Die Gefahr schneller Antworten auf böse E-Mails
22.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Gute Umgangsformen erleichtern die Kommunikation im Internet und sorgen dafür, dass der Austausch mit anderen Benutzern Spaß macht. Oft wird in diesem Zusammenhang die «Netiquette» erwähnt, eine Sammlung von Verhaltensregeln, deren Name sich aus Net und Etiquette zusammensetzt.
«Prinzipiell sollte man sich im Internet so verhalten, wie man es im täglichen Leben erwartet», sagt Thor Alexander aus Metzingen, Autor des Netiquette-Ratgebers «Elektronischer Knigge». Bei E-Mails werden beispielsweise ein aussagefähiger Betreff, eine Anrede und eine Grußformel erwartet. «Wenn man zeitnah antwortet, kann man diese Regel allerdings aufweichen.» Generell sei es höflich, auf E-Mails relativ schnell zu antworten, «normalerweise innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch nach 72 Stunden», sagt Alexander.
Überhaupt sei die Wahl des richtigen Mediums der erste Schritt zur guten Netiquette oder zur Kommunikette, wie Gundolf S. Freyermuth, Autor und Professor für Angewandte Medienwissenschaft an der Internationalen Filmschule Köln, sie nennt. «Das Wort Kommunikette bezieht sich nicht nur auf das Internet, sondern auf alle Formen der Kommunikation», erklärt er. Wer reibungslos kommunizieren möchte, sollte darauf achten, anderen Menschen möglichst wenige Probleme zu bereiten. «Und dabei ist die Wahl des Mediums wesentlich.»
Deshalb sei es wichtig, immer das Kommunikationsmittel auszuwählen, das der jeweiligen Situation angemessen ist. Auch unangemeldete Telefonate hält Freyermuth für überholt - es sei denn, die Information muss unbedingt sehr schnell oder vertraulich übermittelt werden. «Anders als ein Anruf kann eine E-Mail vom Empfänger nach Belieben abgerufen werden.» Sie ist also weniger aufdringlich als ein Telefongespräch.
«Das eigene Kommunikationsverhalten sollte anderen Menschen möglichst wenig Probleme bereiten», lautet ein Grundsatz von Freyermuths Kommunikette. «Doch bei neuen Kommunikationsmitteln neigen wir dazu, unseren Common Sense über Bord zu werfen.» Wer Peinlichkeiten vermeiden möchte, solle sich deshalb klarmachen, dass eine E-Mail keinesfalls nur eine schnellere Variante des Briefs ist. «Was wir in einer E-Mail schreiben oder im Chat tippen, kann ruckzuck weltweit veröffentlicht werden.» (dpa)

