StudiVZ-Betreiber sehnen sich nach Ruhe
11.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Lehrbuch: Innerhalb eines Jahres entwickelte sich die Internetplattform StudiVZ vom Berliner Hinterhof-Projekt zum regelmäßigen Treffpunkt von mehr als 1,1 Millionen Studenten. Doch in den vergangenen Wochen hagelte es reichlich Kritik an den Machern der Plattform: Sicherheitslücken, Datenschutzprobleme, Vorwürfe wegen sexueller Belästigung durch einige Gruppen und Zweifel an der Finanzierung ließen viele Studenten an der Seriosität des Angebots zweifeln.
Das Prinzip der Plattform ist einfach: Jedes Mitglied hat eine Kontaktseite mit einem Persönlichkeitsprofil - Studienfächer, Hobbys, Lieblingsbücher oder private Fotos. Bei Bedarf kann auch jeder mitteilen, ob er «vergeben» oder noch auf der Suche nach der großen Liebe ist. In mehr als 200.000 Gruppen treffen sich Gleichgesinnte und plaudern über ihre Lieblings-Themen.
Auf einer «Pinnwand» können Grüße hinterlassen werden. Seit vergangenen Dienstagabend ist die Seite wieder online. «Unglaubliche 180.000 Nutzer haben sich bereits innerhalb der ersten Stunde eingeloggt», sagt Dario Suter, Mitgesellschafter und Marketingleiter von StudiVZ. Er versichert: «Die Sicherheitslücken sind geschlossen und der Datenschutz wieder gewährleistet.» Er hoffe, dass nach den turbulenten Wochen nun wieder Ruhe einkehre.
«Es gibt immer schwarze Schafe und Gruppen mit zweifelhaften Inhalten - das lässt sich bei so vielen Nutzern kaum verhindern», relativiert der Bamberger Medien-Soziologe Jan Schmidt die Vorfälle. Eine solche Plattform sei ein Spiegel der realen Gesellschaft. Bei Datenschutz und Sicherheitslücken rät der Web-Experte den Nutzern grundsätzlich zur Vorsicht: «Die Informationen sind potenziell öffentlich und für jeden zugänglich, auch wenn diese Öffentlichkeit nicht direkt fühlbar ist.» Darüber müsse sich ein Nutzer im Klaren sein.
Nach Unternehmens-Angaben ist mittlerweile jeder zweite Student in Deutschland mit einem Profil vertreten. Jeden Tag kommen rund 10.000 Neuanmeldungen hinzu. Eigenen Angaben zufolge stehen dem Unternehmen rund 2,5 Millionen Euro Kapital zur Verfügung, mehr als 50 Mitarbeiter sind in den Berliner Büros beschäftigt. Größter Investor ist die Holzbrinck Ventures GmbH, die im August dieses Jahres zwei Millionen Euro in das junge Projekt investierte. Auch die Brüder Samwer, Gründer des Klingeltonanbieters Jamba, besitzen Anteile an der Firma.
Der Erfolg habe alle überrascht, dadurch seien sowohl technische als auch organisatorische Fehler gemacht worden. «Wir wollen mit diesen Themen in Zukunft professioneller umgehen.» In einem ersten Schritt will er in den nächsten Wochen gemeinsam mit den Mitgliedern einen Verhaltens-Codex für die Nutzung der Plattform erarbeiten. (dpa)

