Second Life ohne Ende:
Kein Oscar für Second Life
25.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Leider stimmt die Nachricht nicht. Von einem Hollywood-Film konnte auf meine Nachfrage beim Ausstatter keine Rede sein. Tatsache ist aber, das es bereits zahlreiche Filme gibt, die innerhalb der Online-Welt von «Second Life» gedreht und gezeigt wurden.
Pornoindustrie dominiert
Die Suche nach den Filmen gestaltet sich allerdings frustrierend. Wer sich durch die Suchworte «Kino» oder «Film» an den Zielort teleportieren lässt, stellt schnell fest, dass in der «SL»-Filmbranche die Pornoindustrie das Sagen hat. Die Filme, die dort laufen, zeigen dann allerdings echte Menschen und nicht etwa Avatare im Sexrausch.
Vorher muss sich der interessierte Porno-Konsument in der Regel auf einer Website registrieren, Zahlinformationen hinterlassen, um dann im Anschluss die Porno-Filme innerhalb von «Second Life» anzuschauen. In manchen Kinos kann der Avatar dann beim Sehen der echten Porno-Filme gleichzeitig Sex haben, so dass sich die beiden Porno-Wirklichkeiten vollends vermischen.
Second Life-Filme im Internet
Wer nun aber Filme finden möchte, die innerhalb von «Second Life» gedreht wurden, muss die virtuelle Wirklichkeit verlassen und die Filme bei machinima.com, youtube.com und secondlife.com anschauen. Die Werke werden zwar auch immer wieder innerhalb von «Second Life» gezeigt, doch sind sie dort nicht ständig abrufbar.
«Als Kameramann war ich von den Möglichkeiten von 'Second Life' fasziniert und konnte einfach nicht widerstehen», sagte Kirkorian Netzeitung.de. Deshalb habe er am «Machinima»-Festival teilgenommen. «Machinima» steht für «Machine in Cinema», also für Filme, die innerhalb von 3-D-Welten produziert werden.
David Laundra, wie Kirkorian im richtigen Leben heißt, unterrichtet in New York Schauspiel und ist als Schauspieler bereits selbst in Filmen und Serien aufgetreten. Die Synchronisation des Films «Lip Flap» haben er und seine Frau übernommen. Die virtuelle Welt biete faszinierende Möglichkeiten, erzählt er. Das Drehen sei sehr billig, schließlich habe jeder Spieler automatisch die Möglichkeit, Filmsequenzen aufzunehmen. Nur die Post-Produktion sei ähnlich teuer und aufwendig wie bei einem richtigen Film.
Jobs für echte Schauspieler
Laundra geht davon aus, dass Schauspieler künftig auch mit «Second Life»-Filmen richtiges Geld verdienen können. Zumindest als Sprecher seien sie gefragt, deshalb erzähle er auch gerade seinen Studenten von den Möglichkeiten von «Second Life». Von den Hollywood-Gerüchten habe er auch gehört, wisse aber nichts Konkretes.
Die meisten virtuellen Cineasten scheinen mit ihrem Talent richtiges Geld verdienen zu wollen. So bieten die Macher des Western «Silver Bells and Golden Spurs», die «Bedazzle Studios», ihre Dienste als «Second Life»- Studio auch im Internet an. Ein Film koste zwischen 5000 und 10.000 Dollar, heißt es auf der Website. Auch innerhalb von «Second Life» nimmt das Film-Geschäft feste Formen an. Schauspieler organisieren sich bereits in eigenen Gilden, und es gibt verschiedene Kino-Gemeinschaften.
Vielleicht liegt es am erwünschten Werbe-Effekt, dass «Second Life»- Filme durchweg unpolitisch sind. Es handelt sich um reine Spaß-Filme, manche glorifizieren auch die Möglichkeiten der neuen virtuellen Welt.
In «Better life» wird zum Beispiel die Geschichte eines Rollstuhlfahrers erzählt, der in «Second Life» endlich wieder laufen kann. Was wie unerträglicher Kitsch klingt, kommt bei den Zuschauern aber offensichtlich an. Die Foren-Einträge sind durchweg begeistert, und der Film ist gut gemacht.
Blut und Horror
Witziger ist der Splatter-Movie «Bloody Mary», der eine Frau zeigt, die dringend einen Mann erobern möchte. Als sie für ihn tanzen will, merkt sie nicht, dass sie vergessen hat, ihre Waffen wegzustecken und somit beim Tanzen ihre gesamte Umgebung niedermetzelt.
Wie sich mit «Second Life»- Filmen Geld verdienen lässt, zeigt das Image-Video von Reuters. Reuters betreibt als bislang einzige Nachrichtenagentur eine Niederlassung in «Second Life», der Film rechtfertigt dieses Engagement.

