22. Dez 2006 16:53
Die Informatikerin Constanze Kurz warnt vor dem unbedachten Einkauf mit Kredit- und Payback- Karten. Die Netzeitung sprach mit ihr über den gläsernen Kunden und das große Geschäft mit Kaufprofilen im Ausland.
Netzeitung: Wir haben jetzt gerade die Adventszeit hinter uns, die Leute sind wie die Irren einkaufen gegangen und die meisten haben vermutlich mit einer Kreditkarte oder mit einer Kundenkarte gezahlt und sich darüber gefreut, kein Bargeld abheben zu müssen. Gibt es bei einer Kreditkarte oder den Chips auf den diversen Kundenkarten eigentlich auch unerwünschte Nebenwirkungen?Constanze Kurz: Das kann man natürlich nicht pauschal sagen. Es ist allerdings möglich und zwar deshalb, weil man nicht wirklich weiß, was die Kreditkartenfirma mit den Daten genau macht. Diese Payback- Karten wie etwa die Happy Digits und andere Anbieter, haben eine Rabattfunktion.
Eigentlich dienen sie aber nur dazu, gute Profile über den Käufer und über die Produkte die gekauft werden zu sammeln. Aus diesen Daten kann dann ein soziales Kaufkraftprofil erstellt werden. Die Rabatte an sich sind relativ gering.Netzeitung: Wenn wir also glücklich mit unseren Tüten aus den Geschäften herausgehen, dann haben wir in Wirklichkeit schon einen virtuellen Fingerabdruck hinterlassen, der verwendet wird, um uns weiter zu durchleuchten?
Kurz: Natürlich. Man hinterlässt damit eine digitale Spur. Über das Kaufverhalten aber auch über die Interessen. Gerade Weihnachten, wo sehr viel gekauft wird kann man gute Profile darüber machen, was man kauft und wie viel Geld man ausgibt. Das ist schon sehr interessant für kommerzielle Firmen, die diese Daten auswerten wollen um später Werbung zu schicken oder schlichtweg ein Kaufprofil feststellen wollen.
Netzeitung: Und das geschieht auch tatsächlich?
Kurz: Das ist ein großes Geschäft. Natürlich wird das nicht nur in Deutschland betrieben. Internationale Firmen sind auch deshalb auf dem Deutschen Markt aktiv, weil die Deutschen mit ihrer hohen Kaufkraft für den gesamten internationalen Markt interessant sind. Wenn ein Data-Mining darüber betrieben wird, d.h. die Daten gesammelt werden oder nach Interessen sortiert werden und von Fehlern bereinigt werden, sind diese Informationen wertvoll.
Netzeitung: Muss man sich das so vorstellen, dass zum Beispiel ein berühmtes Kaufhaus in Berlin die Daten an irgendeine Firma weitergibt nachdem ich meine Rechnung gezahlt habe? Und die wiederum stellt fest: sehr interessant, der Herr Maier kauft Käse, Bücher, Hemden.. und diese Daten werden dann irgendwo verwertet und am Ende bekomme ich Prospekte von diversen Firmen damit ich ihre Produkte kaufe?
Kurz: Ich möchte keine Handelsfirma im Besonderen beschuldigen aber natürlich sind die kommerziellen Unternehmen, vor allem die, bei denen die Kreditkarten anfallen, indirekt mit daran beteiligt - aber auch die Verkäufer solcher Daten. Es ist schließlich legal, weil die meisten von uns die Zustimmung automatisch unterschrieben haben, das auch Dritte die von der Kreditkartenfirma gesammelten Daten haben und auswerten dürfen.
Netzeitung: Im Zeitalter des Internet ist das Datenschutzthema vielleicht gar nicht das größte Problem für die Leute. Die sagen vielleicht: Why not? Ich möchte schließlich informiert werden.
Kurz: Richtig. Der Datenschutz wird von vielen als weniger wichtig wahrgenommen. Das liegt aber meiner Meinung nach zum großen Teil daran, dass den einzelnen Kunden überhaupt nicht bewusst ist, was mit den Daten alles gemacht werden kann und wer darauf Zugriff hat. Die Komplexität der heutigen Welt in Bezug auf die Auswertung von digitalen Daten übersteigt einfach das Wissen von vielen Leuten. Die meisten können sich die Konsequenzen noch gar nicht ausmalen.
Mit Constanze Kurz sprach Michael Maier. Das komplette Interview hören Sie in «Sonntags ab 10» auf Radio 100,6 Motor FM oder im Internet: www.netzeitung.de/audio.