich sogar aus derselben Gegend, aber das ist eine andere Geschichte.

Kathrin Klette (28) ist freie Journalistin in Berlin. Sie schreibt das Weblog kathrinscorner.