Internet:
Adel chattet - der exklusivste Ort im Netz
31. Mrz 2007 14:34
 |  Aktives Mitglied: Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe | Foto: dpa |
|
Im Internet sind alle gleich? Von wegen! Das Forum «ASmallWorld» gilt als einer der exklusivsten Orte im Netz. Unsere Reporterin
Sabine Pamperrien hat sich Zutritt verschafft.
Dieses Forum, oder sagen wir besser, dieses Online-Separée, macht es einem nicht leicht. Mal eben registrieren und dann lossurfen ist nicht: «AsmallWorld ist eine private Online-Community, die für all jene entworfen wurde, die untereinander bereits starke Verbindungen haben. Wir ermöglichen unseren Mitgliedern, effektiver mit Gleichgesinnten, die Freundeskreise, Interessen und Terminpläne teilen, in Verbindung zu treten.» Soweit, so gut. Doch die Aufnahme ist nicht für jeden: «Um das Netzwerk exklusiv zu halten, haben wir sichere Prüfsteine geschaffen. Zur Aufnahme benötigen Sie die Einladung eines vertrauenswürdigen Mitglieds. Wenn Sie keine Einladung erhalten haben, können Sie Ihre Freunde darum bitten. Wenn Sie keine Freunde haben, die Mitglieder sind, seien Sie bitte geduldig.»
Hochadel trifft Jet-Set
Zum Glück hatte ich Freunde. Die Richtigen. Sie gewährten mir Zutritt zum exklusiven Portal. Gegründet wurde es 2003 von Eric Wachtmeister, dem polyglotten Sohn eines ehemaligen schwedischen Botschafters in den USA. Seine Frau Louise ist inzwischen für das Marketing zuständig. Den Stamm der Mitglieder bildete das private Netzwerk des gelernten Bankers. Als Investoren gewann er einige Freunde wie der Produzent Renny Harlin aus Los Angeles, Rolf Sachs, Rob Herzov in London und Alex von Fürstenberg in New York. Voraussetzung: Sie mussten ihre 100 besten Freunde einladen. Innerhalb kürzester Zeit entstand so ein virtueller Club, der den internationalen Jet Set mit dem europäischen Hochadel vereinte.
Inzwischen sind AOL-Chef Bob Pittman und Hollywood-Mogul Harvey Weinstein hinzu gekommen. Kunden sind unter anderem Moet&Chandon, de Grisogono, DVF, Level Vodka von Absolut, Jaguar und Mont Blanc. Wachtmeister mag über Geschäftsdaten keine Auskunft geben. Imerhin soviel: Man zählt inzwischen 30 Angestellte und etwa 160.000 Mitglieder. Tendenz steigend. Zum Vergleich: MySpace hat 160 Millionen Mitglieder und akquiriert wöchentlich 50.000 neue. Und das Anfang 2006 gegründete StudiVZ hatte innerhalb eines Jahres über eine Million Mitglieder. ASmallWorld, kurz ASW, ist also wirklich exklusiv. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 32 Jahren. Die meisten arbeiten in Führungspositionen oder befinden sich wenigstens auf dem Weg dahin. Alle haben bemerkenswert internationale Verbindungen. Die fleißigsten Networker nach den Briten sind die Deutschen - noch vor den US-Amerikanern. In ganz Frankreich dagegen gibt es nur soviel Mitglieder wie in Berlin, knapp 9000. Zudem ist ASW in den arabischen Staaten und Israel stark vertreten.
Gerüchteweise geht es beim Chatten im Forum um solche Themen:
– Wie man seine Polo-Ponys am schnellsten von Rio nach Dubai bekommt.
– Wo man Diamanten in Mopsform für den geliebten Vierbeiner kaufen kann.
– Wer abends im Privatjet von London nach Madeira jettet (um am dortigen Meergestade mit einem Maskenball dem verstorbenen Goldfisch von Naomi Campbell die letzte Ehre zu erweisen).
Ein virtueller Hofstaat
Mitglieder sollen die Blairs, die Clintons, Paris Hilton, Brad Pitt und andere Celebrities dieser Chargen sein. Die Genannten suchte ich in der Mitgliederliste jedoch vergeblich. Ob sie jemals Mitglieder waren, will Wachtmeister nicht verraten. Aber warum auch: die Namen der aktuellen Mitglieder sprechen für sich. Diverse Sayn-Wittgensteins, Bayerns und Plettenbergs. Man lässt die Adelsprädikate weg, weiß ja, mit wem man es zu tun hat: auch Freddie und Ella Windsor aus dem britischen Königshaus sind dabei, Andrea Casiraghi aus Monaco, arabische Scheichs und russische Multimillionäre. Dazu gesellen sich Schauspieler Wayne Carpendale, Moderator Max von Thun, Laura Stoiber, Regisseur Oliver Berben und Verleger Florian Langenscheidt. Klatsch-Reporter findet man dagegen nicht.
Einer der fleißigsten Networker ist Alexander zu Schaumburg-Lippe. Fast 900 Freunde zählt Jette Joops blaublütiger Ex in diesem Netzwerk. Als Berufsbezeichnung gibt der gelernte Jurist «Chairman of the bored» an. Gloria von Thurn und Taxis bezeichnet sich lieber als «unemployable» und nennt als Arbeitgeber das «Beerdigungsinstitut Happy Days». Dem unterforderten Fürsten scheint ASW allerdings zu klein zu sein. Er unterhält eine Dependance auf MySpace. Seine «Music and Arts Page» dort hat 465 Freunde.
Der Geschmack von Menschenfleisch: Hier geht's zum zweiten Teil