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SMS-Wand auf der Konferenz (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe SMS-Wand auf der Konferenz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auf der Blogger-Konferenz Re:publica werden Netz-Identität und unbedachter Daten-Striptease kontrovers diskutiert. Anika Kehrer protokollierte, was es im Web 2.0 zu beachten gilt.

Was «Web 2.0» ist, sollte inzwischen jeder wissen. Aber wie man damit umgeht, ist möglicherweise für viele Menschen ein Problem, das ihnen noch nicht einmal bewusst ist: Beim Surfen, Bloggen und Chatten entstehen Datenspuren, die nicht nur für Unternehmen interessant sind. Verschiedene Veranstaltungen auf der derzeit in Berlin stattfindenden Blogger-Konferenz Re:publica, die sich dem «Leben im Netz» verschrieben hat, widmeten sich gleich am ersten Tag der Frage nach der Identität im Netz, dem Datenschutz und der Anonymität.

Nicole Simon, Spezialistin für Soziale Medien, will das Netz nicht missen, man müsse allerdings vorsichtig sein, was man dort so von sich gibt: Über Google und das Webseitenarchiv Archive.org kann jede Äußerung solange gefunden werden, wie Google und Archive.org bestehen. Wie man im Internet auftritt, wird selbst in beruflichen Netzwerken vielfach nicht reflektiert: Silke Schippmann leitet als Senior Manager beim Business-Netzwerk Xing den Bereich Community Management. Schippmann hat beobachtet, dass Teilnehmer in Xing-Foren sich mit ihrem Verhalten selbst schaden, weil es negativ auf sie oder ihre Firma zurückfällt. Schippmann meint, dass diese Leute sich dessen gar nicht bewusst seien.

Zuviel Offenheit in Foren, die zuviel über den Sprecher offenbart, sei «falsch verstandene Meinungsfreiheit». Schippmann hält diesen Aspekt der Medienkompetenz bei vielen Angestellten, die für ihre Firma netzwerken sollen, schlicht für untrainiert. «Es ist nicht nur öffentliches Plakateaufhängen», fasst Schippmann zusammen, «sondern das Plakat hängt ein Leben lang».

Die «zerstückelte Identität» zusammenführen
Über die Bausteine der 'Identität im Netz' referierten auch Dr. Stephan Baumann, Leiter des Kompetenzzentrums Computational Culture am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, und Ralf Bendrath, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich «Staatlichkeit im Wandel» an der Universität Bremen. Hier trafen verschiedene Einstellungen aufeinander: der Politologe Bendrath warnte, der Informatiker Baumann schwärmte.

Baumann stellte die «Attention Profiling Markup Language» vor. Damit kann man die eigene Aufmerksamkeitsverteilung am Computer verfolgen, indem die Zeit gemessen wird, die man mit den jeweils geöffneten Anwendungen verbringt. Aber auch Technologien zum Verwalten virtueller Identitäten stoßen bei Baumann auf Begeisterung: OpenID zum Beispiel helfe dabei, die «zerstückelte Identität» zusammenzuführen, die sich aus den verschiedenen angelegten Online-Profilen ergibt.

Selbstgemachte Vorratsdatenspeicherung
Allerdings, schränkt dann auch Baumann ein, entwickelt sich die Technologie schneller als das Problembewusstsein der Nutzer. Ein System wie OpenID habe sich aus der Bloggerszene heraus entwickelt. Dabei fungiert ein OpenID-Provider als Zertifizierungsstelle: Wenn man eine Seite besucht und zum Beispiel ein Kommentar schreibt, bestätigt der Provider die Identität des Schreibers.

Allerdings werden im OpenID System alle Seiten, die man aufruft, fein übersichtlich aufgezeichnet. Dass diese persönliche Surfhistorie, der sogenannte Click-Stream, auch abgehorcht oder weiterverkauft werden kann, diese Debatte sei noch nicht geführt worden. Bendrath amüsierte sich denn auch: Das sei «selbstgemachte Vorratsdatenspeicherung».

Flut an Informationen
Die Flut an persönlichen Informationen im «sozialen Netz» ist lange schon für die Werbung interessant, und zunehmend auch für die Strafverfolgung. Zum Herbst 2008 soll eine EU-Richtlinie in kraft treten, die anonyme Webmail-Accounts verbietet. Die deutsche Regierung plane, zum Jahr 2008 elektronische Pässe auszugeben, mit denen man sich online ausweisen kann, sagt Bendrath. Das passt zusammen: Man muss sich dann womöglich erst ausweisen, ehe man einen Webmail-Account eröffnet.

Bendrath verdeutlichte: Auch wenn es erst einmal bequemer scheint, mit dem elektronischen Pass einige Behördengänge online erledigen zu können, bilde sich hier eine Infrastruktur zur staatlichen Datensammlung heraus.

Lesen Sie hier den zweiten Teil.