24.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Szene aus 'Second Life'
Foto: Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein Programm ermöglicht das Kopieren von Waren bei «Second Life». Die Online-Spieler reagierten entrüstet.
Ein Programm namens «Copybot» gefährdet das Wirtschaftssystem der Online- Spielwelt «Second Life». Die empörten Reaktionen der Online-Spieler können im offizielle Blog der Entwickler-Firma Linden Labs nachgelesen werden. Einige Online-Geschäfte nahmen ihre Ware aus Angst vor Nachahmung sogar aus dem Netz.
Mit «Copybot» können Bewohner der virtuellen Welt Kopien der Gegenstände von «Second Life» anlegen ohne das Einverständnis ihrer Eigentümer. Solche Kopie verstoßen laut Linden Labs gegen die Nutzungsbestimmungen des Spiels.
Nutzer-Konten sperrenAlle Spieler könnten grundsätzlich «einen vollständigen Schutz ihres geistigen Eigentums hinsichtlich der von ihnen erstellten digitalen Inhalte in Anspruch zu nehmen», betonte das Unternehmen. Bei Verstößen werde der entsprechenden Nutzer-Account gesperrt, drohte Linden.
Seit dem das Programm veröffentlicht ist, müssen «Second Life»-Spieler beim Einloggen versichern, keine unerlaubten Kopien anfertigen. Ein solches Zugeständnis war zuvor nicht erforderlich. Erstnutzer mussten allerdings den geltenden Spiel-Bestimmungen zustimmen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben an technischen Möglichkeiten, sichtbar zu machen, wann Güter kopiert wurden.
Lücke im DesignDer Programmierer von «Copybot» erklärte unter dem Namen «Baba Yamamoto» im «Second Life»-Blog, sein Programm nutze eine Lücke im Design: Daten des frei übertragenen Protokoll-Streams des Spiels würden auf andere Art als vorgesehen eingesetzt.
Komplizierte Waren wie etwa Autos können mit «Copybot» allerdings nicht kopiert werden. Die Programmiersprache, die verwendet wird, um die realistischen Bewegungen eines Autos zu imitieren, wird nicht an die Nutzer übertragen. Sie bleibt auf den Computern von Linden Labs. Daher kann «Copybot» hier nicht eingreifen.
Nutzer, die das Kopier-Programm verwenden, riskieren die Sperrung ihres Zugangs. Schließlich können die Entwickler genau nachverfolgen, welcher Nutzer was hochlädt. Der totale Überwachungsstaat, vor dem im echten Leben gewarnt wird, ist in der virtuellen Welt bereits Realität. (nz)