10. Jan 2007 18:09
Der US-Geheimdienst NSA hat Softwarekonzern Microsoft bei der neuen Version seines Betriebssystems beraten. Die NSA ist dafür bekannt, anderer Leute E-Mails zu lesen.
Nach Angaben von Microsoft hat jedoch keine der befragten Organisationen, auch die NSA nicht, an der Entwicklung von Vista mitgewirkt, sondern lediglich zum Sicherheitsleitfaden beigetragen. Die NSA sagt, sie habe geholfen, das Betriebssystem gegen Würmer, Trojanische Pferde oder Hackerattacken abzusichern.Im konkreten Fall hat die NSA mit zwei Teams die Sicherheitsmechanismen von Vista getestet. Das eine Team habe dabei verschiedene Angriffe auf das System gestartet, das andere war den Systemadministratoren des Verteidigungsministeriums behilflich bei der sicheren Konfiguration des Betriebssystems. Die Zusammenarbeit nützt auch den US-Behörden selbst, auf deren Computern ebenfalls «Windows»-Betriebssysteme installiert sind.
Die Zusammenarbeit mit Regierungsstellen bei der Absicherung von Betriebssystemen ist nicht unüblich. Sie stehe allen in Fragen der Sicherheit zur Seite, sagte NSA-Sicherheitsspezialist Tony Sager. Ihre Dienste stellt die NSA dabei kostenlos zur Verfügung. Auch Microsoft-Konkurrent Apple hat sich in Sicherheitsfragen bei «Mac OS X» an Regierungsstellen gewandt. Neu im Fall «Vista» ist nach Angaben von NSA-Sprecher Ken White, dass die NSA mit einem Hersteller vor der Markteinführung eines Systems zusammen gearbeitet habe. Weil sie so früh in den Prozess miteinbezogen worden sei, habe die NSA Microsoft dabei helfen können, das Produkt sicher zu machen. Die Hauptaufgabe der NSA ist die Überwachung von Kommunikation - und das auch im eigenen Land. Dort steht der technische Nachrichtendienst seit längerem in der Kritik, weil er im Zuge der Terrorbekämpfung US-Bürger abgehört hat. Experten befürchten zudem, dass der Dienst mit Hilfe des weltweiten Abhörsystems Echelon in der Lage ist, E-Mails aus aller Welt zu lesen. Die Existenz der NSA war von den US-Behörden lange Zeit derart vehement geleugnet worden, dass das Kürzel NSA gern als «no such agency», also: «kein solcher Dienst» verballhornt wurde.
In der Vergangenheit war bereits des Öfteren über eine Zusammenarbeit von Microsoft und amerikanischen Behörden sowie über mögliche Hintertüren in das «Windows»-Betriebssystem spekuliert worden. So hatten China, Japan und Südkorea nicht zuletzt aus Sicherheitserwägungen vor einigen Jahren beschlossen, ein eigenes, asiatisches Betriebssystem auf der Basis des Open-Source-Betriebssystems Linux zu entwickeln.Die Zusammenarbeit von Microsoft und der NSA beflügeln diese Bedenken nun aufs Neue. Dafür gebe es gute Gründe, sagte Marc Rotenberg vom der amerikanischen Datenschutzorganisation Electronic Privacy Information Center (EPIC). Wenn der Spionagedienst der Regierung mit dem privatwirtschaftlichen Topentwickler von Betriebssystemen zusammenarbeite, schrille so manche Alarmglocke. (nz)