netzeitung.deVerbot von Telefon-Marketing wird ignoriert

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Telefonistin (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Telefonistin
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Meist klingelt es am Abend oder am Wochenende. Ahnungslosen Bürgern am Telefon Produkte zu verkaufen, ist so lukrativ, dass ein Verstoß gegen geltendes Recht billigend in Kauf genommen wird.

Trotz eines weit reichenden Verbots von Telefonwerbung erhalten immer mehr Deutsche unerwünschte Werbeanrufe. Vor allem Gewinnspiele oder Telekommunikations- Dienstleistungen werden über das Telefon vermarktet. Die Zahl ist in den ersten drei Quartalen 2006 im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Drittel angestiegen, teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) am Mittwoch in Berlin mit.

Dabei ist das so genannte Telefonmarketing nach dem im Juli 2004 in Kraft getretenen Wettbewerbsrecht ohne das Einverständnis des Angerufenen verboten. Die Anbieter interessiert das jedoch wenig, wie eine Statistik der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) belegt. Danach sind die Zahlen der unerwünschten Werbeanrufe seit Inkrafttreten des Verbotes fast kontinuierlich angestiegen. Die Spitze erreichten sie Anfang 2006: Zwischen Januar und März griffen die Werber über 82 Millionen Mal zum Telefonhörer – das sind rund 900.000 Anrufe am Tag.
Verbot reicht nicht aus
Die gesetzlichen Regelungen reichten nicht aus, um die Verbraucher wirksam vor den unangemeldeten Werbeanrufen zu schützen, kritisierte der VZBV. «Gesetzeslücken und fehlende Sanktionen bieten Werbetreibenden geradezu einen wirtschaftlichen Anreiz, gegen das Gesetz zu verstoßen», sagte Verbandsvorstand Edda Müller.

Der VZBV forderte deshalb, dass die unerwünschten Werbeanrufe als Ordnungswidrigkeit deklariert werden, die mit einer Geldstrafe geahndet wird. Um die Anrufer identifizieren zu können, sollen sie ihre Rufnummer nicht mehr unterdrücken dürfen. Der finanzielle Anreiz solle dadurch gemindert werden, dass der Verbraucher einen Vertrag, der auf Grund eines unzulässigen Werbeanrufs entstanden ist, auflösen und zudem Schadensersatz fordern kann.

Das Geschäft ist für die Anbieter offensichtlich lohnend genug – dem Verbot, aber auch dem Unwillens der Angerufenen zum Trotz. Dabei sind die Betroffenen nach einer Umfrage der Verbraucherschützer im vergangenen Sommer zufolge sehr genervt, wenn das Telefon meist am Abend oder am Wochenende klingelt. Gerade mal sechs Prozent der Befragten fühlten sich nicht von den Telefonwerbern belästigt.

Bei der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale beschweren sich jedes Jahr mehr als 12.000 Bürger über die unerwünschten Anrufe. Die Verbraucherschützer fordern die Bürger auf, diese Anrufe zu dokumentieren und ihnen die Daten zur Verfügung zu stellen, damit sie gegen die Werber vorgehen können. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat dazu einen Vordruck auf ihrer Website zum Herunterladen bereit gestellt. (nz)