19.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Zynische "Parodie" auf Blacksburg.
Foto: Screenshot/nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bluttriefende Vampire und Shooter-Geräusche: Ein makabres Video auf Youtube inszeniert den Amoklauf von Blacksburg als Computerspiel.
Die Stimme in dem Video ist dunkel und tief. In markiger Tonlage fordert sie zum Kampf auf: «Prepare to fight!» Man sieht Polizisten, die in ein Universitätsgebäude stürmen. Sekunden darauf knallen trockene Schüsse. Die Stimme verkündet anerkennend: «First one!», kurz darauf: «Head Shot!» Und schließlich: «M-m-m-m-m-m-Monsterkill!»
Die Bilder sind echt, die Schüsse auch. Der Student Jamals Albargouti hat sie mit seiner Handykamera aufgenommen, als er Polizisten sah, die auf dem Campus der Universität von Blacksburg ihre Waffen zogen. Das verwackelte Filmchen geht mittlerweile um die Welt: nicht nur in Nachrichtensendungen, auch auf der Viodeoplattform Youtube findet es Millionen Zuschauer. Einige aber verarbeiten die Aufnahmen zu makaberen Spielevideos.
Die Kommentare auf besagtem Video sind Computerspielern wohl bekannt: Sie stammen aus dem Shooter «Quake III Arena». Dort ertönen sie, wenn man einen guten Treffer platziert hat. Aussprüche wie «Monster-Kill» oder «Prepare to fight» gehören als Insider-Sprüche mit hohem Wiedererkennungswert in der Spielergemeinde zur Folklore. Dass sie aus ihrem virtuellen Spiele-Kontext nun über echte Bilder gelegt werden, erfüllt viele Beobachter mit Abscheu. Erste Medienberichte kritisieren das Video als abgründige «Geschmacklosigkeit».
Nicht alle Reaktionen, die man auf Youtube zur Bluttat von Blacksburg findet, sind derart makaber. Videoblogger halten Traueransprachen, die Pressekonferenz mit Uni-Präsident Charles Steger ist ebenso zu sehen wie Kondolenzen aus aller Welt. Wenn man aber «Blacksburg Shooting» eingibt, erscheint an erster Stelle das zynische Computer-Spiel-Video. Offenbar ist es deutschen Ursprungs: Am Anfang erscheint das Bild einer bluttriefenden Nosferatu-Figur mit dem Text «Beckstein - Beckstein - alles muss versteckt sein». Trotz vieler empörter Reaktionen ist das Video auf Youtube noch zu sehen. Die Nutzer haben es bereits bewertet. «Blacksburg Parody» erhält von der Youtube-Gemeinde fünf Punkte: die Höchstzahl. (nz)