Millionenspende für Internet-Gedächtnis
21.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bald digital im Internet: Bücher im Regal
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Internet-Archiv digitalisiert Bücher und stellt sie in einem offenen Format im Internet zur Verfügung. Außerdem speichert es seit 1996 das World Wide Web.
Das nichtkommerzielle «Internet Archive Wayback Machine» hat in San Francisco bekannt gegeben, dass es eine Spende in Höhe von einer Million Dollar von der Alfred P. Sloan Foundation erhalten hat. Das Geld ist für das neueste Projekte des Archivs bestimmt: Bücher zu scannen und über das Internet zugänglich zu machen. 100.000 Bücher liegen bereits in digitaler Form vor und können über die Website abgerufen werden.
Die Spende ermöglicht es den Internet-Archivaren um Gründer Brewster Kahle, mehrere Sammlungen aus großen öffentlichen Bibliotheken in den USA zu digitalisieren, darunter die persönliche Bibliothek des Gründers der Boston Public Library und die Veröffentlichungen des New Yorker Metropolitan Museum of Art.
Offenes FormatKahle und das Internet Archive leisteten Pionierarbeit beim Aufbau einer frei und ohne technische Einschränkungen zugänglichen digitale Bibliothek, sagt die Sloan Foundation. Die Initiative des Archivs richtet auch sich gegen die von Suchmaschinenbetreiber Google unternommene Digitalisierung von Büchern. Wichtigstes Argument: Google speichere die gescannten Bücher in einem proprietären Format. Gemeinfreie Bücher sollten jedoch in für jedermann zugänglich und in einem offenen Format gespeichert werden. Das Internet-Archiv selbst basiert auf Open-Source-Software.
Die «Wayback Machine» archiviert seit 1996 alle zwei Monate alle Seiten aus dem World Wide Web. Inzwischen sind in der Datenbank nach Angaben der Betreiber 65 Milliarden Dokumente von 50 Millionen Websites aus aller Welt gespeichert, inklusive Text, Audiodateien, Filme und Bilder. Erst kürzlich hat haben die Webarchivare eine Ausnahmeregelung für das Bewahren urheberrechtlich geschützter digitaler Werke erwirkt. Die Regelung gilt für «Programme und Videospiele in Formaten, die inzwischen nicht mehr gebräuchlich sind und die Originalmedien zum Betrieb voraussetzen».
Verfahren gegen GoogleGegen Googles Bücherdigitalisierung werden bereits mehrere Gerichtsverfahren geführt. Autoren und Verlagen beschuldigen den Suchmaschinenbetreiber, nicht die Erlaubnis der Urheberrechtsinhaber eingeholt zu haben. Google hingegen argumentiert, nur Ausschnitte der geschützten Werke in der Ergebnisliste zu zeigen. Eine Gerichtsurteil dazu gibt es jedoch noch nicht.
Im Gegensatz dazu scannt das Internet Archive nur Bücher mit Erlaubnis der Autoren oder solche, deren Urheberrechtsschutz bereits abgelaufen ist. In Deutschland ist das 70 Jahre nach dem Tod des Autors der Fall. (nz)