netzeitung.deForum ignorierte Hilferuf des Schul-Schützen

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Screenshot des umstrittenen Forum-Eintrags (Foto: Screenshot nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Screenshot des umstrittenen Forum-Eintrags
Foto: Screenshot nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Beratungsforum, in dem Bastian B. einen möglichen Amoklauf angekündigt hatte, wehrt sich gegen mögliche Vorwürfe: Damals habe keine Gefahr bestanden.

Die Sätze «Ja, es geht hier um Amoklauf» und «Bitte helft mir» sind nicht als Ankündigung einer Straftat zu werten - zumindest nicht für Andreas Wimmer, den Geschäftsführer des Berliner Forums «das-beratungsnetz.de».

Der Schul-Schütze Bastian B. hatte 2004 unter dem Synonym «ResistantX» seine Leiden auf dem Forum geschildert und mit Gewalt gedroht. Der User habe seine Aussagen aber zugleich mit seiner Überschrift dementiert, sagte Wimmer der Nachrichtenagentur dpa. Sie habe gelautet: «Das hier ist nicht als Ankündigung oder Schöngerede zu verstehen», verteidigte er sich.
Dementi während der Planung
Eineinhalb Jahre später habe «ResistantX» seine Äußerungen mit Sätzen ergänzt, die sogar noch entwarnender wirkten: «Naja, was soll ich sagen, mir geht es besser... Ich denke, ich habe damals wohl übertrieben», zitierte Wimmer aus den Forumsbeiträgen. Wie die Netzeitung berichtete, beschäftigte sich Bastian B. zurzeit dieses Dementi allerdings bereits mit dem Thema Bombenbauen.

«ResistantX» habe in einer Krise Hilfe gesucht, räumte Forums- Geschäftsführer Wimmer ein. Für viele Nutzer sei bereits das Niederschreiben ihrer Probleme ein «Ventil». Selbsthilfe-Foren seien bei vielen wegen ihrer Anonymität beliebt. Für den, der darin etwas äußern wolle, gebe es daher eine «niedrige Hemmschwelle».
Austausch über Foren
Die Foren seien eine Möglichkeit, sich mit anderen Nutzern auszutauschen. Ein mitlesendes Team von Moderatoren - Pädagogen und Psychologen - greife insbesondere bei Straftatbeständen oder Suizidgefährdung ein, betonte Wimmer. Im Falle von Sebastian B. alias «ResistantX» sei ein solcher Verdacht Ende Juni 2004 auf Grund der Überschrift aber nicht aufgekommen.

Am Montag hatte der 18-Jährige aus Hass und Frust seine ehemalige Schule im westfälischen Emsdetten überfallen. Er verletzte 37 Menschen, einige davon schwer. Dann tötete er sich selbst. Seitdem wird diskutiert, ob die Tat angesichts seiner vorangegangenen Äußerungen im Netz hätte verhindert werden können. (nz)