netzeitung.deDatenschützer für mehr Gefahrenbewusstsein

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Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Bundesdatenschutz- Beauftragte Schaar warnt vor leichtfertigem Umgang mit Funkchips. Außerdem fordert er ein Gütesiegel für datenschutzfreundliche Produkte.

Deutschlands oberster Datenschützer Peter Schaar sorgt sich um die informationelle Selbstbestimmung der Bürger. Zunehmend entstehe «eine neue Datenverarbeitungswelt, die nicht mehr klar hierarchisch strukturiert, sondern die vielfältig vernetzt ist», erläuterte sagte Schaar in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP Bonn.

Dabei geht es nicht nur Computer oder das Internet. Immer mehr Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs werden mit Computerchips ausgestattet, die elektronisch erfassbare Datenspuren hinterlassen, allen voran die Funketiketten, so genannte RFID-Tags. Die Abkürzung steht für «Radio Frequency Identification», zu deutsch: Funkerkennung. Wird das Funketikett an einem Lesegerät vorbei geführt, können die auf dem Chip gespeicherten Informationen ausgelesen werden. Die für den Lesevorgang benötigte Energie strahlt der Leser aus. Das geht auf eine Entfernung von mehr als einem Kilometer.

Diese Etiketten erfreuen sich bei Industrie und Handel immer größerer Beliebtheit, da sie automatisch ausgelesen werden können. Das erleichtert beispielsweise die Lagerhaltung oder die Logistik. Kritiker bemängeln jedoch, dass Händler mit dieser Technik einen Blick in die Einkaufstasche eines jedes Geschäftsbesuchers werfen könnten. Schaar befürchtet sogar den «gläsernen Kunden».
Kontrolle per RFID
Allerdings gibt es auch andere Anwendungen. So haben etwa Nike und Apple ein RFID-basiertes System entwickelt, mit dem Sportler ihre Leistungen kontrollieren können. Das System hat sich jedoch als nicht abhörsicher erwiesen. Beim Marathonlauf sei es erwünscht, wenn der Chip im Schuh automatisch die Zwischenzeiten melde, sagte der Datenschützer. Wenn jedoch ein RFID-Chip in der Sohle eines Straßenschuhs immer auf Sendung sei, sei auch sonst das Verhalten kontrollierbar. «So ein Lesegerät könnte auch in jede Fußmatte oder jeden Türrahmen eingebaut werden. Ich merke als Betroffener davon nichts, aber ich werde heimlich überwacht, in einer Art und Weise, die weit über das hinausgeht, was wir bisher kennen. Jeder Schritt wird damit nachvollziehbar.»

Schaar setzt eher auf Transparenz und Aufklärung, als auf staatliche Regulierung. «Man kann mit Gesetzen nicht jeder technischen Entwicklung hinterherlaufen», sagte er. «Wichtiger wäre mir, dass der Betroffene ziemlich sicher sein kann, nicht überwacht zu werden, zumal die Datensammlung im privaten Sektor mit wesentlich weniger Skrupel vorgeht als im behördlichen Bereich. Das ist eine echte Herausforderung.» Ein so genanntes Datenschutz-Audit, also eine gründliche Überprüfung durch unabhängige Experten, und ein danach verliehenes Gütesiegel könnten dem Verbraucher ermöglichen, sich für datenschutzfreundliche Produkte zu entscheiden.

Erforderlich sei aber auch ein gesundes Misstrauen der Konsumenten. Zunehmend würden «bedenkenlos irgendwelche Dienste und Techniken in die Welt gesetzt und in Anspruch genommen, aber die Konsequenzen erst bedacht, wenn es zu spät ist», sagte Schaar. (nz)