26. Feb 2007 17:21
Blondinen mit blankem Busen im Straßenverkehr: Ein Internetvideo soll dänische Temposünder stoppen. Doch nun fürchten Politiker um den Ruf Dänemarks.
Mit einer unkonventionellen Maßnahme versucht der «Rat für größere Verkehrssicherheit» dänische Temposünder zu stoppen. An verkehrsgünstigen Stellen platzierte Blondinen hielten Tempo-50-Schilder in die Höhe. Der Witz dabei: Die Damen trugen nichts als Schuhe und Höschen. Was als Kampagne für junge Verkehrsteilnehmer geplant war, erregt jetzt internationale Proteste. Verbreitung findet die Kampagne auf einer Internetseite. Auf www.speedbandits.dk behauptet ein Videoclip im Stile einer amerikanischen Nachrichtensendung, es handele sich bei den spärlich bekleideten «Speedbandits» um eine Bewegung von freiwilligen Verkehrslotsen. Ein Nachrichtensprecher beschreibt die blonden Aktivistinnen so: «Ein enthusiastisches Dream-Team junger und furchtloser Frauen, die alles tun, um das Geschwindigkeitslimit durchzusetzen.»
Im Hintergrund schüttelt eine nackte Frau mit Verkehrsschild ihre Oberweite. «Tief in unserem Innern, fühlen wir, dass wir hier eine wichtige Arbeit tun», wird eine angebliche Bikini-Banditin zitiert. Im weiteren Verlauf des minutenkurzen Clips kommt allerdings der Verkehr der dänischen Hauptstadt vollständig zum Erliegen.Wie sich der Internetfilm tatsächlich auf den dänischen Verkehr auswirkte, ist nicht bekannt. Im Netz immerhin führt er zu erhöhtem Traffic: Berichten zufolge wurde die Seite mit dem «Busenbeitrag» bereits mehr als 7,5 Millionen Mal geklickt. Die freizügige Darstellung beruft sich selbst auf liberale dänische Traditionen - etwa den liberalen Umgang mit Pornographie oder die durch Bierkonsum geprägte Nationalkultur.
Presseberichten zufolge erregt die Internetseite starke Kritik. «Ein internationaler Skandal», kritisiert demnach die rechtspolitische Sprecherin der dänischen Sozialdemokraten Karen Haekkerup. Sie hält die Kampagne für «exzeptionell bescheuert».
Kritik gibt es nicht nur im Staate Dänemark: Auch die Teilnehmer einer internationalen Verkehrskonferenz verließen bei Aufführung des Verkehrsaufklärungsfilms scharenweise den Saal, berichtet das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in seiner Ausgabe vom Montag. Dänischen Medienberichten zufolge stieß der Filmbeitrag auch in Vatikanstaat auf Interesse: Dort wurden die IP-Adressen von 55 Nutzern der Internetseite lokalisiert. (nz)