netzeitung.deStudiVZ-Betreiber sehnen sich nach Ruhe

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«Die Sicherheitslücken sind geschlossen und der Datenschutz wieder gewährleistet», sagt StudiVZ-Marketingleiter Suter. Die Studentenplattform kämpft gegen Probleme auf mehreren Ebenen.

Von Oliver Hollenstein

Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Lehrbuch: Innerhalb eines Jahres entwickelte sich die Internetplattform StudiVZ vom Berliner Hinterhof-Projekt zum regelmäßigen Treffpunkt von mehr als 1,1 Millionen Studenten. Doch in den vergangenen Wochen hagelte es reichlich Kritik an den Machern der Plattform: Sicherheitslücken, Datenschutzprobleme, Vorwürfe wegen sexueller Belästigung durch einige Gruppen und Zweifel an der Finanzierung ließen viele Studenten an der Seriosität des Angebots zweifeln.

Kürzlich geriet die Seite ins Visier von Hackern: Vorsichtshalber nahm das Unternehmen das Angebot ein paar Tage aus dem Netz, um Sicherheitslücken zu schließen.

Das Prinzip der Plattform ist einfach: Jedes Mitglied hat eine Kontaktseite mit einem Persönlichkeitsprofil - Studienfächer, Hobbys, Lieblingsbücher oder private Fotos. Bei Bedarf kann auch jeder mitteilen, ob er «vergeben» oder noch auf der Suche nach der großen Liebe ist. In mehr als 200.000 Gruppen treffen sich Gleichgesinnte und plaudern über ihre Lieblings-Themen.

Auf einer «Pinnwand» können Grüße hinterlassen werden. Seit vergangenen Dienstagabend ist die Seite wieder online. «Unglaubliche 180.000 Nutzer haben sich bereits innerhalb der ersten Stunde eingeloggt», sagt Dario Suter, Mitgesellschafter und Marketingleiter von StudiVZ. Er versichert: «Die Sicherheitslücken sind geschlossen und der Datenschutz wieder gewährleistet.» Er hoffe, dass nach den turbulenten Wochen nun wieder Ruhe einkehre.

Heftige Kritik
In den vergangenen Wochen stand das junge Unternehmen heftig in der Kritik. Vor allem Berichte über sexuelle Belästigungen auf der Plattform sorgten bei den Nutzern für Unmut. Dabei hatten sich Gruppen von Studenten bewusst Profile einzelner Studentinnen ausgesucht und diese mit Nachrichten belästigt. Die Studentenvertreter der Freien Universität Berlin sprachen von «Massen-Cyber-Stalking» und rieten Studenten, ihre Profile zu kündigen.

«Es gibt immer schwarze Schafe und Gruppen mit zweifelhaften Inhalten - das lässt sich bei so vielen Nutzern kaum verhindern», relativiert der Bamberger Medien-Soziologe Jan Schmidt die Vorfälle. Eine solche Plattform sei ein Spiegel der realen Gesellschaft. Bei Datenschutz und Sicherheitslücken rät der Web-Experte den Nutzern grundsätzlich zur Vorsicht: «Die Informationen sind potenziell öffentlich und für jeden zugänglich, auch wenn diese Öffentlichkeit nicht direkt fühlbar ist.» Darüber müsse sich ein Nutzer im Klaren sein.

Faszination ungebrochen
Die Faszination solcher Internetangebote ist für Schmidt trotz der Sicherheitsdiskussionen ungebrochen. «Es ist im Studiverzeichnis unheimlich einfach, Menschen mit den selben Interessen kennen zu lernen oder Kontakt zu alten Freunden zu halten.» Das Portal gründeten die beiden Studenten Ehssan Dariani und Dennis Bemmann nach dem Vorbild amerikanischer Internet-Communities. Das Geld liehen sie sich von Freunden. Die Idee verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Kamen die ersten 100.000 Mitglieder innerhalb von neun Monaten zusammen, waren es viereinhalb Monate später bereits eine Million.

Nach Unternehmens-Angaben ist mittlerweile jeder zweite Student in Deutschland mit einem Profil vertreten. Jeden Tag kommen rund 10.000 Neuanmeldungen hinzu. Eigenen Angaben zufolge stehen dem Unternehmen rund 2,5 Millionen Euro Kapital zur Verfügung, mehr als 50 Mitarbeiter sind in den Berliner Büros beschäftigt. Größter Investor ist die Holzbrinck Ventures GmbH, die im August dieses Jahres zwei Millionen Euro in das junge Projekt investierte. Auch die Brüder Samwer, Gründer des Klingeltonanbieters Jamba, besitzen Anteile an der Firma.

«Dezente Banner-Werbung»
Ziel der Jung-Unternehmer ist es, die Plattform auch künftig kostenlos anbieten zu können. «Die Finanzierung soll dann über dezente Banner- Werbung laufen», erklärt Suter. US-Vorbild Facebook soll auf diese Weise jährlich Beträge im hohen zweistelligen Millionen-Bereich verdienen. «Das Wichtigste für Studiverzeichnis ist das Vertrauen der Studenten. Das wollen wir zurückgewinnen», sagt Dario Suter.

Der Erfolg habe alle überrascht, dadurch seien sowohl technische als auch organisatorische Fehler gemacht worden. «Wir wollen mit diesen Themen in Zukunft professioneller umgehen.» In einem ersten Schritt will er in den nächsten Wochen gemeinsam mit den Mitgliedern einen Verhaltens-Codex für die Nutzung der Plattform erarbeiten. (dpa)