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Schwarze Freitage in Second Life

16. Feb 2007 17:04
Die Reporterin im World Stock Exchange (WSE)
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Die Börse in Second Life, der World Stock Exchange (WSE), hat einen Crash erlebt. Unsere Netzreporterin Caroline Benzel berichtet.

Die Börse des Online-Spiels Second Life, der World Stock Exchange (WSE), ist zusammengebrochen. Grund für den Crash seien technische Probleme und nicht etwa unvorhergesehene Kursbewegungen, berichtete der «AvaStar», die führende Zeitung in der virtuellen Welt.

Die Mitte Januar eröffnete Börse habe demnach nur wenige Tage funktioniert, derzeit ist sie geschlossen. Besonders erbost waren die Anleger, als ihre Kontoinformationen gelöscht wurden. Diese Probleme sind aber inzwischen behoben. In minutiöser Kleinarbeit habe der Gründer der Börse, LukeConnell Vandaverre, alle Konten-Saldi wieder hergestellt, versicherte Aktionär Samuel Mulligan gegenüber Netzeitung.de.

Panische Reaktionen

«Die Leute reagieren zu schnell panisch», so Mulligan, «technische Schwierigkeiten seien am Anfang völlig normal». Das sieht Konkurrent Van Ames anders, der kurzerhand eine neue Börse gegründet hat, den Virtual Commerce Exchange (VCE). Van Ames, ein massiger Avatar im zu klein geratenen Anzug, gehört das Unternehmen Ames Infinity Financial, das in Second Life bereits eine Bank betreibt und Kreditkarten herausgibt. «Wir haben super Programmierer und werden keine vergleichbaren Probleme haben», erklärt der Börsengründer im Interview.

«Reines Wunschdenken» meinen dagegen die Konkurrenten von WSE, LukeConnell Vandeverre und Shaun Altman. Es sei eine Sache, über ein System zu theoretisieren und eine andere, es zu verwirklichen. «Falls die VCE funktionieren sollte, werde ich aber die eine oder andere Anwendung übernehmen» erklärt Altman, der in Gestalt eines Fuchses in Second Life auftritt.

Derzeit überarbeitet er die gesamte Programmierung der WSE, spätestens in zehn Tagen soll sie wieder reibungslos funktionieren. Der Handel mit den Second Life-Aktien erfolgt dann über eine Website, Kontoinformationen können an einem Geldautomaten innerhalb des Spiels abgerufen werden. Gleichzeitig wird eine Art Börsenaufsicht eingeführt. Wie in der realen Welt haben Firmen die Möglichkeit, über Aktienverkäufe ihr Kapital zu erhöhen.

Für fünf Linden-Dollar

WSE-Chef LukeConnell hat aber noch größere Pläne. Neben den Anteilen an der WSE gehören ihm auch ein Nachtclub und Anteile einer Bank, bei der Second Life Bewohner virtuelle Kredite aufnehmen können. Für die Zukunft plant er einen Fernsehsender innerhalb des Online-Spiels.

Auf die Frage, ob sich so viel Engagement angesichts des geringen realen Werts der Spielwährung Linden-Dollar wirklich lohne, reagiert er überschwänglich. Aber selbstverständlich! LukeConnell geht davon aus, dass sich der Wechselkurs zugunsten des Linden Dollars stark verbessern werde.

Dass eine eigene Börse für Second Life wichtig sei, finden auch die Anleger. Samuel Mulligan hält sie für eine große Bereicherung. «Früher war ich im richtigen Leben hobbymäßig investiert – zumindest bis zum letzten Crash. Jetzt versuche ich hier mein Glück.»

Noch halten sich die Verluste der Anleger zumindest in Grenzen. Anteile gibt es bei beiden Börsen für weniger als fünf Linden-Dollar, das entspricht etwa zwei amerikanischen Cent.

 
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